«Boden wie im Burgund»

Der Isländer Hoss Hauksson bewirtschaftet in Rüfenach drei Betriebe. Seinen Wein exportiert er auch nach Dänemark und Island.

Winzer Hoss Hauksson vor der Abfüllanlage in seiner Kellerei (Bild: cl)

von
Claudia Marek

16. Mai 2019
09:00

Winzer Hoss Hauksson ist Quereinsteiger. Weltweit ist er der wohl einzige Isländer, der Wein kultiviert. In Island gibt es keine Reben. «Viel zu kalt», erzählt Hoss Hauksson bei einem Gespräch in seinem Weinkeller. In der Kellerei in Rüfenach produziert Hauksson Wein aus drei Betrieben. Der eine Betrieb ist in Remigen, dort kultiviert Hauksson auf dem Alpberg, Horn und Rütiberg Pinot noir, Riesling-Silvaner und Rheinriesling. «Wir haben hier im Aargau ideale Bedingungen für super Weine», ist Hoss Hauksson überzeugt. Der Boden sei lehmhaltig und mit Kalkstein durchmischt. «Der gleiche Boden wie im Burgund», so Hauksson. «Und wir haben heute das Klima wie im Burgund vor 40 Jahren», führt er aus. Einen weiteren Betrieb führt Hauksson in Döttingen. Dort kultiviert er weitere Traubensorten wie Blaufränkisch, Malbec oder Sauvignon blanc. 

 

Bis 100-jährige Rebstöcke   

Angefangen hat Hoss Hauksson mit einem Rebberg in Gordemo im Tessin, eingangs Verzascatal. Ein steiler Hang, der mit Merlot bestockt ist. «Alte Rebstöcke, die bis 100 Jahre alt sind», führt Hauksson aus. Der Wein wächst dort auf granithaltigem Geröllboden, der mit Humus durchmischt ist. «In meinem Weinberg duftet es nach wildem Thymian und Blüten», schwärmt Hauksson. Der Blick auf den Lago Maggiore sei einzigartig. Zu seinem Merlot «Ciliegio» hat er eine besondere Beziehung. «Es steckt viel Schweiss in diesem Wein», sagt Hauksson lachend. «Der Rebberg ist sehr steil, und jede Kiste muss man 100 Meter ins Dorf schleppen.» Von einem Lieblingswein könne man aber nicht sprechen, er liebt alle seine Weine. Je nach Situation passe der eine oder andere Wein besser. Im Aargau wächst unter anderem, sein «Sonnenschein», der «Sòlskin» mit Wikingerlogo auf der Etikette. Apropos Norden. Wie kommt ein Isländer dazu, Wein zu produzieren?

 

Start in der Waschküche

«Ich bestellte eine Tonne Pinot noir und habe in meiner Waschküche mit  drei 300-Liter-Tanks Wein gemacht», erzählt Hoss Hauksson, ein feines Grinsen im Gesicht. Das war 2013, Hoss Hauksson arbeitete damals als Banker. Er hat Mathematik und Physik studiert. Mit dem Wein-Virus, wie er sagt, war er bereits infiziert, als er in der Waschküche seines Hauses im Kanton Zug, in dem er mit seiner Ehefrau und beiden Söhnen wohnt, den ersten Wein produzierte. 

Schon der zweite Jahrgang war ein Erfolg und Hauksson entschied sich, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. «Ich bin ein Macher», sagt er. «Und es macht mir Spass, selbständig zu arbeiten», so Hauksson. «Von Anfang bis Ende mache ich alles selber.  Das ist ein sehr kreativer Prozess.»

 

Aargauer Wein nach Dänemark

Hoss Hauksson ist gern im Aargau. «Ich lerne Menschen kennen, die hier stark verwurzelt sind, das tut mir gut», sagt er. Der Winzer verfügt über ein grosses Netzwerk. Mittlerweile exportiert er Wein nach Dänemark und Island. «In einem Restaurant in Kopenhagen wird mein Wein als Hauswein ausgeschenkt», erzählt er stolz. Ziel sei es, noch weiter nach Norden zu expandieren.

Und er hat weitere Pläne. Seine Betriebe befinden sich in der Umstellungsphase auf biodynamischen Anbau, und seine 16 Traubensorten wird er auf acht Sorten reduzieren. «Vor allem Blaufränkisch, Rheinriesling und Chardonnay werde ich ausbauen», sagt er überzeugt. 

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