Bahn frei für «S1012 Bözberg»

Der Bözberg-Tunnel ist das grösste Projekt des Viermeter-Korridors der Gotthardachse. Zurzeit wird in Schinznach-Dorf die Bohrmaschine zusammengebaut.

Sicht aus dem Tunnel auf den Bohrkopf
Sicht aus dem Tunnel auf den Bohrkopf (Bilder: pg)

von
Peter Graf

18. Februar 2017
05:20

Das erklärte Ziel der Gotthardachse ist es, künftig auch vier Meter hohe Sattelschlepper auf der Bahn zu transportieren. Um dies zu erreichen, muss die erforderliche Infrastruktur geschaffen werden. Auf der 270 Kilometer langen Strecke zwischen Basel und der italienischen Grenze müssen in den kommenden Jahren noch rund zwanzig Tunnels, zu welchen auch der Bözberg zählt, ausgebaut oder neu erstellt werden. Parallel zum bestehenden Bözbergtunnel wird deshalb eine neue, 2,7 Kilometer lange Doppelspur-Röhre gebaut. Nach der Fertigstellung soll der alte Tunnel als Dienst- und Rettungsstollen genutzt werden. Um durch den maschinellen Vortrieb mit der Tunnelbohrmaschine auf Anfang 2018 Effingen zu erreichen, sollen die Bohrarbeiten im Mai aufgenommen werden.


Beeindruckende Dimensionen

Im März 2016 erfolgte der Baustart für die Hauptarbeiten. Gegenwärtig wird im Drei-Schichtbetrieb auf eine Tiefe von etwa 180 Meter das Lockergestein mit dem Bagger ausgebrochen und mit Spritzbeton versiegelt. In diesem Bereich werden dann die Ausbrucharbeiten durch die Tunnelbohrmaschine «S1012 Bözberg» aufgenommen. 

  • Da, wo der Kran steht, wird dann der Kommandoteil eingebaut
    Da, wo der Kran steht, wird dann der Kommandoteil eingebaut
  • Konzentration beim Zusammenbau
    Konzentration beim Zusammenbau
  • Das hintere Ende der 90 Meter langen Bohrmaschine
    Das hintere Ende der 90 Meter langen Bohrmaschine
  • Bohrschild aus Stahl mit Schneide- und Räumerrollen: Hier werden die Dimensionen von 12,36 Metern Durchmesser sichtbar
    Bohrschild aus Stahl mit Schneide- und Räumerrollen: Hier werden die Dimensionen von 12,36 Metern Durchmesser sichtbar
  • Durch die Luft wird das Teil an den Bestimmungsort gebracht
    Durch die Luft wird das Teil an den Bestimmungsort gebracht
  • Vom Kranführer ist Fingerspitzengefühl gefragt
    Vom Kranführer ist Fingerspitzengefühl gefragt

Gesamtprojektleiter Thomas Zieger bezeichnet anlässlich der Baustellenbegehung die gegenwärtigen Verhältnisse für Tunnelbauer als ideal. Während im Innern des Berges die erforderlichen Voraussetzungen schaft, werden vor dem Tunnelportal die beeindruckenden Dimensionen der 90 Meter langen Bohrmaschine ersichtlich. Bereits am 19. Januar wurde durch zwanzig Monteure mit dem Zusammenbau der Einzelteile, welche in über hundert Fahrten zum Installa-
tionsplatz gebracht wurden, begonnen. Das schwerste Einzelstück der 1920 Tonnen schweren und 90 Meter langen Maschine ist der Antrieb. Er wiegt 168 Tonnen. Bereits ist auch der 282 Tonnen schwere Bohrkopf, der einen Durchmesser von 12,36 Meter aufweist, positioniert. Die Bohrmaschine ermöglicht es auch, die knapp 8000, für die Röhre benötigten Tübbinge mit einer Länge von zwei Metern und einer Dicke von dreissig bis sechzig Zentimetern zu versetzen. Der Fortschritt der Arbeiten kann von einer Besucherplattform aus mitverfolgt werden.


56'700 Fahrten entfallen

Der konventionelle Abbau, über welchen auch die «heilige Barbara», die Schutzpatronin der Mineure wacht, liegt momentan täglich bei drei Metern. Die Leistung der Tunnelbohrmaschine wird bei täglich 22 Meter liegen. Entlang des bestehenden Bahnbordes sind die Vorarbeiten für die Förderanlage im Gange. Das mit 540'000 Kubikmetern bezifferte Tunnelausbruchmaterial wird zunächst über ein Förderband auf die Zwischendeponie Elbis, unweit der Kiesgrube der Firma Samuel Amsler, transportiert. 

  • Thomas Zieger vermittelt viel Wissenswertes auf der Besucherplattform
    Thomas Zieger vermittelt viel Wissenswertes auf der Besucherplattform
  • Am oberen Ende ist das Förderband für das Ausbruchmaterial ersichtlich
    Am oberen Ende ist das Förderband für das Ausbruchmaterial ersichtlich
  • Hawid Rahimi und Thomas Zieger
    Hawid Rahimi und Thomas Zieger
  • Arbeitssicherheit wird gross geschrieben
    Arbeitssicherheit wird gross geschrieben
  • Die heilige Barbara, Schutzpatronin der Mineure
    Die heilige Barbara, Schutzpatronin der Mineure

Ab Frühjahr 2018 wird der Tunnelausbruch mittels Bahnverlad ab dem Südportal in Schinznach zum Steinbruch Oberegg der Jura Cement Wildegg gebracht und dort deponiert. Dies führt zu Mehrkosten welchen aber der Wegfall von rund 56'700 Lastwagen- Fahrten zu Gunsten der Umwelt gegenüberstehen. Für den Bau des Viermeter-Korridors auf der Gotthard-Achse bewilligte das Parlament 2013 einen Kredit von 710 Millionen Franken. Davon entfallen 350 Millionen auf den Neubau des Bözbergtunnels. Die ersten Züge werden 2020 fahrplanmässig durch den neuen Tunnel fahren.

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