«Ausstellung mit grosser Magie»

Vom 1. bis 10. Juni sind im «Trafohüsli» Werke des eigenwilligen Brugger Künstlers Heinz Stäuble, besser bekannt als «Stan», zu sehen.

Prosit Stan! Peter Müller, Fritz Senn und Ueli Gygli (v. l.) stossen auf den verstorbenen Freund Heinz Antonius Stäuble an
Prosit Stan! Peter Müller, Fritz Senn und Ueli Gygli (v. l.) stossen auf den verstorbenen Freund Heinz Antonius Stäuble an (Bilder: sha)

von
Stefan Haller

30. Mai 2018
10:30

«Es gibt wohl kaum jemanden, der Stan nicht gemocht hatte», sagt der Musiker Ueli Gygli über seinen am 26. April 2016 verstorbenen guten Freund Heinz Stäuble. Was zeichnete diesen aus? «Heinz Antonius gehörte zum Stadtbild. Er begegnete allen Menschen – egal ob arm oder reich – mit einer nicht wertenden Offenheit.» Als Künstler sei er ein Aktivist gewesen, der andere integrierte. In guter Erinnerung geblieben sind Stans prominente Auftritte an Stadtfesten und die gemeinsam mit Schulklassen durchgeführten Projektionen an Brugger Gebäuden. Stan sei selbst begeisterter Kunstkonsument gewesen und war während vieler Jahre fester Bestandteil der Kunstszene der Kleinstadt. Gygli erinnert auch an Stäubles soziales Engagement, als er schwierige Jugendliche bei sich im Haus betreute und ihnen half, Krisen zu überstehen. Von 1986 bis 1989 wirkte Stäuble für die Sozialdemokraten im Einwohnerrat. Doch Parteilinie war nicht sein Ding, und so fiel er bei der SP in Ungnade und wurde nicht mehr gewählt. Auch dies war typisch für den eigenwilligen und feinsinnigen Künstler, der sich in keine Schablone pressen lassen wollte und seine Freiheit über alles liebte. 

 

Das Leben eines Bohemien

Der am 17. Juni 1944 geborene Heinz Stäuble hatte nach der Handelsschule die bildenden Künste studiert, unter anderem an der Ecole du dessin dʼart in Paris, wofür er ein Stipendium erhalten hatte. Stan war beeinflusst durch das Geschehen der Zwanziger-Jahre (Impressionisten, Expressionisten und Dadaisten). 1974 ging der Traum vom eigenen Atelier «im Rank» in Oberflachs in Erfüllung. Hier wurde er bis 1989 sesshaft und fand Freunde im Schenkenbergertal. Viele von ihnen wurden in Aktzeichnungen verewigt. «Mein Haus thront hoch über dem Rebdorf Oberflachs im Schenkenbergertal. Hier finde ich die zur Arbeit benötigte Ruhe und Abgeschiedenheit. Hier empfange ich meine Gäste. Hier warte ich in flauen Zeiten auf den Musenkuss. Vorzugsweise unter einem kleinen Apfelbäumchen, das gewiss einst bessere Zeiten gekannt hat», schrieb Heinz Stäuble im Jahr 1980 in seinen «Skizzen, Zeichungen, Eindrücke».

Als er von seinen Tanten das grosse Haus an der Zimmermannstrasse 19 erben konnte, zog der Künstler wieder in die Prophetenstadt, wo er künstlerisch nochmals äusserst produktiv war. Erst gegen Ende der Neunziger-Jahre erlahmte sein künstlerisches Schaffen krankheitsbedingt. Zuletzt lebte Stäuble eher zurückgezogen und sehr sparsam. Legendär war seine Angewohnheit, jeden Teebeutel mindestens zweimal zu verwenden, wie Ueli Gygli erzählt. Zuletzt sah man Stan oft im Campusrestaurant, da er es liebte, unter die Leute zu kommen.

  • Freunde von «Stan» v. l.: Kurator Fritz Senn, Peter Müller (Stiftung Domino), Ueli Gygli und Herbert Meier (Gastgeber in der Bistrobar «Chez Stan»)
    Freunde von «Stan» v. l.: Kurator Fritz Senn, Peter Müller (Stiftung Domino), Ueli Gygli und Herbert Meier (Gastgeber in der Bistrobar «Chez Stan»)

Haus und Werk für Behinderte

Mit seinem Testament vermachte Stan Stäuble sein Haus und das künstlerische Werk der Stiftung Domino für Menschen mit Behinderung in der Region Brugg-Windisch. Aus Dankbarkeit führt die Stiftung nun eine Retrospektive durch, zusammen mit guten Freunden von Stan. Ein grosser Teil der vielen Werke (alleine für das Brugger Stadtfest 1984 malte Stan 700 Bilder) ist verkäuflich, der Erlös kommt der Stiftung zugute. «Es ist unser Ziel, so viele Werke wie möglich unter die Leute zu bringen, denn so bleibt das Andenken an Stan allgegenwärtig», beschreibt Stifungsratspräsident Peter Müller die Idee. 

Kurator Fritz Senn ist es gelungen, eine sehr stimmige, passende Auswahl aus dem umfassenden Werk des Künstlers zu treffen. «Es ist eine Ausstellung mit grosser Magie, die Stan bestimmt gefallen hätte. Ich bin sehr berührt», beschreibt Ueli Gygli seine Empfindung bei der Besichtigung. Die Retrospektive befindet sich auf drei Stockwerken im «Trafohüsli». Zu sehen und zu kaufen sind auch Werke von befreundeten Künstlern wie Sylviane Figini Strasser, Richard Seewald, Hans Anliker, Kurt Hediger, Uwe Bremer, Bruno Cerf, Coghuf (Ernst Stocker), Hans Sieverding, Ernst Morgenthaler, Niklaus Stöcklin, Max Woodtly oder Dietrich Schuchardt. Eine Videoinstallation umrahmt die Ausstellung, und auch Stans Jugendfestrede aus dem Jahr 1990 (bei strömendem Regen) ist zu hören. 

In der Bistrobar «Chez Stan» serviert Herbert Meier – auch er war ein Freund von Stan – selbst kreierte Drinks.

Vernissage: Freitag, 1. Juni, 19 Uhr
Fr/Sa 18–22 Uhr, So 14–18 Uhr
Finissage am Sonntag, 10. Juni, 17 Uhr 
Trafohüsli, Habsburgerstrasse 57

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