«Beziehungen sind das Wichtigste»

Er machte den FC Baden innert kürzester Zeit schuldenfrei: Heinz Gassmann gilt als «Retter» des FC Baden. Sein gutes Gspüri half ihm dabei.

Heinz Gassmann, 67, im Stadion Esp in Dättwil, wo der FC Baden seine Heimspiele austrägt (Bild: is)

von
Ilona Scherer

02. Oktober 2019
09:00

Heinz Gassmann steht auf dem Kunst­rasen im Esp und strahlt. «Jetzt haben wir ein Stadion, wie es seit 30 Jahren schon sein müsste», sagt der Präsident des FC Baden. Rundherum Banden mit Logos von Sponsoren, der Support des lokalen Gewerbes ist sichtlich gross. Was der 67-Jährige verschweigt: Dass der 1897 gegründete Fussballklub schuldenfrei ist und nun sogar schwarze Zahlen schreibt, ist zu einem grossen Teil sein Verdienst. Nachdem er an der 122. GV im Juni 2018 offiziell den Verein übernahm, schaffte er es innert Jahresfrist, den Schuldenberg von 350'000 Franken abzubauen. Die Sanierung des Vereins war die erste Etappe seines Dreijahres-Plans. Im zweiten Jahr wird konsolidiert, damit der FC Baden im dritten Jahr stark dasteht – und er den Verein in die Hände eines Nachfolgers übergeben kann. 

Die erste Zeit sei Knochenarbeit gewesen, gibt Heinz Gassmann zu. Sein wohl wichtigster Schachzug war die Gründung der Vereinigung «Freunde des FC Baden», von denen jeder mindestens 10'000 Franken zahlte, «und zwar à fonds perdu», wie Gassmann betont. Es war das Glück des Vereins, in ihm einen bestens vernetzten Patron gefunden zu haben. «Beziehungen»; weiss der ehemalige Geschäftsmann, «sind in diesem Business das Wichtigste.» Auch sein langjähriger Freund Bruno Burkhart, ehemaliger Spieler der 1. Mannschaft, habe ihn unterstützt, nicht nur als Investor: «Er öffnete mir auch Türen, zu denen ich keinen Zugang hatte.»

Dabei hätte es sich Heinz Gassmann einfach machen und den Ruhestand mit seiner Partnerin Lisbeth im ländlichen Freienwil geniessen können. Nach dem Verkauf seiner Schmuckfirma in Dättwil zog er sich schrittweise ins Privatleben zurück und liess sich 2016 endgültig pensionieren. Anderthalb Jahre lang genoss es der zweifache Grossvater, die Welt zu bereisen. Doch allmählich war er wieder bereit, eine Aufgabe zu übernehmen. Und was lag näher, als den FC Baden zu unterstützen, bei dem er fast 50 Jahre Mitglied ist und als Goalie noch heute bei der Ü-50-Mannschaft zwischen den Pfosten steht?

Es sei bereits ein Teilpensum im Marketingbereich des FC Baden angedacht gewesen, verrät Gassmann. Dann zog der designierte Nachfolger von Präsident Thomi Bräm überraschend seine Kandidatur zurück – und schwups, fand sich Gassmann erneut auf dem Chefsessel des Vereins wieder, dessen Geschicke er bereits von 2003 bis 2010 gelenkt hatte. Dabei führt er den FC nach denselben Grundsätzen wie einst seine Firma: Er setzt auf eine schlanke Organisation und Kundennähe. Ins Fussballbusiness übersetzt bedeutet das: Er verkleinerte den Vorstand von elf auf fünf Personen, «denn ich wollte ein kleines, schlagkräftiges Leitungs­team, in dem jeder die Kompetenz hat, in seinem Bereich zu entscheiden», erklärt er: «Da braucht es keine zehn Meinungen.» Da er viele schon jahrelang kannte, schaffte er es auch, die ausgeschiedenen Funktionäre als Ressortleiter zu halten.

 

Ein gutes Gespür für Menschen

Sein gutes Gespür im Umgang mit Menschen kommt Gassmann auch bei der Sponsorenbetreuung – Kundennähe – zu gute. Da ist ihm wichtiger, trotz Belastung der Klubkasse ein paar Franken ins Catering eines Sponsoring-Events zu investieren, der unter dem Strich Goodwill und mittelfristig vielleicht gar neue Einnahmen bringt: «Was soll man denn «schmörzeln»? Dann kommen die Leute nicht mehr zurück», ist er überzeugt. 

Als Präsident des FC Baden ist sich der Freienwiler der Verantwortung gegenüber den 500 Aktiven und 60 Trainern seines Vereins bewusst. Als «Rentner» ist er in der glücklichen Lage, sich auch Zeit nehmen zu können, um den Junioren im Training zuzuschauen: «Eltern schätzen es, wenn der Präsident am Spielfeldrand steht. Und ich schöpfe daraus Kraft und Motivation, wenn ich die Jungen am Werk sehe.» Und schliesslich soll der Klub dem Nachwuchs eine sportliche Per­spektive bieten. Eine wichtige Rolle spielt dabei die 2. Mannschaft, in der jene Platz finden, die den Sprung ins Fanionteam noch nicht schaffen oder mit weniger Aufwand spielen wollen: «Sie dürfen uns nicht verloren gehen, denn oft sind Spieler aus diesem Team später bereit, sich als Funktionäre zu engagieren», weiss Heinz Gassmann.  

Seine Vision ist der Aufstieg der 1. Mannschaft von Trainer Ranko Jakov­ljevic in die 1. Liga Promotion, dem Bindeglied zwischen Amateur- und Profifussball. Im Sommer stand die Mannschaft kurz davor, das zu schaffen, verpasste den Aufstieg aber in letzter Minute. Trotzdem ist der Präsident überzeugt: «Wir sind auf einem guten Weg.»

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