Altersvorsorge: ein stets aktuelles Thema

Christine Egerszegi, Präsidentin der eidgenössischen BVG-Kommission, diskutierte mit Peter Haudenschild über Altersrenten der 1. und 2. Säule am Seniorennachmittag im Salzhaus Brugg.

Gastgeber Peter Haudenschild stellte Christine Egerszegi Fragen, die die ältere Generation bewegen (Bild: em)

von
Esther Meier

03. Oktober 2019
09:00

Titus Meier, Präsident FDP Brugg, freute sich über den gut eingespielten Anlass im Salzhaus, wo am Mittwochnachmittag wiederum Aktuelles aus Politik und Gesellschaft diskutiert wurde. Fast ununterbrochen auf der Tagesordnung stehen Fragen zu Renten und Pensionsgeldern. Peter Haudenschild, der die Veranstaltung zum letzten Mal organisierte, wusste zu berichten, dass Josef Bachmann Stimmen für eine Initiative sammelt, die auf eine Reduzierung laufender Pen­sionen abzielt. Vor der Diskussion empfahl Lukas Pfisterer, Präsident FDP Aargau, die aktive Teilnahme an den kommenden Wahlen. Die liberalen Vorstellungen seiner Partei würden zwar von einem grossen Teil der Bevölkerung geteilt, was sich aber leider beim Wähleranteil zu wenig niederschlage.

 

Fragen und Antworten

In Ausserparlamentarischen Kommissionen, die den Bundesrat unterstützen, dürfen nur inaktive Politiker tätig sein, sie sollen ja eine neutrale Aus­senansicht einbringen, betonte Christine Egerszegi. Deren Mitglieder kommen aus verschiedenen Kreisen wie Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie aus diversen Departementen. 

Was denn eine derartige Kommission koste, wollte Haudenschild wissen. Das Sitzungsgeld beträgt – für Mitglieder wie Präsident – 300 Franken plus Reisespesen. Zu ordentlichen Sitzungen trifft man sich viermal im Jahr. Die von der alt Nationalratspräsidentin eingeführten «Lernzieltreffen» fallen nicht darunter, werden aber aus Interesse an den Themen trotzdem gut besucht. Schliesslich profitieren alle davon, wenn sie ihr Fachwissen erweitern können. 

Egerszegi tritt unbedingt für eine Erhöhung des Rentenalters für Frauen ein, damit wenigstens hier kein Unterschied zwischen Mann und Frau besteht. Denn ein Jahr früher in Pension zu gehen bedeutet, ein Jahr weniger Beiträge einzuzahlen – das spürt man später beim Rentenbezug. 

Selbständigerwerbende haben hier einen deutlichen Vorteil, da sie so lange arbeiten und einzahlen können, wie sie wollen. Der umstrittene Umwandlungssatz, der für den obligatorischen Teil gegenwärtig 6,8 Prozent beträgt, muss zwingend angepasst werden, fordert Egerszegi. Die Umverteilung von Aktiven zu Pensionierten beläuft sich derzeit auf 7 Milliarden Franken. Im Durchschnitt hat jeder Pensionär zu Beginn ein Kapital von rund 300'000 Franken in seiner Pensionskasse. Dies reicht bis zum 82. oder 83. Altersjahr, ab dann muss die Rente aus dem Topf der aktiven Bevölkerung bezahlt werden. Der Umwandlungssatz soll der steigenden Lebensdauer angepasst werden. Aber es darf nicht sein, dass bestehende Pensionen reduziert werden können, wie das Initiant Bachmann wünscht. Das würde einem reichen Land wie der Schweiz schlecht anstehen. 

Die starke Zunahme bei den Ergänzungsleistungen bezieht sich zu dreivierteln auf Kosten in den Pflegeheimen. Hier leben häufig hochbetagte, schlecht versicherte Frauen und Männer, deren Einkommen die hohen Betreuungskosten niemals decken kann. Die vorgesehene Flexibilisierung bei der anstehenden AHV-Revision begrüsst Egerszegi – in Rente gehen soll man zwischen dem 65. und dem 70. Lebensjahr – genauso wie die Angleichung des Pensionsalters für Frauen und Männer. Auf Peter Haudenschilds Frage, wie man die Wirtschaft dazu bringen könne, ältere Arbeitnehmende einzustellen, meinte die Referentin, dies sei nur durch einen Mangel beim Personal möglich. Man müsste also beweisen können, dass keine geeigneten Schweizer Fachkräfte zu haben sind, bevor man im Ausland danach sucht. Ausserdem sollten die Löhne ab etwa 55 Jahren nicht weiter steigen, damit die Lohnkosten für Ältere die Firmen nicht zu stark belasten. Die BVG-Kommis­sionspräsidentin wies darauf hin, dass rund 886 Milliarden Franken risikolos und möglichst ertragreich angelegt werden sollen – im heutigen Umfeld nicht ganz einfach. Schmunzelnd erklärte sie die Abkürzung BVG mit «Besonders viel Geduld».

 

Misstrauen lohnt sich

Gemeinderat Matthias Treier berichtete über die Gemeindegeschäfte von Windisch. Die Schulden konnten bis auf 10 Millionen Franken abgebaut werden. Windisch wächst weiterhin kräftig, will aber seine Infrastruktur qualitativ und quantitativ nicht vernachlässigen, auch im Hinblick auf die kommende Generation. Bruno Kaufmann, Präsident FDP Windisch, erzählte ein Müsterchen eines Swisscom-Angestellten, der eine ältere Dame zur Unterschrift eines Vertrags überreden wollte – zum alleinigen Nutzen der Swisscom, nicht der Kundin. Es lohnt sich also, misstrauisch zu sein. Peter Haudenschild lud zum gemütlichen Teil und dankte seinem treuen Helferteam sowie den Donnschtig-Höcklern für ihre Musik. 

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