Aus dem Nähkästchen gezaubert

Zeitlose Schnitte und langlebige Stoffe haben es ihm besonders angetan: Luca Bernasconi stellt sein Label Isorno bei «Klein aber fein» vor.

Hier entstehen die Kleider von «Isorno»: Luca Bernasconi in seinem Atelier in Windisch. (Bild: cd)

von
Dahl, Caroline

09. Juni 2021
13:33

klein aber fein

Am 12. und 13. Juni von 10 bis 17 Uhr öffnen zwölf lokale Kunsthandwerkerinnen und -handwerker aus Brugg und Windisch die Türen zu ihren Ateliers und Werkstätten, bieten Einblicke in ihr Schaffen und stellen ihre Produkte, Werke und Ideen vor. Der Rundgang ist zu Fuss oder mit dem Velo gut machbar.

klein-fein.ch

Beim Betreten des Ladens an der Dohlenzelgstrasse 5 in Windisch duftet es nach frisch gebackenem Kuchen, gemahlenem Kaffee und neuem Stoff. Luca Bernasconi und seine Mutter Sibylle führen an der gleichen Adresse ihr jeweils eigenes Label. Während der 29-jährige Modedesigner sich für strapazierfähige Materialien begeistert, die er für seine sportlich-funktionalen Herrenkleider verwendet, entstehen unter der «Textile-S»-Nähmaschine seiner Mutter, einer gelernten Damenschneiderin, Kleider in femininen Schnitten und bezaubernde Accessoires.

«Die ganze Familie ist hier involviert», sagt Luca Bernasconi. «Meine Mutter führt das Café und den Laden, mein Bruder braut Bier im Fäze Bräu, und mein Vater hegt und pflegt den Garten.» Im Vorfeld von «Klein aber fein», dem Nachfolgeformat von «Kunst und Handwerk», das Sibylle Bernasconi vor zehn Jahren in der Bossartscheune zum ersten Mal lancierte, plaudert Sohn Luca aus dem Nähkästchen und erzählt, wie er zu seinem Handwerk fand.


Den Anfang machte ein Rucksack

In seiner ersten Ausbildung lernte Luca Bernasconi Konditor-Confiseur. «Nach mehreren Jahren, die ich vorwiegend in Restaurantküchen arbeitete, weil ich dort mehr Narrenfreiheit hatte, brauchte ich etwas Neues.»

Seine Kreativität drängte ihn zu weiteren Ausdrucksformen, und weil er stets auf der Suche nach Rücksäcken und Kleidern war, die seine Ansprüche erfüllten, schneiderte er sich kurzerhand selbst einen Rucksack. Bald wollten auch seine Freunde solche Rucksäcke, und Bernasconi wagte sich an die ersten Kleidungsstücke.

Nach dem Studium an der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich gründete er sein eigenes Label «Isorno» (isorno.ch). «Mein Ziel ist, ästhetische und trotzdem funktionale Kleidung zu entwerfen, die ich auch selbst gerne trage», sagt der Jungdesigner. Die synthetischen Materialien marktüblicher Sportbekleidung mochte er nie. «Ich wähle Merinowolle oder unbehandelte Wollstoffe, die wasserabweisend und trotzdem atmungsaktiv sind.» Auch die gewachsten Stoffe, die der junge Kreateur aus England einkauft, sind wind- und wasserabweisend. Was Bernasconi an solch natürlichen Materialen begeistert, ist, dass sie durch das Tragen und den Gebrauch einen eigenen Charakter annehmen.


Kleider, die mitleben

Luca Bernasconi zieht einen Stoffballen hervor, der eine grobe Struktur aufweist: «Das hier ist Indigo-gefärbter Jeansstoff aus Japan. Er altert sehr schön. Robuste, langlebige und trotzdem spezielle Stoffe zu verwenden, ist eine Liebhaberei von mir und ein Markenzeichen meines Labels.»


Genügend Bewegungsfreiheit

Dies zeigt sich auch in den zeitlosen Schnitten seiner Jacken, Oberteile und Hemden. Inspiriert durch Arbeiterkleidung und Fotografien der letzten hundert Jahre, produziert Bernasconis in seinem Atelier Kreationen, die durch hohe Funktionalität, Tragekomfort und praktische Details überzeugen. Wetterfeste Materialien und Schnitte, die für genügend Bewegungsfreiheit sorgen, werden zu zuverlässigen Begleitern, in denen sich stilsicher den Elementen trotzen lässt. Gerne geht Bernasconi auch auf individuelle Kundenwünsche ein. Er selbst probiere viel aus und bringe sich immer wieder Neues bei. «Ich trage jedes meiner Kleidungsstücke mindestens ein halbes Jahr, bevor es in den Verkauf kommt», schmunzelt er. «Meine Kleider sollen mit dem Träger mitleben und zu Lieblingsstücken werden.»

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