Angesteckt vom Husky-Fieber

«Einen solchen Winter wünschten wir uns schon lange», sagt Michael Meer aus Egenwil/Bözberg – und meint damit auch seine Huskys.

Michael Meer, unterwegs mit seinen Huskys auf dem verschneiten Bözberg. (Bild: zVg) 

03. Februar 2021
14:00

Im Januar sah es bei uns aus wie im hohen Norden. Auf dem Bözberg konnte man regelmässig ein Schlittenhundegespann auf wilder Fahrt durch den Schnee beobachten. Bellend vor Freude, zogen die Tiere den Schlitten. Beim Musher handelt es sich um Michael Meer aus dem Bözberger Weiler Egenwil. Im Interview beantwortet er Fragen zu seinem spannenden Hobby, das er zusammen mit seiner Partnerin Luzia Schenker ausübt.


Michael Meer, seit wann halten Sie Schlittenhunde?

Angefangen hat es vor elf Jahren mit einem Schäfer-Husky-Mischling aus einem Tierheim, den wir über den Schweizer Tierschutz übernommen haben. Charly war zweieinhalb Jahre alt und hatte ein trauriges Leben hinter sich. Er war während mindestens einem halben Jahr vor der Übernahme in einem Zwinger auf knapp 2 mal 2 Metern Fläche eingesperrt und konnte nur etwa eine Stunde pro Woche für einen Spaziergang raus. Dementsprechend war der Start nicht nur einfach. Charly lebt aber inzwischen bei meiner Ex-Freundin, mit welcher ich ihn damals übernommen habe.
Mit Charly war der Grundstein zu einem Husky-Rudel gelegt. Eines hat das andere ergeben, und ich war angesteckt mit dem Husky-Fieber. Durch unsere Kollegen Janine und Andi Matsch aus Villnachern sind wir dann mit dem Zughundesport in Kontakt gekommen.


Wie beschreiben Sie Ihre Hunde?

Es sind Siberian Huskys und deren Mischlinge. Da alle Hunde keine Zuchtpapiere haben, ist die Abstammung aber nicht ganz sicher belegt, und bei einzelnen ist wahrscheinlich auch noch etwas Blut von Alaskan Malamute oder Jagdhund drin.
Da wäre Siku, ein Siberian Husky (eventuell noch Malamute), knapp zwölf Jahre alt, vom Vorbesitzer übernommen, da er in dessen Rudel unterdrückt wurde. Inzwischen ist er unser Pensionär; er wird nicht mehr angespannt.
Thor ist unser Leithund. Er ist ein Siberian Husky, fünfeinhalbjährig, den wir als Notfall aus schlechter Haltung übernommen haben. Nuuk ist unser Energiebündel und Leithund, ebenfalls ein Siberian Husky, fünfjährig, aus Beschlagnahmung vom Veterinäramt Bern übernommen (er war einer von 34 beschlagnahmten Huskys im Emmental). Yuma ist unser Wolf. Er ist ein Mischling aus Husky und Tschechischem Wolfshund, knapp vierjährig, den wir als Welpe übernommen haben. Paco ist unser Arbeitstier, Mischling aus Siberian Husky und vermutlich der Rasse Hound, dreijährig, von einer überforderten Vorbesitzerin übernommen.

 


Züchten Sie auch Schlittenhunde?

Nein, wir züchten nicht. Es gibt so viele Huskys und andere Hunde, die einen guten Platz suchen.


Absolvieren Sie Rennen?

Nein, wir starten an keinen Rennen, den Zughundesport üben wir nur zum Spass aus und natürlich, um die Hunde auch auszulasten.


Woher kam die Inspiration für Huskys?

Ich hatte schon immer Freude an Huskys, war aber der Meinung, dass diese nicht in unsere Breitengrade gehören, da es bei uns zu warm ist. Mit dem Schäfer-Husky-Mischling kam ich dann doch in Kontakt mit der Art und dem Wesen der Huskys und musste mich eines Besseren belehren lassen. Huskys liegen also auch gerne bei 35 Grad an der Sonne. Ihre Leistungsfähigkeit entwickeln sie allerdings erst bei tieferen Temperaturen.


Was macht den Charakter der Huskys aus?

Die Tiere dieser Rasse sind einfach super. Sie sind menschenbezogen und verschmust, aber trotzdem sehr eigenständig und robust. Ein Husky ist aber sicher kein harmloser Schosshund. Praktisch alle Huskys sind ausgeprägte Jäger und können kaum von der Leine gelassen werden, da sie sonst aktiv auf die Jagd gehen. Auch ist die Dynamik von einem Husky-Rudel nicht zu unterschätzen. Ein anderer Hund kann da schnell zu Problemen führen, insbesondere wenn er von seinem Halter nicht angeleint wurde und dem Rudel zu nahe kommt. Somit bin ich auch klar der Meinung, dass ein Husky kein Hund für jedermann ist, und eine Anschaffung sollte gut bedacht werden. Denn es hat schon genug von diesen Hunden in Tierheimen. Diese werden nicht selten nach eineinhalb bis zwei Jahren dort abgegeben, sobald ihre Besitzer merken, dass die Haltung schwieriger wird und der Hund womöglich seinen Jagdinstinkt auslebt.

 

Wie erlebten sie die Januarwochen mit viel Schnee vor der Haustüre?

Einen solchen Winter wünschen wir uns schon lange, und wir hätten dies gerne alle Jahre wieder. Wir waren praktisch jeden Tag mit dem Schlitten und den Hunden unterwegs, teilweise sogar zweimal am Tag. Dass wir direkt von der Haustür weg starten konnten, war einfach grandios.
Dank dem von Erich Steffen mit dem Schneetöff präparierten Trail konnten wir auch mit unserem kleinen Viererteam bei einem guten halben Meter Neuschnee im rasanten Tempo durch die verschneite Landschaft und die Wälder auf dem Bözberg sausen und unsere Runden drehen. Unsere Hunde haben uns in dieser Zeit doch etliche Kilometer durch den Schnee gezogen. Es war einfach wunderbar.
Da der Schnee nun leider weg ist, sind wir im Moment wieder mit dem Wagen und den Hunden auf dem Bözberg unterwegs.

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