Arbeitsame Naturpfleger im Amt

Der Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg setzt oberhalb von Zeihen auf schottische Hochlandrinder als erfolg­reiche Naturpfleger.

Schottische Hochlandrinder bewähren sich in der Waldbeweidung: Förster Rolf Treier bei seiner Herde im  Naturschutzgebiet
Schottische Hochlandrinder bewähren sich in der Waldbeweidung: Förster Rolf Treier bei seiner Herde im Naturschutzgebiet (Bilder: pro)

von
Paul Roppel

30. Juli 2020
11:50

Auf dem ausgedehnten Hang hinter Oberzeihen fressen sich mit stoischer Ruhe rotbraune zottige Weidetiere durch das hohe Gras voran. Lange Haarsträhnen und neckische Stirnfransen verdecken den kleinwüchsigen, massiven Tieren mit den langen Hörnern die Augen wie ein dichter Vorhang. Das schottische Herden­ensemble umfasst einen bullig kräftigen Stier mit zehn Mutterkühen und einige wenige Wochen alte Jungtiere. Die Haltung und Zucht dieser Hochlandrinder ist erst seit 1995 in der Schweiz erlaubt. Aber während dieser Zeit haben sie sich in ihrer Nische unter anderem für die extensive Weidebewirtschaftung einen zuverlässigen Ruf erworben. 

 

Amtlich genehmigtes Beweiden

Die Herde am Fusse des Hombergs im Gebiet Hondere befindet sich aus diesem Grund sogar in einem Naturschutzgebiet von kantonaler Bedeutung mit fünf Hektaren Wiese und drei Hektaren Wald – dies mit amtlicher Genehmigung. Im Jahre 1902 wurde nämlich die Beweidung des Waldes als sogenannte nachteilige Nutzung verboten. Wo vorher der Wald übermässig genutzt oder sogar ausgeräumt worden war, formte sich nun ein dichter, hoher und dunkler Waldbewuchs, der den immens breiten Artenreichtum an lichthungrigen Pflanzen und Tieren enorm dezimierte oder zum Verschwinden brachte. Lichte, warme Wälder waren zusehends seltener anzutreffen. Drei Prozent der Waldflächen sollen durch solche Wälder im Kanton gemäss Naturschutzprogramm Wald durch Aufwertemassnahmen gebildet werden. Die Auswertung von zehn Beweidungsprojekten in Naturschutzreservaten im Zeitraum von 1997 bis 2006 führte dazu, dass auch für das Naturschutzgebiet Hondere Interesse aufkam. Besitzer sind die Armasuisse und die kantonale Sektion Natur und Landschaft. 

Erfolgreiches Projekt seit 2009

«Die Abteilung Wald fragte uns an, ob wir an einem Projekt Waldweide interessiert wären», erzählt Rolf Treier, Betriebsleiter des Forstbetriebes Homberg-Schenkenberg. Sein Betrieb, der 1850 Hektaren Wald in sechs Gemeinden betreut und 16 Angestellte und 4 Lehrlinge beschäftigt, beteiligte sich schon mit vielen Dienstleistungen im Naturschutzbereich und in seinem Einzugsbereich, befinden sich drei weitere kleinflächige Waldweiden. Nach diversen Vorleistungen und einer abgewiesenen Einsprache nahmen 2009 die ersten schottischen Hochlandrinder ihre Weidetätigkeit auf, die Treier auf privater Basis zur Verfügung stellt. Die Entschädigung für den Naturschutz fliesst in die Forstkasse. In Absprache mit der Jagdgesellschaft und der Bewilligungsinstanz beweidet die Herde für maximal drei Wochen abwechslungsweise einen der drei gebildeten Sektoren, wonach die Zaundrähte wieder entfernt werden. «Seither hat die Pflanzenvielfalt massiv zugenommen. Wir haben sehr viele Orchideen», sagt Treier. «Durch jährlich zweimaliges und sehr aufwendiges Mähen würden wir in diesem Gebiet niemals die momentane Strukturvielfalt erreichen», fügt er an. 

 

Erfolgskontrolle ist angesagt

Die Rinder gehen erfolgreich gegen die Verbuschung vor und unterstützen die Zielsetzungen: Der lichte Waldbestand mit seinem lückenhaften und fliessenden Übergang in die extensiv beweideten Wiesenhänge ist gewährleistet. Untersuchungen zeigen, dass Hochlandrinder ein grosses Potenzial als Gärtner in artenreichen Weiden haben, das Aufkommen von unerwünschten Gehölzpflanzen verhindern und die Artenvielfalt fördern, nicht zuletzt, weil sie im Fell anhaftende Pflanzensamen besser verstreuen. Das schonendere Trittverhalten, der geringere Futterbedarf und das weniger wählerische Fressverhalten im Vergleich zu produktionsorientierten Rinderarten ist anders, und die Unterschiede der erwünschten Ergebnisse sind umso deutlicher, je länger die Hochlandrinder weiden, verdeutlichen Untersuchungen. Die kantonale Bewilligung für die zweite Verlängerung der Waldbeweidung war publiziert worden und ist nun gültig bis 2025. Im nächsten Jahr wird die botanische und faunistische Erfolgskontrolle aufgenommen. Der Kanton Aargau hat zurzeit 60 Hektaren Waldweiden bewilligt. Die grösste Waldweide liegt im Musital (Tegerfelden/Rekingen) mit 15 Hektaren, gefolgt von Schenkenberg (Thalheim) mit 7 Hektaren und Sparberg in Remigen. An vierter Stelle folgt die Waldweide in Zeihen.

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