China – eine aufstrebende Wirtschaftsmacht

Das diesjährige Zurzibieter Raiffeisen Forum in Würenlingen schaute nach Osten und thematisierte die aufstrebende Wirtschaftsmacht China.

Die zwei Referenten: Kurt Haerri und Prof. Dr. Xuewu Gu
Die zwei Referenten: Kurt Haerri und Prof. Dr. Xuewu Gu (Bild: ci)

von
Lorenz Caroli

05. Oktober 2018
09:00

Das von den Verantwortlichen ausgewählte Thema für das Zurzibieter Raiffeisenbank Forum 2018 beschäftigt die Leute derart, dass sich gegen 600 Kundinnen und Kunden sowie Gäste in der Mehrzweckhalle Weis­senstein einfanden. Zwei kompetente Referenten beleuchteten die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in China. Der Aargauer Kurt Haerri wanderte mit 34 Jahren nach China aus. Er war für Schindler tätig, wo er im Jahr 2000 als Mitglied der Geschäftsleitung von Schindler China die Leitung für das Neuanlagengeschäft übernahm. 

Kurt Haerri begann sein Referat mit dem Hinweis, dass der Handelskrieg der USA mit China bekannt
ist. Die Zölle auf chinesische Importgüter treffen auch die amerikanischen Konsumenten. Das amerikanische Handelsbilanzdefizit mit China wächst seit 1997 jährlich an. 2017 betrug es 375 Milliarden Dollar. China übernimmt immer mehr die Führung in der Wirtschaft, wogegen diese von den USA und Europa sinkt. In Asien wohnen 4,5 Milliarden Menschen. In den übrigen Kontinenten knapp über 3 Milliarden. Zum Zusammenleben braucht es neue Modelle. Die Schweiz ist klein und hat gute Strukturen.

 

Entwicklung der Industrie

In Entwicklungsschritten haben sich die grossen Unternehmungen in China in der ganzen Wertschöpfungskette profiliert. Staatlich wird die Industrie gefördert. China kauft ausländische Unternehmungen. Eigenständige ausländische Firmen sind gezwungen, ein Joint Venture einzugehen, damit sie Zugang zum chinesischen Markt haben. Immer mehr Leute in China gehen aus der Landwirtschaft in die Stadt. Es braucht zusätzlichen Wohnraum. 

Ein typisches Wohngebäude hat 22 Stockwerke, die mit je drei Aufzügen bedient werden. Geplant sind 114'000 Wohnblöcke und 342'000 neue Aufzüge. In den vergangenen Jahren sanken die Preise für Aufzüge um etwa 75 Prozent. Für Schindler hiess dies, dass die Produktivität gesteigert werden musste. Mit neuen Produktionsanlagen in Shanghai können die tollen Bauprojekte mit Schindler-Aufzügen ausgerüstet werden. 

Zum Abschluss seines Referates stellt Kurt Haerri fest, dass China zu einer globalen Wirtschaftsmacht herangewachsen ist. Es sind aber viele Probleme zu lösen. Unser Wohlstand in der Schweiz kann mit guter Bildung, Fleiss und Tüchtigkeit jedes Einzelnen gehalten werden.

 

China: Quo vadis?

Prof. Dr. Xuewu Gu wurde in China geboren. Er ist Politikwissenschaftler und leitete das Europa-Asien-Programm am Zentrum für Europäische Integrationsforschung an der Universität Bonn. Heute ist er dort Ordinarius für Internationale Beziehungen und Direktor des Center for Global Studies. An Beispielen erklärte er die einzigartige Modernisierung von China. Geplant ist ein dauerhafter Wohlstand. Die vorgesehene Marktwirtschaft soll so ausgestaltet werden, dass der Staat die Dominanz über die Firmen behält. Für den Lebensunterhalt soll den Bauern Land zur Verfügung gestellt werden, und für die in die stadtziehenden Landbewohner werden Superstädte gebaut. Die Überlegenheit im Internetbereich der USA wird mit einer Schutzmauer abgewehrt und mit eigenen sozialen Netzen ersetzt. Das andauernde Wachstum soll ohne Finanzkrise bewältigt werden. Es müssen neue Industriezweige geschaffen werden, aber ohne die bisherigen aufzugeben. China will sich in der Welt etablieren, aber ohne sich mit den bisherigen Grossmächten zu verkrachen. Man will sich in die von den USA geführte Weltordnung integrieren. Der USA-Handelskrieg mit China muss gelöst werden. Referent Gu weiss, dass China dynamisch unterwegs ist. Es müssen jedoch noch viele Probleme gelöst werden.

www.raiffeisen.ch

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