Bevölkerung darf Zukunft von Effingerhof mitbestimmen

Lange war es still um den Effingerhof. Nun will die neue Eigentümerschaft den Umbau des markanten Gebäudes in der Brugger Altstadt angehen. Die Bevölkerung ist eingeladen, ihre Ideen einzubringen.

Gemeinsame Zukunftspläne (v.l.): Verena und Amos Kornfeld (Eigentümer), Corinne Thoma (Architektin von Tschudin und Urech AG), Barbara Horlacher (Frau Stadtammann Brugg), Bigna Lüthy (Stadtplanerin Brugg) und Walter Tschudin (Projektleiter) (Bild: sha)

von
Annegret Ruoff

03. Dezember 2018
15:00

Da die Effingermedien AG im April den Produktionsstandort der Druckerei nach Kleindöttingen auslagerte, wurde der bisherige Firmensitz, der markante «Effingerhof» in der Brugger Altstadt, Anfang Sommer veräussert. Amos und Verena Kornfeld, Hauptaktionäre der auf die Erneuerung alter Liegenschaften spezialisierten Firma Cadima Real Estate AG mit Sitz in Villnachern, übernahmen das umfangreiche Bauwerk. Danach war es eine Zeitlang still um den «Effingerhof». Heute Montag luden die neuen Eigentümer, zusammen mit Projektleiter Walter Tschudin und der Stadt Brugg unter dem Titel «Effingerhof: Wie weiter?» zur gemeinsamen Pressekonferenz.

Dabei stellten die Beteiligten den nun anstehenden Entwicklungsprozess vor. Was den Umbau und die zukünftige Nutzung des Gebäudes angeht, wird ein umfangreiches Partizipationsverfahren angestrebt. Speziell dabei ist: Es sollen nicht bloss Vertreter einzelner Gruppierungen und Interessen an diesem Prozess teilnehmen, sondern alle Bürgerinnen und Bürger. Das Verfahren folgt dabei einem Musterprozess, wie er bereits an anderen Orten angewandt wurde. In einem ersten Schritt findet am Dienstag, 11. Dezember, eine öffentliche Information statt, danach folgt ein erster Block von vier Werkstätten im Januar, ein zweiter Block von drei Werkstätten ist für Februar vorgesehen. Jede dieser Werkstätten ist öffentlich. Die Bevölkerung ist dabei eingeladen, ihre Ideen einzubringen. «Wir wollen etwas probieren, das nicht alltäglich ist», sagte Projektleiter und Architekt Walter Tschudin gleich zu Beginn. «Und wir sind offen für alle verrückten Ideen.» Tschudin, der seit mehreren Jahren mit Amos und Verena Kornfeld zusammenarbeitet, betreut den Prozess als Projektleiter. Als ausführender Architekt wird er, wie er betonte, aber nicht tätig sein. Eng zusammengearbeitet hat Walter Tschudin in der Vergangenheit mit dem Brugger Verkehrsplaner und Altstadtbewohner Jürg Dietiker. Dieser hatte die Idee der Partizipation zusammen mit einer losen Gruppierung von weiteren Altstadtvertretern wie Max Kuhn, Jürg Waldmeier und Krishna Menon ursprünglich eingebracht.  

  

Partizipationsprozesse laufen parallel

Der «Effingerhof» ist nicht das einzige Partizipationsprojekt, das im Rahmen der Altstadtentwicklung derzeit anläuft. Erst letzte Woche wurde bekannt, dass Brugg als Pilotstadt den von der Interessengemeinschaft Aargauer Altstädte erarbeiteten Musterprozess zur Altstadtentwicklung durchführt. «Die beiden laufenden Prozesse sollen sich aber keinesfalls in die Quere kommen», betonte Walter Tschudin. Man achte deshalb auf eine gute Abgrenzung.

Als «Riesenchance» bezeichnete Frau Stadtammann Barbara Horlacher anlässlich der Medienkonferenz das Projekt rund um den «Effingerhof». Amos und Verena Kornfeld seien bereits im Sommer an die Stadt gelangt. Seither hätten einige «sehr offene» Gespräche stattgefunden, so Horlacher. «Der Effingerhof ist für die Stadt von Bedeutung», erklärte sie. Er sei ein grosses Bauwerk, das ein Stück Stadtgeschichte repräsentiere und viele Emotionen wecke. «Wir waren deshalb sehr interessiert daran, an diesem Entwicklungsprozess teilzuhaben», sagte Barbara Horlacher. Nicht zuletzt passe die Art des Prozesses optimal zu den momentan laufenden Bestrebungen innerhalb der Altstadt. «Wir freuen uns auf den gemeinsamen Weg und sind gespannt, was auf uns zukommt», schloss sie.

 

Private und öffentliche Nutzung kombinieren

Wie der Prozess nach der Informationsveranstaltung und den offenen Werkstätten weitergeht, erörterte Projektleiter Walter Tschudin. Mitte März soll «das Päckli geschnürt» werden, sodass man im April die Resultate präsentieren könne. Wie lange danach die Planungs- und Umsetzungsphase dauert, lasse sich noch nicht abschätzen. Die Bauherrschaft sei jedoch daran interessiert, den Umbau möglichst speditiv umzusetzen. Er sei sich bewusst, dass durch eine rein private Nutzung das Ganze viel schneller hätte vorangetrieben werden können, sagte Amos Kornfeld. «Wir wollen das schöne und erhaltenswerte Gebäude aber nicht einfach mit Wohnungen abfüllen», betonte er. Ihm schwebe vielmehr eine synergetische Nutzung von 60 Prozent Wohnungen, 20 Prozent Kultur und weiteren 20 Prozent Dienstleistungen vor. Dass durch die öffentliche Nutzung der Umsetzungsprozess verzögert wird, nimmt Kornfeld dabei in Kauf. Der weitgereiste, promovierte Elektroingenieur machte im Rahmen seiner Pensionierung «sein Hobby zum Beruf» und wagte, zusammen mit seiner Frau Verena, mit der Firma Cadima Real Estate AG den Wechsel in die Immobilienbranche.

«Wir werden alles tun, um diesen Prozess mitzutragen und die Partizipation zu unterstützen», sagt Max Kuhn auf Anfrage von «e-journal», stellvertretend für die lose Interessenvereinigung der Brugger Altstadt, die auch das Referat zur Altstadtentwicklung von alt Regierungsrat Peter Beyeler, Präsident der IG Aargauer Altstädte, im Januar dieses Jahres im Rathaus initiiert hat. «Es ist wichtig, dass dieser Prozess möglichst breit abgestützt ist», erklärt Max Kuhn, der auch als Präsident der Genossenschaft Altstadt Brugg amtet. Schliesslich sei der «Effingerhof» eine der grössten und wichtigsten Liegenschaften in der Altstadt. Nun sei die Bevölkerung aufgerufen, sich ideenreich und konstruktiv einzubringen. «Wir wollen schliesslich keine Altstadt, in der alles Fassade ist, der Inhalt aber fehlt», so Max Kuhn.

 

 

Die öffentliche Information über den Partizipationsprozess der Zukunftsgestaltung «Effingerhof» findet am Dienstag, 11. Dezember, um 18.30 Uhr im Rathaus Brugg statt. Vorgängig können, von 15 bis 18 Uhr, die Räumlichkeiten im «Effingerhof» besichtigt werden.

 

 

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