Campus bleibt ein gefragter Studienort

Am 14. September hat im Campus Brugg-Windisch der FHNW das Herbstsemester begonnen.

Jürg Christener: «Die Anmeldungen der neuen Studierenden entwickeln sich erfreulich.» (Bild: archiv | lp)

16. September 2020
14:41

Offizielle Zahlen zu den neuen Studierenden im Campus Brugg-Windisch der FHNW liegen zwar erst im Oktober vor, «die Anmeldungen für das kommende Studienjahr entwickeln sich jedoch bei allen drei Hochschulen erfreulich», erklärt Jürg Christener, Standortleiter Aargau der FHNW und Direktor der Hochschule für Technik der FHNW. Weiterhin starkes Inte-resse besteht am Informatikstudium. Rückläufig dagegen sind die Anmeldungen im Bereich Elektrotechnik.

Leider bleibt auch im neuen Semester Corona ein Thema. Neben Schutzmassnahmen – es gilt Maskenpflicht für alle – werden neue Unterrichtsmethoden aus dem ersten «Corona-Semester» weitergeführt und ergänzt.


Jürg Christener, wie entwickeln sich die Zahlen der Studierenden an der FHNW im Campus Brugg-Windisch?

Die Anmeldungen der neuen Studierenden für das kommende Studienjahr entwickeln sich erfreulich. Wir rechnen mit einer deutlichen Zunahme gegenüber dem Vorjahr.


Wie viele Studentinnen und Studenten haben mit Semesterbeginn insgesamt neu ein Studium aufgenommen?

Wir sehen einen Trend, dass sich neue Studierende an mehr als einer Hochschule anmelden und erst unmittelbar bei Studienbeginn entscheiden, wo sie ihr Studium aufnehmen. Auch die Anmeldegebühr, die nicht rückerstattet wird, wenn das Studium nicht aufgenommen wird, hat dieses Verhalten nicht massgeblich verändert. Wir können deshalb immer erst nach Studienbeginn genaue Zahlen ermitteln. Damit auch für die offiziellen Statistikdaten an allen Hochschulen vergleichbare Daten erhoben werden können, gibt es einen Stichtag Mitte Oktober, an welchem überall die Zahlen ermittelt werden.


Wie ist die Verteilung auf die drei Hochschulen im Campus?

Die Entwicklung bei den Neuanmeldungen ist bei allen drei Hochschulen positiv. Nach wie vor stellt die Hochschule für Technik am meisten Studierende auf dem Campus Brugg-Windisch, etwa die Hälfte. Die andere Hälfte ist zu ähnlichen Teilen auf die Pädagogische Hochschule und die Hochschule für Wirtschaft aufgeteilt. Interessant ist, dass bei der Hochschule für Technik immer noch mehr als neunzig Prozent der Studierenden männlich sind. Bei der PH ist das Bild gerade umgekehrt und bei der Wirtschaft ist es recht ausgewogen. Das führt dazu, dass in der Summe eine gute Mischung von Frauen und Männern im Campus besteht.


Wie sieht die Entwicklung bei der Hochschule für Technik aus? Gibt es grössere Verschiebungen bei den Studienrichtungen? Hält das Interesse am Informatikstudium ungebrochen an?

Nach wie vor hat das Gebiet Informatik mit Abstand am meisten Neuanmeldungen. Wenn wir noch die Studierenden des Studiengangs Data Science dazuzählen, der dieses Jahr zum zweiten Mal angeboten wird, ist die Dominanz der Informatik noch eindrücklicher. Es ist aber trotz dieser positiven Entwicklung immer noch nicht möglich, den Bedarf der Wirtschaft an Fachkräften zu decken. Weiter spürt man eine steigende Sensibilisierung für die ökologischen Aspekte. Nach einigen Jahren mit zurückhaltenden Anmeldezahlen hat der Studiengang Energie und Umwelttechnik dieses Jahr wieder eine bessere Nachfrage. Schwierig gestaltet sich das Gewinnen von Studierenden rund um die Elektrotechnik. Dort ist ein Rückgang zu verzeichnen. Der Grund liegt aber nicht an der Attraktivität des Studienangebots, sondern auch daran, dass die Anzahl der Berufsmaturitätsabgängerinnen und -abgänger in den entsprechenden Berufen abnimmt. Ich bin selbst Elektroingenieur und kann alle jungen Menschen nur ermuntern, in diesen Bereich einzusteigen. Er ist äusserst vielseitig und interessant und verspricht zudem beste Berufsaussichten. Es gibt nicht nur in der Nordwestschweiz zu wenige Fachkräfte in diesem Gebiet.


Corona bleibt Thema. An der FHNW gilt neben den Hygiene- und Abstandsmassnahmen die Maskenpflicht. Gilt auch weiterhin Homeoffice?

Mit der Einführung der Maskenpflicht für alle, welche zusätzlich zur Einhaltung der Abstandsregeln kommt, hat sich die FHNW für einen vorsichtigen Weg entschieden. Mit diesem Ansatz sollten wir aber auch noch fahren können, wenn sich die Lage ein wenig verschlechtert. Es wäre äusserst anspruchsvoll, erneut mitten im Semester das Konzept zu wechseln. Für den Unterricht ist ein Mix von verschiedenen Formen vorgesehen. Insbesondere für neue Studierende ist ein gewisses Mass an Präsenz für die sozialen Kontakte und die Bildung von Lerngruppen schon von grosser Bedeutung. Auch für Dozierende und Mitarbeitende ergibt sich damit eine Mischung von Präsenz vor Ort und Homeoffice. Homeoffice wird aber, so wie es jetzt geplant ist, deutlich unter fünfzig Prozent liegen.


Wie weit gelangen Fernunterrichtslösungen, wie sie in den letzten Monaten erprobt worden sind, definitiv zum Einsatz?

Im letzten Semester mussten wir von einem Tag auf den anderen vom Normalbetrieb auf vollständigen Fernunterricht umschalten. Nur dank umsichtiger Planung im Vorfeld war das überhaupt möglich. Trotzdem gab es natürlich viele Experimente. Im neuen Semester liegen nun erste Erfahrungen vor und mehr technische Möglichkeiten. Das führt dazu, dass die bewährten Methoden aus dem ersten Corona-Semester mit weiteren Ansätzen ergänzt werden. Insbesondere Mischformen mit Distanz- und Präsenzunterricht dürften aus der Sicht der Studierenden die Attraktivität gegenüber reinem Distanzunterricht noch verbessern. Es ist aber definitiv so, dass wir noch nicht am Ende der Lernkurve angekommen sind. Auf jeden Fall werden wir einen Schwung in die Digitalisierung mitnehmen, der ohne Corona wohl kaum möglich gewesen wäre.

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