«Blues ist ein Gefühl, kein Musikstil!»

Wie vielseitig Blues sein kann, zeigt ein Blick in die Proben zum Auftaktkonzert des Bluesfestivals Baden in der Klosterkirche Wettingen. Hier wird der Blues zelebriert.

Die Musiker proben für das Auftaktkonzert des Bluesfestivals Baden in der Klosterkirche Wettingen
Die Musiker proben für das Auftaktkonzert des Bluesfestivals Baden in der Klosterkirche Wettingen (Bilder: ub)

von
Ursula Burgherr

16. Mai 2019
09:00

Sonntag im Tonstudio von Max Lässer an der Kornhausgasse: Genau einen Nachmittag lang hat die achtköpfige, von «Tätschmeister» Nic Niedermann zusammengestellte Musikformation ad hoc Zeit, um sich auf das grosse Eröffnungskonzert des Bluesfestivals Baden in der Klosterkirche Wettingen vorzubereiten. Jeder bringt seinen eigenen Stil mit ein; aber alle vereint der Blues. Ein eher klassischer Vertreter dieses Genres ist Sänger und Bluesharp-Koryphäe Walter Baumgartner aus dem Toggenburg. Er zeigt sich bei der Probe genauso entspannt wie der Zürcher Jazzpianist Gregor Müller. Obwohl diesem beim Festival-Opener eine ganz besonders bedeutungsvolle Rolle zukommt. Denn die allerersten Klänge des gesamten, 28 Konzerte umfassenden Festivals wird er spielen. Blues auf der Orgel in der Klosterkirche Wettingen. Wie sich das wohl anhören wird? Justina Lee Brown, Sängerin mit nigerianischen Wurzeln, filmt sich beim «come together» eifrig mit ihrem Handy, während sie den Gospelsong «Joy» mit einem Stimmvolumen singt, das Hühnerhaut erzeugt. Lässer hat als Gastgeber seine Trio-Kumpanen Marcel Lüscher (Klarinette) und Patrick Sommer (Kontrabass) eingeladen. Komplettiert wird die hochkarätige Musikergemeinschaft durch Nic Niedermanns Partner Toni Donadio, die gemeinsam das Gypsy-Jazz-Gitarren-Duo Tonic Strings ausmachen. Schon beim allerersten Zusammenspiel klingt die achtköpfige Spontanformation so eingespielt, als ob sie schon lange zusammen arbeiten würde. Das Konzert in der Klosterkirche Wettingen vom Samstag, 18. Mai, ist bereits ausverkauft. Ein fantastischer Start für die 16. Ausgabe des Bluesfestivals Baden. 

  • Sängerin Justina Lee Brown
    Sängerin Justina Lee Brown
  • Justina Lee Brown zeichnete die Proben auf
    Justina Lee Brown zeichnete die Proben auf
  • Bluesharpist und Sänger Walter Baumgartner
    Bluesharpist und Sänger Walter Baumgartner
  • Klarinettist und Saxophonist Marcel Lüscher
    Klarinettist und Saxophonist Marcel Lüscher
  • Kontrabassist Patrick Sommer
    Kontrabassist Patrick Sommer (Bild: zVg)
  • Nic Niedermann und Toni Donadio
    Nic Niedermann und Toni Donadio

Tief aus der Seele

«Der Blues ist kein Musikstil, sondern ein Gefühl der Melancholie, das tief in der menschlichen Seele steckt», sagt Nic Niedermann, «deshalb ist er auch universell und wird überall verstanden.» Seinen Ursprung hat der Blues in Mali. Durch den Sklavenhandel gelangte er nach Amerika und erhielt dort neue Einflüsse. Drei simple Akkorde und zwölf Takte machen ihn aus. Die sind zwar schlicht, aber umso wirkungsvoller. Für Niedermann, der durch seine virtuos ausgeklügelten Gitarrensoli mit Tonic Strings bekannt ist, braucht es Können, Mut und Grösse, um einen einfachen und guten Blues zu spielen. «Ich vergleiche das mit einem Maler, der minutiösen und naturalistisch die Natur widerspiegelt. Und dann kommt ein Künstler daher und sagt mit einem Strich einfach alles. Die Reduktion auf das Wesentliche ist beim Blues ein ganz wichtiger Faktor. Diese Einfachheit, die direkt ins Herz fährt und keiner Erklärungen bedarf, fordert einem Musiker oft mehr ab als all sein technisches Können.»

 

Blues zum Frühstück

Neu beim Bluesfestival Baden 2019 sind die Matinee-Konzerte vom 21. bis 26. Mai, jeweils ab 8.30 Uhr, im Swiss-Bel Hotel du Parc Baden. Zu den Auftritten internationaler Formationen können sich Gäste ein ausgiebiges Frühstück einverleiben. In der Reihe «Blues Movies» wird am 14. und 20. Mai, jeweils 20 Uhr, im Kino Orient Wettingen der Dokumentarfilm «Eric Clapton – Life in 12 Bars» gezeigt. Am Freitag, 17. Mai, flimmert der Stummfilm «Shiraz – Das Grabmal der gros­sen Liebe» aus den 1920er-Jahren zu Live-Musik über die Leinwand. Am Samstag, 18. Mai, erfolgt das traditionelle Warm-up in der Innenstadt von Baden mit Gratis- und Walk-in-Konzerten. 

Dass Sonny Landreth, einer der diesjährigen Headliner, im letzten Moment seine ganze Europatournee und damit seinen Auftritt vom Freitag, 24. Mai, im Nordportal absagen musste, war eine Nervenzerreissprobe für das Organisationsteam des Bluesfestivals Baden. «Wir haben mit der Toronzo Cannon Band einen mehr als würdigen Ersatz gefunden», zeigt sich OK-Mitglied Roberto Amsler stolz. Der Amerikaner gastiert in den besten Clubs von Chicago. Am 26. Mai sind Jimmy Vivino und Bob Margolin im Nordportal bei ihrem allerersten Auftritt auf einer europäischen Bühne zu erleben. Vivino ist als Bandmaster regelmässig mit Talklengende Conan O’Brian im amerikanischen Fernsehen zu sehen. Margolin war von 1973 bis 1980 Gitarrist bei Muddy Waters und wurde 2017 als «Best Traditional Blues Male Artist» mit einem Blues Music Award ausgezeichnet.

Für das krönende Finale sorgt am 26. Mai – ebenfalls im Nordportal – Tom Hambridge mit seinen Rattle­snakes. Mit ihm ist es den Organisatoren gelungen, einen der ganz grossen Figuren der amerikanischen Bluesszene nach Baden zu holen.

Bluesfestival Baden
18. bis 25. Mai 2019
www.bluesfestival-baden.ch 

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