Benzin im Blut

Ricardo Feller ist passionierter Nachwuchsrennfahrer. Für diese Leidenschaft lebt der 17-jährige Bözberger.

Ricardo Feller schreibt Autogramme
Ricardo Feller schreibt Autogramme (Bilder: zVg)

von
Hans Lenzi

11. Januar 2018
09:00

Ricardo Feller arbeitet kontinuierlich an seiner Karriere. Sein Ziel ist: ein Vertrag als Werkfahrer in der sogenannten DTM-Klasse. Dabei darf der 17-Jährige noch nicht einmal offiziell Auto fahren. Obwohl er in seiner Alters- und Rennklasse einer der Besten hinter dem Steuer ist. Bestimmt wird er in wenigen Monaten den «Permis» mit links erwerben.


Im Autobusiness gross geworden

«Als Ältester einer seit Jahrzehnten mit Automobilen befassten Familie aufgewachsen, bin ich seit Kindsbeinen von Kraftfahrzeugen umgeben. Ich habe viele Stunden in unserem Betrieb in Oberentfelden Hand angelegt, durfte meine Eltern bei ihrer Tätigkeit beobachten, lernte gleichsam nebenbei diese Branche kennen und eignete mir so sehr früh grosse Kenntnisse rund ums Auto an», erklärt der Wahlbözberger seinen Werdegang. «Mit zehn hat mich mein Vater dann zum ersten Mal auf die Kartbahn in Roggwil mitgenommen. 

Auf die nächste Weihnacht erhielt ich den ersten Go-Kart geschenkt und 2011 fuhr ich in meinem ersten Rennen in der Supermini-Kategorie im Tessin auf den sechsten Rang. In diesem Jahr nahm ich auch an den Schweizermeisterschaften teil und lernte mit jedem Wettkampf dazu.» Was für den Laien vielleicht als niedliches Tretauto in Erinnerung ist, sind in Wirklichkeit veritable Rennmaschinen und stehen für viele berühmte Formel-1-Piloten – Michael Schumacher, Ayrton Senna, Alain Prost – als Einstieg in die Profikarriere. 

Hier lernt der künftige Rennfahrer die Basics in Sachen Materialwahl, Motoreneinstellung, Renntaktik, das Aushalten der sogenannten G-Kräfte und anderes mehr. Geschwindigkeiten von 110 km/h und höher sind keine Seltenheit.


Kosmopolitisch aufgewachsen

Ricardo hat schon an verschiedenen Orten gelebt, unter anderem zwei Jahre in unserem Südkanton, und hält sich regelmässig in Italien auf. Auf dem Bözberg siedelt die Familie seit vier Jahren. «Mir gefällt es da sehr gut. Das Gelände lädt zur sportlichen Betätigung ein, die Natur ist intakt und wenn es die Zeit zulässt, treffe ich mich mit den dortigen Freunden, spiele Fussball oder sitze auf mein Fahrrad, um Grundkondition zu trainieren», weiss der junge Mann. «Momentan stehe ich im zweiten Lehrjahr als Kaufmann. Da ich durch meinen Job als Rennfahrer oft abwesend bin, dauert das Sport-KV ein Jahr länger.» Aufgrund seiner noch jungen Biografie beherrscht der sportliche Jungspund Italienisch und Englisch sehr gut. 

Seine schulische Laufbahn absolvierte er in der öffentlichen Schule, einen Teil auch in Form des Homeschoolings. «Da unsere Eltern geschäftlich sehr ausgelastet sind, helfen für uns drei Burschen seit vielen Jahren immer wieder unsere Grosseltern in der Betreuung mit, was wir als bereichernd und schön empfinden, das Generationenübergreifende spielt bei uns eine grosse Rolle», informiert Ricardo. 

Konzentration vor dem Rennen
Konzentration vor dem Rennen


Steil aufwärts

Sein rennfahrerischer Aufstieg setzte sich in den letzten Jahren kontinuierlich fort: 2012 wurde er bereits Go-Kart Vize-Schweizermeister, gewann den Swiss ROK-Cup und durfte am ROK-Cup World Final teilnehmen, bei welchem jeweils nur die Besten der nationalen Kader zugelassen sind. Er fuhr unter die besten zwanzig. 2013 wiederholte Ricardo die vorjährigen Erfolge. Wegen technischem Defekt und einem Ellbogenbruch musste er 2014 die Rennsaison vorzeitig abbrechen. Inzwischen dreizehnjährig, startete er in der nächsthöheren Hubraumklasse und fuhr nun mit 125 ccm-Rennmotoren. Der junge Schweizer bimst jetzt ausschliesslich in Italien, dem grossen Go-Kart-Land. 2015 ist in seiner Erinnerung ein gutes Jahr: Er wird erstmals Schweizermeister in seiner Kategorie, mischt in der WSK-Supermaster-Serie vorne mit und steht bei einem Rennen des Campionato Italiano auf dem Treppchen.

2016 steigt Ricardo Feller aufs Auto um: Das deutsche Team «Mücke Motorsport» wird auf ihn aufmerksam, bietet ihn für Tests auf, die er optimal absolviert. Sofort fährt er in der 1600 ccm-Klasse in der Deutschen Meisterschaft mit und lernt viel. Der Aufstrebende: «Go-Karts lenke ich seither nur noch zum Plausch. Der Autowettkampfsport ist eine neue Dimension. Hier fährt man stets am Limit, was ich liebe. In brenzligen Situationen werde ich nie nervös, es passiert das Gegenteil, ich werde immer ruhiger. Leider musste ich wegen eines Brustwirbelbruchs wieder pausieren.» Im letzten Jahr wechselte das Nachwuchstalent erneut. Dank seiner Begabung überspringt er einige Kategorien und bolzt nun in der GT-Masters-Tourenwagen-Abteilung. Er wird in die Audi-Sport-Racing-Academy aufgenommen, mit 16 als Jüngster aller Zeiten. Die hier eingesetzten Boliden bringen bis zu 585 PS auf die Räder. Und so geht es weiter, die Nachwuchshoffnung kurvt heute erfolgreich auf den grossen Rennstrecken des umliegenden Auslands. 


Hobby zum Beruf gemacht

In wenigen Tagen steht eine weitere Neuigkeit an: Als erneut jüngster Fahrer je absolviert Ricardo in Dubai sein erstes 24-Stunden-Rennen, wobei sich die Piloten abwechseln. «Ja, ich bin dankbar, dass ich mein Hobby zum Beruf machen darf. Insbesondere deshalb, weil dieser Sport ein in jeder Hinsicht intensiver ist. Ohne den Support meiner Eltern ginge das nicht. Rund ein Drittel des Jahres bin ich für Vorbereitung und Rennen absorbiert.» Na dann: Freie Fahrt, Ricardo!

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