Baden auf wilder Zeitreise

Was haben der Landes-Generalstreik und die Badener Aufmüpfigkeit gemeinsam? – «Zukunftsmusik» klärt auf und betreibt Spurensuche.

Ein Teil der «Zukunftsmusik»-Schauspieler kurz vor ihrem Auftritt
Ein Teil der «Zukunftsmusik»-Schauspieler kurz vor ihrem Auftritt (Bild: isp)

von
Isabel Steiner Peterhans

07. November 2018
09:00

Zukunftsmusik

Ein Spiel über die Notwndigkeit und Funktion von Utopien. 

Hans-Rudolf Twerenbold, Stella Palino, Xavier Mestres Emilió, Maren Gamper, Yannick Longet, Jystyna Karpinski, Vanessa Torres, Daniel Koller, Alexandra Kraft, Jana Selina Cocivera, Lilli Louise Borsos, Flurina Sennhauser, Thierry Engel, Yeffil Schellenberg

Textcollage und Regie: Hilde Schneider

www.teatropalino.com 

Baden scheint sich momentan selber zu analysieren und in Verbindung mit dem vergangenen Weltgeschehen zu stellen. Das Historische Museum zeigt aktuell die aufschlussreiche Sonderausstellung «Aufbruch! Love, Peace und Frauenstimmrecht», drei Kantischülerinnen schreiben ihre Maturarbeit über die «brennende» Badener Jugendbewegung und jetzt zieht auch noch das Teatro Palino nach. Mit der Produktion von Hilde Schneider «Zukunftsmusik» wird in eine fast 110-minütige abenteuerliche Zeitreise gestartet. Insbesondere zwei spezielle bewegende Jahre, nämlich 1918 und 1968, werden dabei mittels amüsanter Mischung aus atmosphärischen Momentaufnahmen, dramatischen Rückblenden und verbalem Schlagabtausch unter die Theaterlupe genommen.

Die Jugendbewegung im ThiK

Das Stück taucht im turbulenten Jahr 1968 mitten in eine Fernsehlive-Übertragung im ThiK Theater im Kornhaus Baden ein. Eine überaus ambitionierte Reporterin soll vor Ort der Frage nachgehen, inwiefern das historische Ereignis des Schweizer Landesstreikes von 1918 in Zusammenhang gebracht werden könnte mit den aktuellen, nicht ganz so einfachen Protestbewegungen Badens. Ob es gar zu befürchten ist, dass ein erneuter Systemwechsel ansteht?

Nach einer kurzen, taktisch geschickt eingefädelten Stückpause werden die Zuschauer gebeten, sich auf die andere Strassenseite des Spielortes zu begeben. In den theatereigenen Gewölbekeller. Dieses Dislozieren ist äusserst passend. Denn jetzt prallen Welten aufeinander. Unsere 68er treffen dort auf Gleichaltrige, die aber nicht ganz gleich zu sein scheinen. Was ist aus den Zukunftsträumen von damals geworden und welche Visionen haben die «Digital Natives» von heute überhaupt? 

 

Wie es damals war

Spätestens jetzt spürt man ein leichtes Unbehagen der verschiedenen Zeitknotenpunkte und kriegt einen Eindruck, wie das damals so war, in der Auf- und Umbruchstimmung. Nach «An Weihnachten sind wir zurück» (2014), «Zürich – Petrograd» (2017) und der aktuellen Produktion mit «Zukunftsmusik» beendet die Compagnia Teatro Palino ihre historische Triologie-Revue. Wobei, zum Ende stellt sich eine leise (utopische) Frage ein. Was wird in den weiteren 50 Jahren wohl wieder «Geschichtsträchtiges» passieren, also im Jahr 2068? Ob sich das Mitglieder des Teatro Palino gar in den Startlöchern mit einer neuen Produktion befinden? Zutrauen würde man es ihnen!

Mittwoch, Freitag und Samstag bis 1. Dezember, jeweils 20.30 Uhr 
UnvermeidBAR, Baden

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