Cartoonist und Witzeerzähler mit Berufung

Er setzt sich für Gefangene und sozial Randständige ein und ist für seinen eigenwilligen Humor bekannt: Fred Grob, der Seelsorger mit dem Zeichenstift, präsentiert sein erstes Cartoon-Buch «Grobs Ein- und andere Fälle».

Er verliert nie den Humor: Fred Grob mit seinem neuen Cartoon-Buch. (Bild: ub)

25. November 2020
15:52

Die Welt ist grenzenlos. Vor allem, wenn Fred Grob seine meist knollnasigen Figürchen zeichnet und mit Sprechblasen versieht. Da müssen die Flugpassagiere der Billig-Airline «Flopair» schon mal selber mit dem Fallschirm landen. Der Arzt kommt mit dem bluttriefenden Messer daher und fragt den Patienten im Bett verdattert «Ach Sie sind der Patient?» In einen riesigen, wie ein Ballon aufgeblähten Menschenkopf fliegt ein Vogel mit spitzem Schnabel. Darunter zitiert der Zeichner aus der Bibel Salomon, Kapitel 16, Vers 18: «Hochmut kommt vor dem Fall.» Auch eine ziemlich eigenwillige Corona-Masken-Modeschau gibt es im Cartoon-Buch «Grobs Ein- und andere Fälle» zu begutachten. Nach zwei autobiografischen Werken «Grobs Feinheiten» und «Liebe für Ungeliebte» und zahlreichen Ausstellungen seiner Karikaturen machte er sich im 72. Lebensjahr ein ganz besonderes Geschenk: Er veröffentlichte sozusagen ein Best-Of seiner «Bilderwitze» in Buchform. Drucken lassen hat er die edel daherkommenden Exemplare kurzerhand in Eigenregie. Nach einer Minivernissage in der christlichen Buchhandlung Baden lagern jetzt rund 700 Exemplare bei ihm im Keller seines Ehrendinger Wohnhauses. Neben dem Rotwein-Vorrat.


Als Seelsorger im Gefängnis
Fred Grob zeichnet leidenschaftlich und viel. Seine Cartoons gehen ihm leicht und schnell von der Hand. Genausogern erzählt er Witze. «Ich kann ganze Abende damit bestreiten», bekundet er und lacht. Sein bisweilen eigenwilliger Humor ist ein Gegenpol zu seiner Arbeit. Als Mitarbeiter des christlichen Sozialwerks Hope Baden kümmerte er sich bis zu seiner Pensionierung um Menschen, die oft durch alle Maschen gefallen sind und sonst niemanden mehr haben, der sich um sie kümmert. Jahrelang stellte er mit seiner Frau Marianne privat eine Notschlafstelle zur Verfügung, wenn jemand kurzfristig in einer prekären Lebenssituation war und kein Dach mehr über dem Kopf hatte. Motivation für all sein Tun ist Grobs starker christlicher Glaube, dessen Werte der Nächstenliebe er weitervermitteln möchte. «Ich kümmere mich um jeden, der Zuwendung braucht. Ob religiös oder nicht und mit welcher Vergangenheit auch immer», bekundet er. Als Vertreter von «Prison Fellowship Schweiz» besucht er seit Langem unentgeltlich Sträflinge in den umliegenden Gefängnissen. «Es sind teilweise Menschen, die von der Umwelt abgeschrieben wurden und kaum noch Sozialkontakte haben», erklärt Grob. Er wolle nicht missionieren, betont er. Seine seelsorgerischen Besuche fänden nur auf Wunsch der Inhaftierten statt, im Sinne von einer spontanen und direkten Hilfe. «Ich bin noch heute mit zwei ehemaligen Bankräubern befreundet, die ihren Weg zurück in ein gutes Leben gefunden haben», erzählt er.


Frohe Botschaft als Werbung
Fred Grob sagt, er führe eine Beziehung mit Gott auf Augenhöhe. Auch sein Lebensweg verlief alles andere als gradlinig. Der ursprüngliche Schriftsetzer verdiente als Werbefachmann gut und hatte Erfolg. Die grosse Krise kam bei der Scheidung von seiner ersten Frau. «Ich fiel in ein tiefes Loch.» An den Tag seiner «Umkehr» kann er sich genau erinnern: «Es war der 24. Juni 1984. Ich bezeugte mit einem Gebet, dass ich fortan Jesus folgen wollte.» Seither hält er unerschütterlich an seinem Glauben fest. Für ihn ist die frohe Botschaft auch eine Art Werbung. «Aber nicht für eine Kirche oder Religion, sondern vor allem für Gott und Jesus. Das ist die Basis», sinniert er. Dann blättert er weiter in seinem Cartoon-Buch. Ein Vogel lässt ein Ei auf eines seiner Knollnasen-Männchen plumpsen. Es fällt durch einen wackeligen Heiligenschein direkt auf dessen Hirn. Ein Seitenhieb auf Heuchelei «… in der Gesellschaft und oft auch in der Kirche», ist sich Grob gewiss.

Original-Cartoons von Fred Grob sind noch bis Ende März 2021 im christlichen Sozialwerk Hope, Stadtturmstrasse 16, in Baden während der Restaurant-Öffnungszeiten ausgestellt.

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