Auf Tuchfühlung in der Tiefgarage

Der Termin war gut gewählt: Kurz vor der BNO-«Gmeind» besuchte der Ehrendinger Gemeinderat die Bewohner der betroffenen Quartiere Niedermatt bis Unterdorf. Die Gemeindeversammlung musste allerdings am Montag kurzfristig abgesagt werden.

Gemeinderat Yvan Mülli (ganz rechts) diskutiert mit Teilnehmenden des Quartierbesuchs in der Tiefgarage des Gemeindehauses. (Bild: is)

24. Oktober 2020
15:55

Der Gemeinderat hat sich zum Ziel gesetzt, regelmässig die Quartiere des Dorfes zu besuchen, um den direkten Kontakt zur Bevölkerung zu pflegen. Am Donnerstagabend waren die Bewohner der Quartiere Unterdorf, Gehrenhag-Hofrain und Kirchweg bis Kreisel Niedermatt zum gegenseitigen Austausch eingeladen. Nur 15 nutzten diese Gelegenheit, was wohl auf Corona sowie das regnerische Wetter zurückzuführen war. 

Nach einer Vorstellungsrunde forderte der Gemeinderat die Anwesenden auf, ihre Fragen zu stellen. Die ersten betrafen sofort das geplante Zentrum am Kreisel Niedermatt, wo sich zwei Grossverteiler niederlassen möchten. Gemeindeammann Urs Burkhard konnte die besorgten Anwohner, die Mehrverkehr befürchten, beruhigen: «Wir garantieren Ihnen, dass kein Verkehr im Zusammenhang mit dem Grossverteiler durch den Kirchweg führen wird, das ist bereits mit dem Kanton geklärt», erklärte er. Der Verkehrsfluss werde über den Kreisel via Kirchweg direkt in eine geschlossene Tiefgarage führen – «im Kirchweg kann so kein Stau entstehen», so der Ammann.

  

Workshop am 16. Januar

Eine Einwohnerin wollte von der Gemeindeexekutive wissen, wie der langfristige Plan aussehe, um auch das Gewerbe im Oberdorf zu erhalten. Dazu erklärte Burkhard, dass man an einen Runden Tisch mit Investor und Grossverteiler einladen wird. Dies sei mit dem örtlichen Gewerbe so abgemacht. «Am 16. Januar findet zudem ein Workshop statt, zu dem auch die Gewerbetreibenden eingeladen sind, sodass zusammen Lösungen gefunden werden.» Er verriet auch, dass Post und Raiffeisenbank dem Gemeinderat versichert haben, am Standort Dorfstrasse zu bleiben: «Und es ist für den Gemeinderat ebenso wichtig, dass dort weiterhin Gewerbe betrieben wird.»

Burkhard betonte aber auch, dass es noch einige Jahre dauern könne, bis das neue Zentrum fertigigestellt sei – «wir sprechen da von einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren.» Durch das neue Zentrum werden aber auch die beiden Dorfteile, die 2006 fusionierten, noch näher zusammenrücken, ist der Gemeinderat sicher.

Viele Anwohner nutzten den Anlass aber auch, um andere Themen anzusprechen. So stellte ein Ehrendinger fest, dass die Vorfahrt bei der Einmündung Kirchweg ins Unterdorf offenbar vielen Verkehrsteilnehmenden nicht klar ist. Ob man da nicht klarer signalisieren könne? Vizeammann Markus Frauchiger nahm das Anliegen auf, wies aber darauf hin, dass durch das Trottoir eindeutig signalisiert sei, dass der Kirchweg nicht vortrittsberechtigt ist. «Aber wir klären ab, ob man eine eindeutigere Markierung anbringen kann», versprach der Vizeammann.

