Anlaufstellen im Ernstfall

Was tun bei Stromausfall, einer Störung im Telefonnetz oder in der Trinkwasserversorgung? Der Kanton Aargau lanciert ein neues Angebot.

Der Notfalltreffpunkt im BWZ-Schulhaus an der Annerstrasse 12 in Brugg. (Bild: sha)

14. Oktober 2020
20:52

Ein weisses Schild mit drei orangefarbenen Figuren, die von einem Kreis umgeben sind – so sieht die Tafel aus, die seit heute offiziell in allen Aargauer Gemeinden die Notfalltreffpunkte (NTP) markiert. Eine solche Tafel steht seit ein paar Wochen auch vor dem Eingang zum Gemeindehaus in Untersiggenthal, das zugleich der Sitz des Regionalen Führungsorgans (RFO) Wasserschloss ist. Das RFO koordiniert im Ernstfall die Partner des Bevölkerungsschutzes: Polizei, Feuerwehr, Zivilschutz, Sanität und technische Betriebe. Das RFO Wasserschloss ist zuständig für die Gemeinden Ober- und Untersiggenthal, Turgi und Gebenstorf.

Doch was passiert an diesen Punkten genau? «Das sind Anlaufstellen, wo die Bevölkerung im Fall eines Ereignisses wie Strom- oder Telefonnetzausfall Hilfe und Informationen findet», erklärt Chef Info RFO Wasserschloss Dagmar Bochsler. Die NTP werden dann zum lokalen Dreh- und Angelpunkt des Krisenmanagements. Sie sind mit dem Allernötigsten ausgestattet: Generator, Beleuchtung, Papier, Schreibzeug, Batterien ...

Vom NTP aus kann man via Funk (Polycom-Netz) Notrufe absetzen, auch wenn das private Telefon nicht mehr funktioniert. Im Fall einer Störung in der Trinkwasserversorgung könnte dort Wasser abgegeben werden. Zudem können Akkus von lebenserhaltenden Geräten aufgeladen werden, «zu denen Handys jedoch nicht gehören», betont Roger Hitz, Chef des RFO Wasserschloss.

Auch im Fall einer Evakuierung hat der Notfalltreffpunkt eine wichtige Funktion: «Wer nicht mobil ist, kann sich zu einem NTP begeben und wird von dort abtransportiert», erklärt Bochsler. Die Treffpunkte sollen deshalb für die Bevölkerung innert zehn bis fünfzehn Gehminuten erreichbar sein. Zudem sollen die NTP öffentlich bekannt sein und Kapazität für grössere Menschenmengen aufweisen.

Kleinere Gemeinden haben meist ein bis zwei Treffpunkte (siehe unten). Quartierreiche Städte wie Baden verfügen über acht NTPs. Manchmal sind die nächstgelegenen Treffpunkte sogar näher im Nachbarort. «Im Flyer, der zusätzlich in alle Haushaltungen verteilt wird, sind deshalb immer auch die Standorte der umliegenden Gemeinden eingezeichnet», erklärt Dagmar Bochsler. Die Website notfalltreffpunkt.ch mit allen Informationen des Kantons Aargau wird am 15. Oktober aufgeschaltet. Wie sich das Konzept in der Praxis bewährt, wird sich im Ernstfall zeigen – der hoffentlich so selten wie möglich eintritt.

Die Tafel des Notfalltreffpunkts am Eingang zum Gemeindehaus Untersiggenthal. (Bild: IS)
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