«Bin so gespannt auf Hund und Huhn»

Die Kinderoper «Fell und Feder» im Kurtheater Baden war etwas verspielter, in musikalischer Sicht aber durchaus vergleichbar mit einer Oper für Erwachsene.

Sopranistin Mélanie Adami und Bariton Chasper-Curò Mani als Huhn und Hund
Sopranistin Mélanie Adami und Bariton Chasper-Curò Mani als Huhn und Hund (Bild: zVg/Toni Suter)

von
Ursula Burgherr

08. März 2018
09:00

Orangensaft statt Cüpli, lautes Geplapper und Lachen statt dezentes Gemurmel: Bei der Welturaufführung der Kinderoper «Fell und Feder» von argovia philharmonic im Kurtheater war alles etwas anders als sonst. Die Musiker, die in der Regel diskrete schwarze Anzüge tragen, stülpten sich gelbe Gummihandschuhe über den Kopf, die an die Kämme von Hennen erinnerten. Zwei Streicher versuchten auf ihren Instrumenten das Gackern nachzuahmen. Naely, 4½ Jahre, die mit ihrer Mama im Publikum sass, musste lachen. «Ich bin so gespannt auf den Hund und das Huhn», liess sie ganz zappelig verlauten. Denn um diese zwei Figuren dreht sich alles in dem von Lorenz Pauli geschriebenen Libretto und späteren Kinderbuch, zu dem Charlotte Perrey und Rodolphe Schacher die Musik komponierten. In der ersten Eigenproduktion von argovia philharmonic gibt Sopranistin Mélanie Adami das Huhn. Sie ist aus Operetten wie «Zigeunerbaron» oder «Die lustige Witwe» bekannt. Bariton Chasper-Curò Mani, der die Rolle des Hundes innehat, widmet sich vor allem der zeitgenössischen Musik und soliert in Kirchenmusikkonzerten wie Händels «Messias». 

Auf der Kurtheaterbühne für Kinder Kapriolen zu machen, war für die versierten Klassikinterpreten neu. Fast schien es, als ob sie selber wieder zu Kindern geworden wären. Die Zwei hatten an ihren Parts ganz offensichtlich Spass. Und begeisterten mit ihrem ungeheuren Stimmvolumen auch die Eltern, welche ihre Sprösslinge begleiteten. Punkto musikalischer Leistungen waren nur wenige Unterschiede zu einer Erwachsenenoper festzumachen. Etwas verspielter kamen einzelne Instrumentalsequenzen daher, und Arien mit so schönen Texten wie «Niemand ist kühner als kühne Hühner» waren wesentlich kürzer als beispielsweise bei einer Verdi-Oper. Vor allem, um den Nachwuchs bei Stange zu halten. Dazwischen gab es viel Dialog und Schauspiel, damit die Kids der Handlung folgen konnten. Und die ist so einfach wie tiefgründig: Das Huhn ist es leid, immer nur Eier zu legen. Auf der Suche nach Abenteuern verlässt es seinen Stall und begegnet dem Hund. Der sucht einen starken Freund. Die Kleinen im Publikum quietschten im Kurtheater vor Vergnügen, als er mit seinen übergrossen Fellfinken etwas trottelig und hechelnd dem Ball nachjagte. Das war ansteckend. Irgendwann lachten auch die grossen Zuschauer mit.

Huhn und Hund erleben in «Fell und Feder» gemeinsame Abenteuer, die sie zusammenschweissen. Und entdecken nach und nach, dass sie falschen Idealen folgen. Irgendwann merkt der Hund, dass sein wahrer Freund das kleine unscheinbare Huhn ist. Zahlreiche mutmachende Botschaften sind in «Fell und Feder» auf witzige und kindergerechte Art verpackt. Nach einer guten Stunde war dann Schluss auf der Kurtheaterbühne. Genau die richtige Länge für den Nachwuchs, der gegen Ende schon etwas unruhig auf den Sesseln herumruckelte. «Das war eine schöne Geschichte», resümierte Naely. Wie gefiel ihr die Musik? «Die Frau mit der hohen Stimme hat lustig gesungen», meinte sie und entschwand im Schlepptau ihrer Mama in der Zuschauermenge. 

Nach «Zorro jagt den Carmenschatz» und «Zirkus Bajazzo» ist «Fell und Feder» die dritte Kinder­oper von argovia philharmonic, die im Kurtheater zur Aufführung kommt. «Wir finden es wichtig, dass Musiktheater und Klassik schon in frühen Jahren spielerisch vermittelt wird», meint Kurtheater-Leiterin Lara Albanesi. Nach der Weltpremiere in Baden stehen Aufführungen im Circus Monti Wohlen (12. Mai), im Löwensaal Beinwil am See (13. Mai) und in der Alten Reithalle Aarau (26. Mai) auf dem Programm. «Auch andere Theater im deutschsprachigen Raum haben Interesse an unserer Kinderoper bekundet», so Regisseur Martin Philipp.

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