 

Tempo 30, Gülle, Elterntaxis

Weitere Anliegen betrafen die Einhaltung der Geschwindigkeit in Tempo-30-Zonen, die offenbar mangelhaft ist. Urs Burkhard verwies darauf, dass regelmässig Polizeikontrollen auf dem ganzen Dorfgebiet stattfinden, «wir erfahren davon aber auch erst im Nachhinein». Ein Mann wies darauf hin, dass er sogar von Velofahrern überholt werde: «Bitte reden Sie denen doch wieder einmal ins Gewissen.» Ein weiterer Anwohner beschwerte sich über Traktoren, die in der Dorfkernzone bereits morgens um 7 rege durch die Strassen fahren. «Da können wir leider nicht mehr tun, als immer wieder an die Bauern zu appellieren», erklärte Markus Frauchiger. Eine Anwohnerin bat darum, dass ein Auge darauf geworfen werde, wie oft Gülle abgeführt werde – «das ist schon auffällig», bemerkte sie. Auf die Frage, ob Fernwärme für die Gemeinde ein Thema sei, erklärte Gemeinderat Yvan Mülli, dass man seit Längerem daran sei, den Heizungsersat zu prüfen – «da können wir in den nächsten zwei Monaten Ergebnisse präsentieren.»

Eine andere Ehrendingerin bat darum, bei der Feuerstelle Birchmeier Bäume für eine Beschattung zu pflanzen: «Im Sommer ist es dort sehr heiss.» Frauchiger versprach, die Besitzverhältnisse zu klären und das Thema an die Hand zunehmen.

 

«Sehr grosse Wertschätzung gegenüber der Bevölkerung»

Es gab aber an diesem Abend auch Lob für den Gemeinderat. Ein Anwohner sprach der Exekutive ein Kompliment für die Aussprache eines Halteverbots für Elterntaxis bei der Schule aus: «Das war eine irrsinnig gute Idee!» Zum Abschluss meldete sich eine Ehrendingerin zu Wort, die seit 13 Jahren im Ort lebt, um sich beim Gemeinderat zu bedanken: «Diese Quartierbesuche zeigen eine sehr grosse Wertschätzung gegenüber der Bevölkerung. Dieser direkte Kontakt mit dem Gemeinderat ist extrem bereichernd», lobte sie und bedauerte, dass nur so wenige die Gelegenheit wahrgenommen haben. Urs Burkhard bedankte sich für das Statement und betonte, es sei dem Gemeinderat ein echtes Anliegen, den Kontakt mit den Menschen im Dorf zu pflegen. Er forderte alle auf, auch künftig mit ihren Themen direkt auf die Behörden zuzugehen.

Nach 45 Minuten wurde der offizielle Teil in der Tiefgarage des Gemeindehauses Brunnenhof mit grossem Applaus beendet. Im gemütlichen Teil mischten sich die Gemeinderäte anschliessend unter die Anwesenden und diskutierten angeregt weiter.

 

Gemeindeversammlung abgesagt

Am Montagmorgen informierte die Gemeinde Ehrendingen, dass die ausserordentliche Gemeindeversammlung am selben Abend «zum Schutz der Bevölkerung» nicht stattfindet. Der Gemeinderat könne eine coronakonforme Durchführung faktisch nicht mehr garantieren, begründete die Gemeinde. Zudem gehe er davon aus, dass eine beträchtliche Anzahl Stimmberechtigter aus gesundheitlichen Bedenken nicht an der Gemeindeversammlung teilnehmen würde und somit ihre politischen Rechte nicht ausüben können. Gemeindeammann Urs Burkhard bedauerte die Verschiebung. «Ausser der zeitlichen Verzögerung entstehen uns jedoch kurzfristig keine Nachteile, denn wir verfügen ja über eine aktuell gültige BNO. Aber die Planung kommt ins Stocken.» Der Entscheid im Gemeinderat sei einstimmig gefällt worden.

Die Gemeindeversammlung über die Revision der Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland wird voraussichtlich im 2. Quartal 2021 nachgeholt.

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