Besuch vom «Sensenmann»

Der Worbmacher Martin Strub zeigte in seinem Sensenkurs auf den Blumenwiesen des Friedhofs Liebenfels, wie man effektiv mäht.

Kursleiter Martin Strub demonstriert am Kurs in Baden, wie man die Sense richtig präpariert.

16. Juni 2021
14:38

Während andere am letzten Samstag aus Anlass des ersten EM-Fussballspiels der Schweiz wieder Gartenpartys feierten, versammelten sich auf dem Badener Friedhof Liebenfels siebzehn Hobbygärtnerinnen und -gärtner, um den richtigen Umgang mit der Sense zu lernen. Einen berufeneren Kursleiter als Martin Strub hätte die Stadtökologie nicht finden können, ist seine Manufaktur in Schwarzenbach bei Huttwil doch mit einer Jahresproduktion von 2000 Sensen die grösste Sensenherstellerin in der Schweiz. Während der Betrieb die Sensenblätter aus Italien bezieht, stellt er die als Sensenwörbe bezeichneten Holzstiele selbst her. Es gibt sie gleich in dreissig je nach Region oder Kanton unterschiedlichen Formen – von gerade bis zu mehrseitig gekrümmt.

Albert Conrad, Leiter des Badener Zivilstandskreises, mäht die Naturwiesen in seinem Garten mit der Sense. (Bild: rhö)


Der Friedhof wird als Kursort genutzt

«Die Bauern im Unterland verwenden kaum mehr Sensen, selbst im Oberland gibt es heute Mähmaschinen, die man an steilen Hängen einsetzen kann», erklärt Strub. «Immerhin führt das wachsende ökologische Bewusstsein dazu, dass die Nachfrage bei den Werkhöfen und von privater Seite zunimmt.» Die fünfzehn Sensenkurse, die der Berner in diesem Sommer gibt, sind alle schon ausgebucht. In Baden war die Warteliste zum Schluss ebenso lang wie diejenige der rechtzeitigen Anmeldungen. So beliebt ist der Kurs.

Pascale Contesse von der Stadtökologie begrüsste die Teilnehmenden auf dem Friedhof Liebenfels, dessen weitläufige Naturwiesen und Stand der Vegetation für den Kurs ideal seien. «Es ist uns wichtig, das Mähen mit der Sense fördern, weil die Insekten diesen Schnitt überleben», betonte sie. «Zusammen mit dem Trocknenlassen der Gräser und Blumen auf der Wiese, das ihnen das Versamen erlaubt, stärkt dies die Biodiversität.»


Die komplexe Kunst des Dengelens

Strub führte die Anwesenden zuerst in die Kunst des Dengelens ein, bei dem die Sensenblätter mithilfe von Hammer und Amboss mit viel Gefühl geklopft und damit geschärft werden. Eine komfortablere, aber rare Alternative bildeten alte, per Pedal betriebene Werkzeuge, welche die Klinge gleichmässig zusammenpressen. Danach erläuterte der Kursleiter, wie bei der Einstellung des Winkels zwischen Worb und Sensenblatt Topografie, Vegetation und Feuchtigkeit berücksichtigt werden sollten. Und wie man die Sense auf dem Feld so nachwetzt, dass kein Finger abhandenkommt. Schliesslich demonstrierte Strub noch, wie diese halbkreisförmig und bodennah geschwungen werden sollte. Darauf machten sich die Teilnehmenden mit eigenen oder ausgeliehenen Sensen über die Wiesen her, um das erworbene Wissen praktisch umzusetzen und zu erproben. Wenn sie bei einigen weniger gut liefen, lag es jedoch nicht immer an einer unausgereiften Technik, sondern manchmal an einer stumpfen Klinge. Dabei erinnert Strub an die Weisheit «Wer beim Dengele schläft, wacht beim Mähen auf».

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