«Bankkonto als Portemonnaie»

Vollgeld-Initiative – was steckt dahinter? Dies erläuterte Markus Meyer an einem Anlass der SVP-Ortsparteien Riniken, Windisch und Hausen.

Gastreferent Markus Meyer erklärt, was die Vollgeld-Initiative bewirken soll
Gastreferent Markus Meyer erklärt, was die Vollgeld-Initiative bewirken soll (Bild: sit)

von
Saskia Iten

29. November 2017
09:00

«Money, Money, Money» – darum geht es offensichtlich nicht nur im gleichnamigen Song von Abba, sondern auch bei der Vollgeld-Initiative, über die das Volk im Folgejahr 2018 abstimmen wird. Was will die Initiative genau? Eine Frage, die besondere Zuwendung verlangt – denn die Komplexität der Initiative sorgt für Diskussionsstoff. Am Referat «Vollgeld-Initiative – was steckt dahinter?» erklärte Gastreferent Markus Meyer, Mitglied des Vereins MoMo (Monetäre Modernisierung), was die Initianten mit der Initiative erreichen wollen. 


Was will die Vollgeld-Initiative?

Vollgeld ist echtes, reales Geld – sprich Bargeld. Mit der Vollgeld-Initiative wollen die Initianten erreichen, dass die Geldproduktion, ob physisch oder elektronisch, einzig der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vorbehalten ist. «Es ist nicht die Vollgeld-Initiative, die kompliziert ist, sondern das schweizerische Geldsystem», findet Meyer. Rund 75 Prozent der Bevölkerung glauben nämlich, dass inländisches Geld heutzutage von der SNB hergestellt werde. Dies ist nicht so: Bis anhin können alle Banken elektronisches Geld erzeugen und damit ihre Finanzgeschäfte tätigen. Dies kann Meyer nicht verstehen: «Wenn der Staat beim Geldsystem nicht mehr bestimmen kann, ist er kein souveräner Staat mehr», meint er. Das von den Banken selbst hergestellte Geld ist nicht real, sondern fiktiv. Das hat gemäss Meyer folgende Auswirkungen auf die Bankkonten-Besitzer: Wenn auf dem Konto von Hans Muster 100 Franken sind, gehört ihm dieses nicht wirklich. Die genannte Summe stellt lediglich ein Darlehen seiner Bank gegenüber ihm dar. Geht die Bank von Hans Muster Konkurs, wird ein Teil seines Geldes in die Konkursmasse fliessen. An diesem Punkt wollen die Initianten der Vollgeld-Initiative ansetzen. «Wir wollen, dass unser Bankkonto zu unserem eigenen persönlichen Portemonnaie mit echtem Geld wird», erklärt Meyer. 


Argumente der Gegner

Die Gegner plädieren darauf, die Initiative abzulehnen, weil diese widersprüchlich sei. Da die Vollgeld-Initiative eine angekündigte Währungs­reform darstelle, seien die Reaktionen des Volkes nicht vorauszuahnen. Die Gegner befürchten unter anderem, dass durch die Annahme der Initiative das Schweizer Zahlungs- und Finanzwesen durcheinandergeraten würde. Zudem sei zu unklar definiert, welches Geld weiterhin als Zahlungsmittel akzeptiert werde. So soll beispielsweise Buchgeld, ein elektronisches Zahlungsmittel, verboten werden, während laut Initiativtext andere mit dem gesetzlichen Auftrag der SNB zu vereinbarenden Zahlungsmittel zugelassen werden. Die Argumente zeigen: Die Ansichten sind unterschiedlich. Doch in einem Punkt sind sich beide Lager einig: Um die Vollgeld-Initiative zu verstehen, ist es unausweichlich, sich mit dem Schweizer Geldsystem auseinanderzusetzen.

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