Beeindruckende Bachelor-Arbeiten

Zum Abschluss ihrer Bachelor-Studien an der Hochschule für Technik der FHNW haben mehr als 300 Studierende ihre Arbeiten vorgestellt.

«Aufwind» für Gleitschirmflieger: (von links) Severin Hunziker, Philipp Duthaler und Jonathan Nadler. (Bild: lp)

19. September 2019
10:05

«Die Idee stammt nicht von uns», räumt Severin Hunziker bescheiden ein. «Die Aufgabe ist ausgeschrieben worden.» Zusammen mit Jonathan Nadler und Philipp Duthaler hat er eine Schleppwinde für Gleitschirmflieger entwickelt. Ein Gerät, so Severin Hunziker, das in eine Marktlücke stossen wird. Die Winde ermöglicht – vergleichbar mit den Winden für den Start von Segelflugzeugen – Gleitschirmfliegern einen bequemen Start in ebenem Gelände. Vorbei also die oft anstrengenden Aufstiege zu einem geeigneten Startplatz – wo dann womöglich Bäume und Sträucher einem Start buchstäblich im Wege stehen. Ziel, so Severin Hunziker, sei es gewesen, eine batteriebetriebene Kombi-Winde zu entwickeln, die sowohl für den Schlepp- als auch für den Abrollbetrieb eingesetzt werden kann. (Für den Abrollbetrieb wird die Winde auf ein Fahrzeug aufgebaut.) Die Winde sollte zudem Tandemstarts ermöglichen und den Sicherheitsvorschriften des Deutschen Gleitschirm- und Drachenflugverbandes (DHV) entsprechen. Nach Konzeption, Bau und Labortests ist die Winde mit Piloten des Delta- und Gleitschirmclubs Schaffhausen bei Schleppwindenstarts in der Praxis erprobt worden. Dabei hätten sich die Piloten sehr zufrieden gezeigt, stellen die drei Ingenieure im Faktenblatt zu ihrer Arbeit fest. Mit ihrem Gemeinschaftswerk haben Severin Hunziker und Philipp Duthaler, die beide Elektro- und Informationstechnik studieren, und Jonathan Nadler, der Maschinenbau studiert, auch ein Beispiel für erfolgreiche, fachübergreifende Teamarbeit geliefert.

 

Riesige Vielfalt

Die Schleppwinde für Gleitschirme ist nur eine der Arbeiten, welche die mehr als 300 Studierenden an der Hochschule für Technik der FHNW zum Abschluss ihrer Bachelor-Studien in den Bereichen Energie- und Umwelttechnik, Elektro- und Informationstechnik, Informatik, iCompetence, Maschinenbau, Optometrie, Systemtechnik sowie Wirtschaftsingenieurwesen präsentiert haben. Entsprechend vielfältig waren denn auch die Aufgaben, mit denen sich die Studierenden auseinandergesetzt haben. «Die Präsentation der Arbeiten ist stets ein schöner Event, der einen spannenden Einblick vermittelt», stellte denn auch Jürg Christener, Direktor der Hochschule für Technik, vor einer der Arbeiten im Lichthof des Hallerbaues spontan fest.

 

Kirschen und Milkrun

Nicht weniger interessant als die Arbeiten der Maschinenbauer sind diejenigen der Studierenden der anderen Fachrichtungen ausgefallen. Bei den angehenden Ingenieurinnen und Ingenieuren der Energie- und Umwelttechnik beispielweise hat man sich unter anderem mit der «Prozessoptimierung der Bewässerung von Spezialkulturen» befasst. Im Spannungsfeld zwischen Wassermangel und ausreichender Wasserzufuhr sozusagen ist im Rahmen dieser Arbeit – hinter der ein Auftrag eines Landwirtschaftlichen Zentrums steht – eine Messkampagne in einer Tafelkirschenanlage durchgeführt worden. Eine andere Arbeit hat eine «Klimaneutrale Eventfabrik» zum Thema. In vier Schritten werden Wege aufgezeigt, wie sich der CO2-Ausstoss eines Eventlokals, das jährlich vor allem über die Erdgasheizung 66 Tonnen CO2 «produziert», auf null senken lässt. Eine weitere Arbeit wiederum befasst sich mit einer Gesamtanalyse der Photovoltaik-Fassaden in der Schweiz – zweifellos einem Gebiet mit Potenzial. 

Interessante Arbeiten haben auch die Studierenden des Bereichs Wirtschaftsingenieurwesen präsentiert. So etwa, um nur zwei Beispiele zu nennen, ein «Strategiekonzept zur Wasserstoffmobilität» – im Hinblick auf die Erschliessung eines neuen Geschäftsfeldes – oder aber «Optimierung  des Materialflusses durch den Einsatz von Milkrun». In dieser Arbeit geht es um die Einführung des sogenannten Milkrun- oder Milchflaschen-Konzeptes, einer Logistik-Methode zur Optimierung von Durchlaufzeiten und Materialbeständen.

 

Gemeinsamkeit: Praxisnähe

So unterschiedlich die einzelnen Bachelorthesen aus den verschiedenen Studienrichtungen auch sein mögen. Etwas haben sie gemeinsam: die Nähe zur Praxis. Vorgestellt wurden keine theoretischen Abhandlungen, die in irgendwelchen Schubladen verstauben werden, sondern durchwegs Aufgaben aus der Praxis. Aber schliesslich hat der Bezug der Ausbildung zur Praxis an der Hochschule für Technik der FHNW seit jeher hohen Stellenwert. In einem Umfeld, in dem Innovation und die Entwicklung von der Idee hin zur Fertigungsreife zunehmend wichtiger werden, dürfte Praxisnähe stets wichtiger werden. Das nicht zuletzt auch deshalb, nachdem Produktionsprozesse – meist kostenbedingt – zunehmend in andere Länder verschoben werden.

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