Brugg wird zur Pilotstadt

Betreffend Entwicklung der Altstadt wird Brugg zur Pilotstadt. Zudem soll die Stadtbibliothek auf dem Areal «Alte Post» ein neues Domizil erhalten.

Die Entwicklung der Altstadt schreitet voran: Seit Monaten läuft die Debatte um die Umgestaltung des Areals «Alte Post» (Bild: sha)

von
Annegret Ruoff

28. November 2018
13:20

Viel Wasser fliesst jeweils die Aare hinunter, bis grosse Projekte in Brugg zur Umsetzung gelangen. Auch wenn es nach aussen hin still geworden ist um die Altstadt, treibt der Stadtrat im Hintergrund deren Entwicklung voran. Dies machte er vergangenen Montag anlässlich einer Pressekonferenz deutlich. Dabei orientierten Frau Stadtammann Barbara Horlacher und Vizeammann Leo Geissmann über insgesamt drei aktuelle Projekte: die Beteiligung von Brugg als Pilotstadt am Musterprozess der Interessengemeinschaft Aargauer Altstädte, die voranschreitende Planung des Areals «Alte Post» sowie die weitere Modernisierung des Stadtmuseums. 

 

Brugg wird zur Pilotstadt

Im Januar dieses Jahres stellte alt Regierungsrat Peter Beyeler auf Einladung einer privaten Gruppierung im Rathaus die Arbeit der von ihm präsidierten Interessengemeinschaft Aargauer Altstädte vor. Diese setzt sich für die gemeinsame Förderung und Stärkung der Altstädte im Kanton ein. Im Nachklang dieser Veranstaltung erwog der Stadtrat, Brugg als Pilotstadt in den Entwicklungs-Musterprozess der IG einzubringen, im Frühjahr sagte er definitiv zu. Dies unter anderem deshalb, weil in Brugg bisher eine von Interessenvertretern, Behörden und Verwaltung gemeinsam getragene Strategie bezüglich Altstadt fehle, begründete Barbara Horlacher den Entscheid. 

Die letzten Monate wurden darauf verwendet, in Zusammenarbeit mit der IG Aargauer Altstädte die Grundlagen für den Entwicklungs-Musterprozess zu erstellen. Nebst Brugg wird Zofingen als Pilotstadt am zukunftsweisenden Projekt teilnehmen. Da die Altstadt ein lebendiger und sich andauernd verändernder Raum sei, gelte es nun in erster Linie, den «strukturierten» Dialog zu etablieren und eine «organisierte Plattform» für den Austausch zu schaffen, so Horlacher. Dies soll im 1. Quartal 2019 geschehen. Unter der Leitung einer Kerngruppe, bestehend aus Stadtplanerin Bigna Lüthy, einem lokalen Altstadtvertreter und externer Fachbegleitung, soll ein erster Workshop stattfinden, an dem die neue Kommunikationsplattform definiert und erste Handlungsfelder diskutiert werden. Die zum Workshop geladenen Akteure seien noch nicht bestimmt, so Barbara Horlacher. Zusammengesetzt würde die Runde aus Vertretern von Verwaltung, Behörden und Interessensvertretern. Bereits im Sommer, so die Prophezeihung des Stadtrats, sollen erste Ergebnisse des Entwicklungsprozesses sichtbar werden.

 

Entwicklung Areal «Alte Post»

