«Auch im Winter draussen trainieren»

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe «Winterrasen» des FC Brugg setzen sich für einen Kunstrasen auf dem Platz 2 im Stadion Au ein.

Urs Walter, Christian Arrigoni und Rainer Hartmann vom FC Brugg vor dem Platz 2, wo sie einen Kunstrasen wollen. (Bild: sha)

06. Oktober 2021
17:10

Der Brugger Einwohnerrat behandelt an seiner Sitzung vom 22. Oktober im Campussaal ein heisses Eisen, oder man könnte auch sagen: einen Dauerbrenner. Die Einwohnerräte debattieren nämlich über zwei Motionen, die sich um Rasenplätze in der Stadt Brugg drehen. Es stehen zwei mögliche Vorgehensweisen im Raum: Die vom Stadtrat favorisierte Sanierung der bestehenden Rasenplätze oder der Bau eines Kunstrasenplatzes beim heutigen Trainingsfeld Platz 2 im Stadion Au. Letzteres wäre der Wunsch des FC Brugg.


FC will auch im Winter draussen trainieren
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe «Winterrasen» stellten der Presse ihr Anliegen vor: FC-Brugg-Präsident Christian Arrigoni, Urs Walter (Vorstandsmitglied und Leiter Nachwuchs) sowie Rainer Hartmann (Alt-Vorstandsmitglied). Christian Arrigoni schilderte die schwierige, ja zum Teil unhaltbare Ausgangslage des FC Brugg, der mit seinen 450 Aktivmitgliedern zu den grössten Fussballclubs im Aargau gehört. Fussball sei bei Jungen und Mädchen nach wie vor sehr beliebt, so Arrigoni. 36 Juniorentrainer betreuen in Brugg derzeit 17 Junioren-Mannschaften. Für die vielen ehrenamtlichen Trainer und Funkionäre wird kein Lohn bezahlt. «Es ist ein Riesenaufwand zum Nulltarif», betont Arrigoni. Doch bei den Trainings stösst der FC Brugg an seine Grenzen, da zu wenig Plätze vorhanden sind. Das Problem: Die Naturrasenplätze sind nur etwa ein halbes Jahr – in den wärmeren Monaten – bespielbar. Im Winter müssen die Fussballer in Hallen ausweichen. Praktisch jede freie Halle in Brugg und Umgebung werde dann genutzt. «Hätten wir einen Kunstrasen zur Verfügung, könnten wir durchgehend im Freien trainieren, sodass die Platznot in den Hallen entschärft würde», betonte Arrigoni. Und es wären im Februar und März auch Testspiele im eigenen Stadion möglich.

Froh um eine Aussenanlage, die ganzjährig genutzt werden könnte, wäre auch das Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Brugg, dessen Schülerinnen und Schüler ebenfalls Sportunterricht haben. 


Stadtrat will keinen Kunstrasen
In seinem Bericht an den Einwohnerrat schlägt der Stadtrat vor, die Trainingsplätze Geissenschachen und im Stadion Au sowie in Schinznach-Bad umzubauen. So will er das quantitative und qualitative Rasenspielfeld-Angebot deutlich ausbauen und damit sowohl ein Angebot für einen parallelen Wintertrainingsbetrieb auf Rasen als auch Reserve für eine künftige Nachfrage schaffen. Der Stadtrat favorisiert eine Sanierung der drei Rasenspielfelder für 1,592 Millionen Franken und ist gegen den Bau eines Kunstrasenfeldes, das Gesamtkosten in Höhe von 1,55 Millionen Franken aufwerfen würde. Für Christian Arrigoni ist dies nicht nachvollziehbar. «Bei praktisch identischen Kosten hat der FC Brugg ohne Bau eines Kunstrasenplatzes nicht viel von dieser Investition.» Denn auch ein sanierter Ganzjahresrasen benötige eine vierwöchige Ruhepause und benötige viel Unterhaltsarbeiten. Bei misslicher Witterung könnte sich die Problematik mit den Trainingsengpässen gar auf die Monate Oktober und März erweitern, glaubt Rainer Hartmann von der Arbeitsgruppe «Winterrasen» des FC Brugg.

Der FC Brugg müsste 20 Prozent der Kosten für den Bau eines eingezäunten Kunstrasenfeldes auf Platz 2 tragen. Dies entspräche rund 340 000 Franken und käme ihn sieben Mal teurer zu stehen, als die vom Stadtrat angestrebte Sanierung des Platzes 1 mit Naturrasen. Der Stadtrat gehe aber beim Kostenverteiler davon aus, dass der Naturrasen vollständig vom FC Brugg genutzt werde. Weil dessen Trainings aber in der Regel erst um 18 Uhr starten, könnten die Schüler des BWZ vorher den Kunstrasenplatz nutzen. Auch der Bevölkerung stünde diese Nutzung vor Beginn der FC-Trainings offen. Urs Walter weiss zudem, dass Kunstrasenplätze begehrt sind: «Andere Clubs vermieten diese, was eine zusätzliche Einnahmemöglichkeit für die Stadt sein könnte.»


Sportstättenplaner informiert
Der Arbeitsgruppe «Winterrasen» ist es ein Anliegen, der Bevölkerung sowie auch Mitgliedern des Einwohnerrates und des Stadtrates ihr Projekt eines Kunstrasenfeldes auf Platz 2 vorzustellen. Im ersten Teil ihrer Informationsveranstaltung, die am Montag, 11. Oktober, ab 20 Uhr im Clubhaus des FC Brugg stattfindet, will sie aufzeigen, weshalb sie die Lösung mit Kunstrasen favorisieren und was der Mehrnutzen für Schulen, andere Vereine und die Bevölkerung sein könnte. Im zweiten Teil des Anlasses wird der anerkannte Experte und Sportstättenplaner Eric Hardman zu Wort kommen. Der Agronom hat jahrzehntelange Erfahrung sowohl bezüglich Naturrasen (er gilt als Erfinder des «Winternaturrasens») als auch Kunstrasen. Hardman hat das Brugger Kunstrasenprojekt erarbeitet. Er legt Vor- und Nachteile beider Lösungen dar und beleuchtet speziell die ökologischen und ökonomischen Fragen, die sich bei Kunst- aber auch bei Naturrasen stellen.

Info-Veranstaltung «Nutzen und Ökologie von Naturrasen versus Kunstrasen»
Montag, 11. Oktober, 20 Uhr
Clubhaus FC Brugg, Stadion Au

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