Bischof Gmür spricht Machtwort

Im Konflikt in der katholischen Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi hat Bischof Felix Gmür nun entschieden: Die Seelsorgestellen werden neu besetzt.

War mit dem Konflikt gefordert: Felix Gmür, Bischof von Basel. (Bild: zVg)

14. Oktober 2020
21:08

Ende August forderte Luc Humbel, Präsident der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, öffentlich den Rücktritt von Daniel Ric, Kirchenpflegepräsident der katholischen Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi. Der Forderung gingen eine eben erfolgte Aussprache mit der Kirchenpflege von Gebenstorf-Turgi, monatelange Querelen, viele erfolglose Schlichtungsversuche und schliesslich der Wegzug des Gemeindeleiters und DiakonsPeter Daniels voraus. Dem konservativen Kurs von Kirchenpflegepräsident Ric und dem von ihm unterstützten Priester Pater Adam Serafin stellte sich eine Gruppierung von 72 Mitgliedern der Kirchgemeinde, die sich «Gruppe der 72» nannte, entgegen («E-Journal» berichtete).


Pater wollte Leitung übernehmen
Noch Ende August dieses Jahres sagte Pater Adam Serafin, der im Kreuzfeuer der Kritik stand, in einem Interview mit der «Rundschau Nord», dass er nicht kündige, sondern bereit sei, die Leitung der Gemeinden zu übernehmen. Der Arbeitsvertrag, der einen Passus enthält, dass mit dem Weggang von Gemeindeleiter Peter Daniels auch Pater Adam gehen müsse, sei nichtig und verstosse gegen das Kirchenrecht, so der Pater.


Neubesetzung Seelsorgestellen
Anfang Oktober fand Bischof Felix Gmür, der bereits im Juli mittels eines Briefs an Pater Adam kundtat, dass er von ihm den Rücktritt erwarte, gegenüber der Öffentlichkeit nun klare Worte. «Am 17. September hatte ich  ein Gespräch mit den Mitgliedern der Kirchenpflegen Birmenstorf und Gebenstorf-Turgi bezüglich der Spannungen in den Pfarreien St. Leodegar Birmenstort, St. Blasius Gebenstorf und Christkönig Turgi», schreibt Felix Gmür in seinem Schreiben vom 2. Oktober an die Kirchenpflegen und Gläubigen der betroffenen Pfarreien, welches mittlerweile auch an die Medien ging. Beim Gespräch seien auch Bischofsvikar Valentine Koledoye und Luc Humbel, Präsident der Römisch-Katholischen Landeskirche des Kantons Aargau, dabei gewesen. Im Brief kommuniziert der Bischof seinen Beschluss, der dazu dienen solle, «den Frieden in den drei Pfarreien wiederherzustellen». Nebst der Bestätigung der Demission von Diakon Peter Daniels als Gemeindeleiter per Ende September 2020 beinhaltet der bischöfliche Beschluss die Neubesetzung der beiden Seelsorgestellen. Dies bedeutet im Klartext, dass sowohl für Peter Daniels als auch für Pater Adam Serafin eine Nachfolge gesucht wird.


Pfarrverantwortung vergeben
Pater Adam, bisher Mitarbeitender Priester mit Pfarrverantwortung, erhält vom Bischof ab sofort bis Ende Dezember eine neue Missio als Kaplan für die Pfarreien Gebenstorf und Turgi. Birmenstorf hatte die Zusammenarbeit mit Pater Adam bereits fristgerecht gekündigt. Per 1. Oktober hat gemäss Weisung von Felix Gmür das Bischofsvikariat St. Urs beziehungsweise Bischofsvikar Valentine Koledoye die Pfarrverantwortung für die drei Pfarreien übernommen. Die Neubesetzung der Seelsorgestellen, so das Schreiben, werde nun von Bistum und Bischofsvikariat fortgesetzt. «Es ist meine Hoffnung, dass Frieden einkehrt und durch eine konstruktive Zusammenarbeit von Bischofsvikariat und Kirchenpflegen im Seelsorgeverband die Herausforderungen in den Pfarreien gemeistert werden», schliesst der Bischof sein offenes Schreiben.

Wie das klerikale Machtwort nun umgesetzt wird und welche Konsequenzen Kirchenpflegepräsident Daniel Ric daraus zieht, diese Fragen bleiben derzeit noch offen.

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