Bahnhofareal lässt acht Stockwerke zu

Die Gemeindeversammlung Turgi sprach sich mit 67 zu 51 Stimmen für ein mögliches «Hohes Haus» aus. Die Kirchen wurden nicht unter Schutz gestellt.

Die Fragen nach der lokalen Identität stehen in Turig im Fokus
Turgi (Bild: Archiv)

26. November 2019
10:20

Von 1537 Stimmberechtigten besuchten 123 die Gemeindeversammlung. Als Haupttraktandum des Abends darf die Beschlussfassung über die Teilrückweisungsanträge im Zusammenhang mit der Gesamtrevision der Nutzungsplanung Siedlung und Kultur bezeichnet werden. Nachdem an der ausserordentlichen Gemeinde­versammlung vom 21. Februar 2019 die aktualisierte BNO sowie der Bauzonen- und Kulturlandplan mit 162 zu 5 Stimmen genehmigt worden waren, gab es drei Teilrückweisungen. Dabei handelte es sich um den Verzicht der Unterschutzstellung sowohl der reformierten als auch der römisch-katho­lischen Pfarrkirche sowie die Überprüfung der Achtgeschossigkeit beim Bahnhofareal Süd. 

Der Gemeinderat empfahl nun aufgrund des im Februar deutlichen Ergebnisses, auf die Unterschutzstellung beider Kirchen zu verzichten. Dies wurde bei der reformierten Kirche mit 98 zu 17 Stimmen und bei der römisch-katholischen Kirche mit 98 zu 18 Stimmen klar angenommen. 

 

Ja zu acht Stockwerken

Das Bahnhofgebiet ist im kantonalen Richtplan als Wohnschwerpunkt von kantonaler Bedeutung festgelegt. Die Siedlungsentwicklung nach innen dient dazu, die Bauzonen besser zu nutzen, und ist auch in Turgi unbestritten. Auf dem Bahnhofareal Süd soll der Bau eines achtstöckigen ­«Hohen Hauses» als Gegenpool zum Dorfkern punktuell ermöglicht werden (Spezialzone Bahnhofareal Süd). Gemeindeammann Adrian Schoop erklärte, dass es dank der geschickten Lage möglich sei, die Beeinträchtigung von bestehenden Bauten zu minimieren. In der Diskussion kamen Befürworter und Gegner zu Wort. Obwohl noch nichts in Stein gemeisselt ist und in jedem Fall mit einem nachgelagerten Verfahren (Wettbewerb) und einem Gestaltungsplan gemäss BNO ein sorgfältiges Projekt ausgearbeitet werden muss, sprechen sich die Gegner gegen die angestrebte Gebäudehöhe aus. Ebenfalls muss noch detaillierter begründet werden, ob und in welcher Form die Acht-Geschossigkeit zugestanden werden kann. In der Regel dauern solche Prozesse einige Jahre. Die Befürworter erkennen in der günstigen Lage zum öV auch eine Chance auf Weiterentwicklung. In der Schluss­abstimmung wurde dem Antrag, auf dem Areal Bahnhof Süd weiterhin eine Achtgeschossigkeit an der im Bauzonen- und Kulturlandplan dargestellten Lage zu ermöglichen, mit 67 zu 51 Stimmen zugestimmt.

 

Es darf nicht nur gespart werden

Einleitend zur Budgetdebatte bemerkte Adrian Schoop, dass sich der Gemeinderat auch im laufenden Jahr intensiv mit der finanziellen Situation der Gemeinde auseinandergesetzt habe. Das vorliegende Budget wurde nach den Grundsätzen der Gesetz­mässigkeit, der Dringlichkeit sowie der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit erstellt. Der Gemeinderat sei sich jedoch bewusst, dass nicht nur gespart werden darf. Um die Attraktivität von Turgi zu erhalten, müssen sinnvolle und notwendige Investitionen getätigt werden. Budgetiert wurde ein Fiskalertrag von 7,653 Millionen Franken. Dem Diagramm lässt sich entnehmen, dass die Bildung mit 34 Prozent und die Soziale Sicherheit mit 25 Prozent zu Buche schlägt. 

Als Herausforderung bezeichnete Schoop die Verlustscheinbewirtschaftung der Krankenkassenprämien, welche mit zwei Steuerprozenten oder 120'000 Franken beziffert wird. Der konsequent harte, aber faire Umgang beim Missbrauch von Sozialhilfe erweist sich als richtig. Ab 2021 werden die sozialen Dienste nach ­Baden ausgelagert. Investitionen fallen in den Bereichen Schulraum, Informatik, Fussballplatz, Spielplatzsanierung sowie der Umstellung der Strassen­beleuchtung im Geelig auf LED an. Diskussionslos wurde dem Budget 2020 bei gleichbleibendem Steuerfuss von 113 Prozent mit grossem Mehr zugestimmt.  

Weitere Themen der Gemeindeversammlung Turgi finden Sie in der Printausgabe der Rundschau Nord vom 28. November 2019.

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