Auf den Spuren der Igel

Wie verbreitet ist der Igel noch? In Ehrendingen wurde im Rahmen eines nationalen Forschungsprojekts die Igelpopulation erforscht.

Wer weiss, wo die Igel sind?
Wer weiss, wo die Igel sind? (Bild: zVg)

von
Claudio Eckmann

16. Mai 2018
09:50

Dass es in Ehrendingen Igel hat, weiss wohl jeder Gartenbesitzer oder Spaziergänger – oder auch Autofahrer, denn leider fallen viele Tiere dem Verkehr zum Opfer. Im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt «Säugetieratlas der Schweiz», welches von der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie verantwortet wird, will man nun aber genauer wissen, ob  die Igelpopulation in Ehrendingen zu- oder abgenommen hat. Zu diesem Zweck werden nicht nur vor Ort, sondern in der ganzen Schweiz quadratkilometergrosse Gebiete untersucht. In Ehrendingen liegt eines davon im Siedlungsgebiet Unter-Ehrendingen, ein zweites im Kulturland in der Gegend Klonhof.

 

Igelfutter im Tunnel

Jan Schick ist Praktikant beim Projekt Säugetieratlas der Schweiz und organisiert diesen Sommer, von Mai bis September, die Igeluntersuchung. In jedem Gebiet hat er zehn Igeltunnels aufgestellt: schwarze dreieckige Kartontunnels, darin ein Bodenkarton. In der Mitte ist ein kleiner Futternapf platziert, links und rechts ein schwarzer Farbstreifen, zuäusserst je ein normales weisses Blatt Papier. Mit Metallheringen ist alles am Boden fixiert. Kriecht ein Igel in den Tunnel und schmaust vom speziellen Igelfutter, so tappt er in die Farbe, und beim Herausgehen werden auf dem Papier seine Spuren sichtbar. Die Forschungseinrichtung sei ebenso simpel wie effektiv, versichert Jan Schick. Alle Bestandteile könne er leicht im Rucksack mittragen.

 

Katzen als Fehlerquelle

Während sechs Tagen hat Jan Schick in Ehrendingen täglich die Tunnels kontrolliert, und tatsächlich hat er in fünf Tunnels Igelspuren entdeckt. Eine Fehlerquelle könnten gemäss Schick Katzen sein, die sich auch in diese Tunnels wagen. Die Spuren sind aber deutlich unterscheidbar, wie ein Blick auf das Blatt zeigt: Katzenpfoten sind viel breiter und voller als Igelspuren. Er sei in Ehrendingen überall auf offene Ohren und Gartentüren gestossen, erzählt Jan Schick. Bereitwillig habe man ihm erlaubt, in Privatgärten die Spurentunnels aufzustellen.

Nach Ablauf der Untersuchungen in der ganzen Schweiz erfolgt die Auswertung, in welcher auch die Rolle des Verkehrs sichtbar sein wird. Denn nebst den Autos und Umweltgiften haben die Igel nur zwei natürliche Feinde: den Dachs und den Uhu. 

Jan Schick prüft einen Igeltunnel
Jan Schick prüft einen Igeltunnel (Bild: ce)

 

Säugetieratlas der Schweiz

Gartenschläfer, Igel und Wildschwein: Säugetiere beschäftigen den Menschen schon seit Jahrtausenden, sei es als Beutetiere, Konkurrenten sowie Nutz- und Haustiere. Trotzdem kennt die breite Bevölkerung nur wenige der rund 90 wild lebenden Säugetierarten. Die Schweizerische Gesellschaft für Wildtierbiologie SGW-SSBF möchte das ändern und lancierte 2016 einen neuen Säugetieratlas der Schweiz und Liechtensteins. 

 

Atlas setzt neue Standards

Seit der Herausgabe des letzten Atlas 1995 hat sich die Verbreitung vieler Arten markant geändert. Im Bereich der genetischen Artbestimmung ist zudem ein Quantensprung passiert, welcher sich in neuen Arten und einer zuverlässigen Unterscheidung schwierig bestimmbarer Arten ausgewirkt hat. Eine Arbeitsgruppe aus Fachpersonen aus der Schweiz und Liechtenstein ist deshalb daran, einen neuen Atlas zu realisieren. Gleichzeitig verfolgt sie eine Reihe von Zielen, die über das Buchprojekt hinausgehen. Der Atlas soll aktuelle Standards in der Säugetierbiologie setzen, eine Grundlage für Naturschutz und Lehre darstellen, die Säugetierforschung in der Schweiz stimulieren und Fachpersonen für diese bedeutenden Artengruppen gewinnen. 

 

Citizen Science – alle machen mit!

Im Teilprojekt «Citizen Science» möchten die Wissenschaftler die Bevölkerung in die Datenerfassung einbeziehen. Somit können gleichzeitig Wissenslücken gefüllt und breite Bevölkerungskreise für Säugetieranliegen und die Erhaltung der Biodiversität sensibilisiert werden.

Die Bevölkerung ist deshalb aufgerufen, zum Säugetieratlas beizutragen. Wildtier-Beobachtungen können auf www.säugetieratlas.wildenachbarn.ch eingegeben werden. Jede Meldung ist wichtig und liefert wertvolle Hinweise zur Verbreitung wild lebender Säugetiere.

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