Bis zu 400 Kilogramm Spargeln pro Tag

Auch wenn Christine Amsler in Spitzenzeiten kaum Pause machen kann: Auf die Spargelernte möchte die Landwirtin aus Bözen nie und nimmer verzichten.

Hier ist Handarbeit gefordert: Landwirtin Christine Amsler beim Sortieren und Bündeln der hofeigenen Spargeln
Hier ist Handarbeit gefordert: Landwirtin Christine Amsler beim Sortieren und Bündeln der hofeigenen Spargeln (Bilder: aru)

von
Annegret Ruoff

17. Mai 2018
09:00

Spargelfest

Am Pfingstwochenende findet auf dem Söhrenhof in Bözen das traditionelle Spargelessen statt. In der Festwirtschaft werden Grünspargeln in diversen Variationen angeboten, dazu Weine vom eigenen Rebberg und die hofeigene Fricktaler Glace. Für Kinder gibts nebst Karussell, Trampolin und Spielturm viele Tiere zu bestaunen.

Samstag, 19. Mai, 11 bis 23 Uhr

Montag, 21. Mai, 11 bis 19 Uhr

Söhrenhof, Bözen

www.soehrenhof.ch 

Auf den ersten Blick sieht das Feld am Ende von Bözen aus wie Brachland. Doch beim genauen Hinsehen entdecke ich die zartgrünen Spitzen, die sich in unterschiedlicher Höhe Reihe um Reihe gegen den Himmel recken. Ich folge der schmalen Strasse, die sich durch Wiesen und Rebberge windet, bis zum Söhrenhof. Dort werde ich von zwei neugierigen Berner Sennenhunden begrüsst, dann kommt Christine Amsler um die Ecke und führt mich in den grosszügigen Gästeraum. Hier herrscht am kommenden Wochenende Hochbetrieb: Dann nämlich laden die Amslers zum traditionellen Spargelfest.

 

Ideen sind gefragt

Das grüne Gemüse steht derzeit im Mittelpunkt des vielfältig ausgerichteten Betriebs, der unter anderem Milchwirtschaft, Pouletmast, Wein- und Obstbau betreibt. «Ich habe Spargeln einfach gern», strahlt Christine Amsler. An warmen Tagen, wie Ende April dieses Jahres, sei die Ernte zwar ein «unglaublicher Chrampf», fügt sie an. «Zugleich ist dabei aber noch richtiges Handwerk gefordert», erzählt sie begeistert. Und immer wieder neue Ideen. Um die Ernte rückenschonender zu machen, haben die Amslers kurzerhand ihren Traktor umgebaut und mit Matratzen bestückt. «So können wir während des Schneidens auf dem Bauch liegen und müssen nicht andauernd die schweren Kisten übers Feld schleppen», erklärt Christine Amsler. Während sie jeweils das Lenken des Traktors übernimmt, schneiden ihr Sohn und die beiden Mitarbeitenden aus Brasilien und der Ukraine die Spargeln unmittelbar unter der Erdoberfläche ab. «Das ist nicht ganz einfach», sagt die Landwirtin. «Mittlerwerweile sind wir aber ein eingespieltes Team.»

Auf den Spargelanbau sind die Amslers 2006 gekommen, da die Kombination mit dem eigenen Wein hervorragend passt. Oberhalb der Reb-Terrassen wurde ein Stück Land frei, welches sich gut für den Anbau von Grünspargeln eignete. Der schwere Lehmboden und die warme Lage erwiesen sich als perfekt, das grüne Gemüse gedieh wunderbar – und die Amslers fanden Gefallen an den grünen Stangen. «Die Spargelsaison passte sehr gut in unseren Ablauf», erklärt Christine Amsler. «Sie ist just dann zu Ende, wenn Mitte Juni die Kirschenernte beginnt.» 

