«Berührungen können so viel geben»

Tina Imhof ist medizinische Masseurin. Sanfte Berührungen regelmässig in Alters- und Pfegeheimen anzubieten, ist ihr «Herzensprojekt».

Will älteren Menschen zu mehr Lebensqualität verhelfen: Tina Imhof. (Bild: zVg)

Gerade in der Zeit des «Social Distancing» wurde Tina Imhof wieder mal bewusst, wofür sie sich engagieren will. Dass ältere Menschen in Alters- und Pflegeheimen oft unter Berührungsmangel leiden, stimmt die medizinische Masseurin mit eidgenössischem Abschluss traurig. «Sanfte Berührungen sind lebenswichtig für uns Menschen», ist sie überzeugt. «Kaum vorzustellen, was es in alten Menschen auslöst, wenn ihr Bedürfnis nach Zuwendung nicht mehr erfüllt wird.» Was eine sanfte Massage bewirken kann, hat Tina Imhof bei ihrem Praktikum zur Pflegehelferin SRK im Alters- und Pflegeheim Ehrendingen erfahren. Sie hatte unter anderem mit einer schwer dementen Frau zu tun, die den ganzen Tag im Bett lag, spastisch war und leise wimmerte. «Ich habe sie eine Stunde lang massiert, mit feinen Streichungen, begleitet von sanfter Musik», erzählt Imhof. Was dann passierte, sei frappant gewesen. «Sie wurde ganz ruhig und zugewandt, die Muskulatur entspannte sich, und die zuständige Fachfrau Gesundheit konnte die Frau danach viel einfacher pflegen.» Einer anderen Bewohnerin, die unter starker Angst litt, konnte Tina Imhof mit einer einfachen Handmassage helfen. «Oft braucht es nicht viel», weiss die Fachfrau. «Schon allein, dass jemand da ist und einem die Hand auflegt, kann Wunder wirken.»


«Die Massage erfordert höchste Achtsamkeit»
Mit der Wirkung von Berührungen ist Tina Imhof seit vielen Jahren vertraut. Aktuell betreibt sie zwei Praxen für medizinische Massage – die eine in Ehrendingen, wo sie wohnt, die andere am Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen (therapie-massage.ch). «Die Massagetechniken aus meinem Alltag sind aber nicht eins zu eins auf ältere Menschen übertragbar», betont Imhof. Die Beschaffung und die Empfindlichkeit der Haut seien im Alter anders, mögliche Kontraindikationen müssten beachtet werden. «Die Massage, die ich in Alters- und Pflegeheimen anbieten möchte, ist sehr sanft und erfordert höchste Achtsamkeit», sagt die Fachfrau, die von ihrer Ausbildung her auch das ganze Spektrum von Lymphdrainage bis hin zu Fussreflexzonenmassage miteinbeziehen kann. Ihr Angebot, das über die Zusatzversicherung abgerechnet werden kann, sei als Ergänzung gedacht und keinesfalls als Konkurrenz zu Physiotherapie und Pflege, unterstreicht sie. Sie wisse von ihrer Praktikumszeit her nur zu gut, dass es im engen Takt des aktuell herrschenden Personalnotstands in den Heimen an Zeit und Raum fehle, um beruhigende Berührungen anzuwenden. Dass gerade bei älteren Menschen, die manchmal nicht mehr sprechen können, das Thema Berührungen ein hohes Sensorium erfordert, ist Tina Imhof bewusst. «Nicht in jeder Situation es angenehm, berührt zu werden», sagt sie. Da gelte es sehr genau zu beobachten. «Auch ein Zucken im kleinen Zeh kann ein wichtiger Hinweis sein.»

Bei einigen Institutionen hat Tina Imhof ihr Herzensprojekt bereits vorgestellt, unter anderem auch im Altersheim Unteres Aaretal in Döttingen. «Als zukunftsorientiertes Haus sind wir offen für neue Angebote», sagt Institutionsleiter und Gemeinderat Steven Weill. «Zudem haben wir grosses Interesse, regionale Anbieter miteinzubeziehen.» Die Zeichen stehen also gut, dass Tina Imhof bald auf offene Türen stösst – und damit den Alltag vieler älterer Menschen bereichern kann.

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