Was den Zusammenzug der Verwaltung und das geplante Grossprojekt auf dem Areal «Alte Post» angeht, verfolgt der Stadtrat laut Barbara Horlacher nach wie vor die Vision eines «neuen, identitätsstiftenden, lebendigen Quartiers», welches Altstadt und Neumarkt miteinander verbindet. Vorgesehen ist die Realisierung eines neues Verwaltungsgebäudes, dazu kommen Verkaufsflächen, Büros und rund 55 Wohnungen. Nebst der Verwaltung will der Stadtrat, so hat er nun definitiv beschlossen, auch die Stadtbibliothek am neuen Ort unterbringen. Sie soll damit zu einem zentralen Treffpunkt, Veranstaltungsort und «Frequenzbringer» werden. Zusätzlich werden die neuen Räumlichkeiten dem Platzbedarf von rund 600 Quadratmetern gerecht – momentan stehen der Bibliothek 150 Quadratmeter zur Verfügung. Andere Standorte, erklärte Leo Geissmann, würden nicht mehr geprüft. Wie die frei werdenden Räumlichkeiten im Zimmermannhaus dereinst genutzt würden, stünde momentan noch nicht zur Debatte. 

Ebenfalls hat der Stadtrat entschieden, infolge der Zentralisierung der Verwaltung das Stadthaus in Zukunft anders zu nutzen. Wie genau diese öffentliche Nutzung aussehen wird, ist derzeit noch nicht klar.

 

Mitwirkung und Petition

Die Überbauung «Alte Post» wird in Brugg schon lange diskutiert. Eine  entsprechende Studie wurde bereits 2015 in Auftrag gegeben, Mitte 2016 wurde das Siegerprojekt von Homberger Architekten AG, Zürich, vorgestellt, im darauffolgenden Jahr startete das Gestaltungsverfahren. Von Mitte März bis Mitte April dieses Jahres lief die öffentliche Mitwirkung, bei welcher insgesamt zehn Begehren eingingen. In Zusammenhang mit der öffentlichen Diskussion, die durch die Mitwirkung losgetreten wurde, lancierte eine Gruppierung die «Petition für eine massvolle bauliche Entwicklung der Brugger Innenstadt», welche eine Redimensionierung der geplanten Gebäude forderte sowie den Einbezug der historischen Bauten «Alte Schmitte», «Müller-Haus» und «Kupperhaus» in die weiterführende Planung. Das von 1541 Personen unterzeichnete Petitionsbegehren nahm der Stadtrat am 28. Juni entgegen.

In den vergangenen Monaten seien die Mitwirkungseingaben durch den Stadtrat geprüft worden, berichtete Barbara Horlacher. Ebenfalls habe man das Gespräch mit den Petitionären gesucht. Solange dieses noch in Gang sei, habe man sich gegenseitig zu Stillschweigen verpflichtet, so Horlacher. Nun gehe es darum, die Gestaltungspläne zu bereinigen und im Frühjahr öffentlich vorzulegen. Geplant ist,  das Vorhaben dem Einwohnerrat sowie der Stimmbevölkerung im ersten Halbjahr 2020 vorzustellen. Der Baustart erfolgt damit frühestens im Jahr 2022. 

 

Modernisierung Stadtmuseum

Beim Stadtmuseum steht indes die nächste Etappe der Modernisierung an. Nach der Renovation des Stäblisaals im ersten Obergeschoss soll nun das Ergeschoss im Sinne eines attraktiven Eingangsbereichs und Veranstaltungslokals renoviert werden. Im zweiten Obergeschoss soll Platz für eine neue Dauerausstellung entstehen, während im Dachgeschoss die Nutzung als Arbeitsraum und Zwischendepot geplant ist. Damit die Umsetzung voranschreiten kann, müssen die Ortsbürger an ihrer Versammlung vom 4. Dezember einen Projektierungskredit von 103'000 Franken sprechen. Für den gesamten Umbau rechnet der Stadtrat mit Kosten von rund 740'000 Franken. Diese sind im Finanzplan 2018–2023 der Ortsbürgergemeinde enthalten. Sprechen sich die Ortsbürger für den Projektierungskredit aus, werden im Januar die Aufträge an die Planer vergeben. In einem Jahr folgt dann der Entscheid der Ortsbürgergemeinde über den Baukredit. Der Start des Umbaus ist für Herbst 2020 geplant, bezogen werden können die neuen Räumlichkeiten frühestens im Sommer 2021. Doch bis dahin fliesst noch viel Wasser die Aare hinunter.

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