Weil der Spargelanbau auf dem kleinen Grundstück zu viel hergab für den Verkauf auf Hof und Markt und zu wenig für den Grossverteiler, rüsteten die Amslers auf und vergrösserten den Anteil an Spargelfeldern auf mittlerweile eineinhalb Hektaren. Hier ernten sie in Spitzenzeiten wie in diesem April täglich 100 Kisten, also rund 400 Kilogramm Spargeln. «Normalerweise sind es 40 bis 50 Kisten pro Tag», lacht Christine Amsler, «sowas wie heuer habe ich noch nie erlebt.» Aufgrund der hohen Temperaturen von 25 bis 30 Grad seien die Spargeln bis zu zwanzig Zentimeter am Tag gewachsen. «Da mussten wir am Morgen und am Abend ernten», erzählt die Landwirtin. 

  • Spargelfeld der Familie Amsler
    Spargelfeld der Familie Amsler (Bild: zVg/R. Aerni)
  • Nach der Ernte werden die Spargeln gewaschen und geschnitten
    Nach der Ernte werden die Spargeln gewaschen und geschnitten (Bild: aru)
  • Nach dem Waschen sortiert und bündelt Christine Amsler die Spargeln
    Nach dem Waschen sortiert und bündelt Christine Amsler die Spargeln
  • Eingestellt im Wasserbad halten sich die Spargeln im Lagerraum mehrere Tage
    Eingestellt im Wasserbad halten sich die Spargeln im Lagerraum mehrere Tage
  • Verkauft werden die Spargeln direkt ab Hof
    Verkauft werden die Spargeln direkt ab Hof (Bild: zVg)

Spargeln aus der Region

Um mit dieser Menge klarzukommen, brauchen die Amslers einen Kühlraum. Dort stehen die Spargeln wie Blumenbündel eingestellt im Wasser. «Ich empfehle den Kunden, sie auch im Kühlschrank so zu lagern», sagt Christine Amsler. Das schmackhafte Gemüse halte sich auf diese Weise mehrere Tage. 

Zum Glück zeigte sich Coop, der die mit dem Jurapark-Label versehenen Spargeln vom Söhrenhof mittlerweile in rund vierzig Filialen der Region verkauft, dieses Jahr kooperativ und nahm die Riesenernte dankbar entgegen. «Das ist nicht selbstverständlich», weiss Christine Amsler. Mittlerweile würden ja bereits ab Februar viele verschiedene Spargeln aus allen möglichen Ländern zum Verkauf angeboten. Umso mehr freut sich die Landwirtin darüber, dass viele Konsumenten auf die einheimischen Spargeln warten. Verkauft wird das zarte Gemüse vom Söhrenhof direkt ab Hof und auf dem Wochenmarkt in Brugg. Einen Teil der Grünspargeln liefert die Familie auch an Restaurants der Region. «Die Wirte schätzen die Frische und die Qualität unserer Spargeln», sagt die Bäuerin. 

 

Hoher Verschleiss an Messern

Obwohl die Spargelernte viel Handarbeit erfordert, ist sie laut Christine Amsler ein dankbares Geschäft. «Die Investitionen sind im Vergleich zur Tierhaltung klein», sagt die 52-Jährige. Und die Pflanzen hielten sich gut zehn Jahre. Anstrengend sei einzig das Setzen – Spargeln pflanzt man dreissig Zentimeter unter der Erdoberfläche – und das Schneiden. «Da braucht man dicke Handschuhe und eine Unmenge an Messern», lacht Christine Amsler. Gerade wenn der Boden trocken sei, sei das Schneiden unmittelbar an der Erdoberfläche eine Qual für Hände und Werkzeug. 

Und so freuen sich alle Erntehelfer jeweils auf den 20. Juni. «Dann ist Ernteschluss», sagt Christine Amsler. Danach dürfen die Spargeln so richtig ins Kraut schiessen, damit die Pflanzen erstarken und im nächsten Frühjahr eine neue Ernte folgt. «Besser als heuer kann es aber kaum mehr werden», strahlt Christine Amsler, als ich mich verabschiede.

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