«Centurion» übergab Referendum

In Remigen wird durch ein zustande gekommenes Referendum nochmals über den Jurapark-Beitritt abgestimmt.

Centurion Bruno Hartmann übergab das Referendum Frau Vizeammann Alexandra Savaris (Bild: hpw)

14. Oktober 2020
18:28

Auf diese Art ist wahrscheinlich noch nie ein Referendumsbegehren den Behörden anvertraut worden: Im Römerrebberg Remigen übergab der als «Centurion» gekleidete Winzer Bruno Hartmann Frau Vizeammann Alexandra Savaris sowie Gemeindeschreiber Jonas Hürbin und Sabrina Süss, Leiterin Einwohnerdienste, 250 in eine römische Amphore verpackte Unterschriften. Sie enthalten die Forderung, den Beitritt der Gemeinde zum Jurapark Aargau nochmals an der Urne zur Abstimmung zu bringen.


Antrieb von Winzern
Das Vorhaben war von der Gemeindeversammlung Anfang September aus Kosten-Nutzen-Erwägungen mit 29 Nein zu 28 Ja knapp abgelehnt worden. Skeptische Stimmen bezweifelten, ob die Mitgliedschaft mit fünf Franken Jahresbeitrag pro Einwohner der Gemeinde einen Nutzen bringe. Ihnen genügten die Argumente nicht, dass der Jurapark Natur- und Landschaftsprojekte fördere, Exkursionen anbiete und eine Genussstrasse mit Gasthäusern, Dorfläden und Produzenten betreibe, bei der auch zwei florierende Remiger Privatbetriebe mitwirken. Gegen die Ablehnung kündigten die unterlegenen Befürworter sofort das Referendum an, eine Premiere in Remigen mit seinen 1335 Einwohnern und 859 Stimmberechtigten – aber auf Anhieb erfolgreich. Denn die Quorumshürde von 144 gültigen Unterschriften wurde deutlich übertroffen. Im Referendumskomitee engagierten sich in erster Linie fast alle örtlichen Winzer. Sie, die mit den Reben das Landschaftsbild Remigens prägen, die dörfliche Weinbautradition pflegen und durch ihre Weine den Dorfnamen bekannt machen, sind überzeugt, dass die Gemeinde in den Jurapark-Perimeter gehört.

Deshalb war es kein Zufall, dass die Übergabe der Referendumsbögen im Römerrebberg des Weinguts Hartmann und in Begleitung einiger Winzerinnen und Winzer stattfand. Der Römerrebberg in Remigen, der mit drei weiteren Anlagen in Villigen, Schinznach und Oberflachs Bestandteil des Legionärspfades Vindonissa ist, zeigt, wie die Römer vor 2000 Jahren den Rebbau und die Weinkultur in unsere Gegend brachten.

Unmittelbar vor der Übergabe der Referendumsbögen wurden im Römerrebberg Remigen zum zehnten Mal die Trauben von den an Holzgerüsten «erzogenen» Reben – dem schon den Römern bekannten und heute noch im Süden verwendeten Pergolasystem – geerntet und gleich vor Ort stilgerecht mit (sauberen) nackten Füssen gepresst, und zwar von Rahel Göldi persönlich, der Leiterin des Römerlagers Vindonissa. Gleichentags schloss das Weingut Hartmann den diesjährigen Leset mit ausgezeichneter Traubenqualität bei selbst gewählter strenger Mengenbegrenzung endgültig ab.

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