Auf dem Weg zu 3000 Einwohnern

Digitalisierung, Bauaufgaben und das Thema Schule stehen in den nächsten vier Jahren in Endingen auf der politischen Traktandenliste.

Gemeindeammann Ralf Werder und Frau Vizeammann Rebecca Spirig üben Corona-bedingte Distanz. Menschlich gibt es eine solche im Team Gemeinderat nicht. Das Klima der Zusammenarbeit sei hervorragend. (Bild: bkr)

19. Januar 2022
15:46

«Leitsätze und Ziele für die neue Legislatur verabschiedet der Gemeinderat im März im Rahmen einer halbtägigen Arbeitssitzung», stellt Gemeindeammann Ralf Werder fest. Die zentralen Punkte der Agenda 2022 bis 2025 dürften dennoch klar sein. «Wir führen eine über das Internet für alle Gemeinderatsmitglieder zugängliche Pendenzenliste, die auf dem Finanzplan basiert und diesen ergänzt», so Werder.

Er und Frau Vizeammann Rebecca Spirig bilden zusammen mit Gemeindeschreiber Daniel Müller die Geschäftsleitung der Gemeinde. Und die weiteren drei Gemeinderatsmitglieder? Eine «Zweiklassengesellschaft», die gibt es in Endigen nicht. Die Entscheide fällt der Gesamtgemeinderat, die Wege zu den Entscheiden sind unterschiedlich. Dafür sorgen Kollegialität und ein hoher Grad an Digitalisierung.

Die Akten für die Gemeinderatssitzung sind per Web-Tool verfügbar, und die bereits erwähnte Liste schafft grösste Aktualität und Transparenz. «Uns als Gemeinderatsmitgliedern ist es wichtig, für die Bevölkerung als Ansprechpersonen präsent zu sein und dank der Liste kompetent Auskunft geben zu können. Dossierkenntnis ist das A und O für die Gemeinderäte», sagt Spirig.


Laptops für alle in der Oberstufe
Sie will als Verantwortliche für den Bereich Bildung die Digitalisierung auch an der Schule vorantreiben. Während des Lockdowns habe man mit webbasiertem Fernunterricht vielfältige Erfahrungen gesammelt. Damit dies möglich wurde, konnte die Kreisschule die Schüler mit Laptops, wo keine vorhanden waren, leihweise ausrüsten. Für jede Oberstufenschülerin, jeden Oberstufenschüler künftig einen portablen PC als persönliches Arbeitsinstrument, das ist ein Ziel, welches zu erreichen sich Spirig und Werder für die nahe Zukunft wünschen.

Schon die früheren Endinger Gemeinderäte haben zu den Pionieren des E-Governments gehört. Dies habe man als Pilotgemeinde am Projekt
E-Bau weitergeführt. Mit dieser Applikation können Baugesuche elektronisch eingereicht und so der ganze ­Bewilligungsprozess durchgehend digital abgewickelt werden. «Das verkürzte die Durchlaufzeit mit Beteiligung des Kantons um rund die Hälfte», sagt Werder. Wie im gesamten Surbtal boomt auch in Endingen die Bautätigkeit. Aktuell sind rund hundert Wohneinheiten bewilligt, in Planung oder im Bau. Hinzukommt, dass die Gemeinde noch immer über 8,5 Hektaren Baulandreserven verfügt.

Bis 2030 rechnet Gemeinde­ammann Werder vor diesem Hintergrund mit 3000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Das hat Auswirkungen auf die Infrastruktur. So ist Rebecca Spirig zusammen mit einer Kommission an einer Erneuerung des in die Jahre gekommenen Gebäudes für die Tagesstrukturen Surbtal in Endingen. Aus dem angedachten Bau soll ein Mehrzweckgebäude werden, welches zusätzlichen Schulraum bietet und die Gemeindebibliothek mit jenen der Schulen bündelt, wodurch wieder Räume frei werden. Ein zentrales und aktuelles Thema im 2022 ist für Spirig die Führung der Schule ohne Schulpflege.


Bekenntnis zur Badi
Das Endinger Schwimmbad ist 52 Jahre alt und bedingt einer Investition von rund 1,5 Million Franken. «Wir verzichten im Gegensatz zu Nachbargemeinden auf Pumptracks und Co. und wollen uns unter dem Stichwort Standortqualität weiterhin ein Schwimmbad leisten, mit dem Bewusstsein, dass es uns bis zu drei Steuerprozente kostet», sagt Werder. Standortqualität ist auch ein attraktiver Ortskern. Für diesen ist ein kommunaler Richtplan in Arbeit. Knackpunkt hier: die Drehscheibe des Regionalverkehrs mit 165 Busabfahrten pro Tag und die Freiheit in der räumlichen Entwicklung zu erhalten. An einer Anhörung zum Thema habe die Bevölkerung rege und konstruktiv teilgenommen. Es gilt nun, den Richtplan und die Werkleitungsmassnahmen aufeinander abzustimmen: Die Werke Abwasser, Wasser, Refuna usw. müssen im Dorfkern erneuert werden. Dies kostet viel Geld und werden aktuell mit Projektierungen geplant.

Zu der von den fünf alten Gemeindeammännern vorgeschlagenen, raschen Fusion der Surbtalgemeinden sagen Werder und Spirig, dass dieses Thema in Endingen schon lange auf der Agenda steht. «Aber wir starten in allen Gemeinden in eine neue Amtszeit», betont Werder. Erst gelte es, die Kernaufgaben in der eigenen Gemeinde zu organisieren.

Gemeindezusammenarbeit habe für Endingen Tradition. Mit der «Perspektive-Surbtal» sei es bereits zu einer engen Zusammenarbeit mit Lengnau und Tegerfelden gekommen. Wichtig ist für Werder das weiterhin aktive Einbringen bei ZurzibietRegio: «Im Regionalen Planungsverband werden Weichen für die Gesamtregion gestellt.»


Eigene Gemeinde hat Priorität
Regional bringt sich auch Rebecca Spirig ein. Neben Bildungsthemen ist nach der Fusion der Rheintal-Orte (mit Ausnahme von Mellikon) zur Gemeinde Zurzach die Neuorganisation der regionalen Spitex-Organisationen aktuell. Spirig verfügt hier als ehemalige Pflegedirektorin des Unispitals Zürich und Professorin für Pflegewissenschaften über grosses Fachwissen und will dies gerne für die Region einbringen.

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