Ciril Grossklaus: Sein Ziel ist eine Olympia-Medaille

Den 10. August 2016 hat Ciril Grossklaus im neuen Kalender seiner Windischer Wohnung rot markiert. An diesem Tag findet sein Wettkampf in der Kategorie Judo –90 kg an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro statt – seinem erklärten grossen Jahresziel.

Ciril Grossklaus beim Kampf gegen Kirill Voprosov (RUS, EM-2./WM-3. 2014), an den European Games Baku 2015
Ciril Grossklaus beim Kampf gegen Kirill Voprosov (RUS, EM-2./WM-3. 2014), an den European Games Baku 2015 (Bild: zVg)

von
Stefan Haller

09. Dezember 2015
16:28

Darauf arbeitet der 24-jährige Judoka vom Ju-Jitsu und Judo Club (JJJC) Brugg, der seit September 2012 Profi ist, fokussiert hin. Und es sieht gut aus für die Reise nach Rio! «Zurzeit wäre ich für die Teilnahme qualifiziert», erzählt der sympathische Ciril Grossklaus im Interview, für das er sich zwischen seiner Judo-Tournee auf allen Kontinenten Zeit nimmt. Die Festtage und den Jahreswechsel verbrachte er mit der Familie, doch die ruhige Phase ist nun vorbei. Gestern Mittwoch fuhr er zusammen mit seinen Nationalkader-Kollegen sowie Nati-Coach Giorgio Vismara, der in Brugg wohnt, bereits wieder für eine Trainingswoche in die Ferne.

Beim internationlen Trainingslager im österreichischen Mittersill wird der Körper wieder auf das anspruchsvolle Wettkampf-Level vorbereitet. Denn schon bald findet in der kubanischen Hauptstadt Havanna ein Judo Grand Prix statt, bei dem es weitere wertvolle Punkte auf höchstem internationalem Niveau zu sammeln gibt. Die Reise nach Zentralamerika tritt er mit den anderen Schweizer Olympiahoffnungen Ludovic Chammartin (Fribourg) und Evelyne Tschopp (Cortaillod) an, die ebenfalls Mitglieder des Grand Slam Teams sind, dem höchsten Schweizer Nationalkader. Am 24. Januar findet der Kampf von Ciril Grossklaus statt, am Vortag des Rückflugs in die Schweiz.

 

Von Hottwil nach Qingdao und Ulan Bator

Das Jahr 2015 war bisher das wichtigste in der Karriere des jungen Hottwilers, galt es doch möglichst viele Punkte für die Olympia-Qualifikation zu sammeln. Die Highlights waren der Sieg beim European Open in Glasgow, die Silbermedaille beim Oceania Open in Wollongong (Australien) sowie das Erreichen der Achtelfinals am prestigeträchtigen Grand Slam von Tokio. Im Rahmen der Olympia-Qualifikation, die bereits im Juni 2014 begann, bereiste er viele Destinationen mit exotischen Namen wie Abu Dhabi, Chelyabinsk, Qingdao, Jeju, Baku, Samsun, Astana, Ulan Bator oder Kazan, die er sonst wohl kaum je zu Gesicht bekäme. Überall dort fanden wichtige Judo-Turniere statt.

«Aktuell bin ich im Fahrplan nach Rio, aber es wäre schön, in die Top 10 zu gelangen. Zurzeit bin ich 16. auf der Olympia-Rankingliste», erzählt Ciril Grossklaus.  Dennoch wolle er nicht zuviel auf die Rangliste schauen, es gelte jeden Kampf und jedes Turnier mit voller Konzentration und ohne Taktieren anzugehen. Heute befinden sich 526 Punkte auf seinem Konto. Zwischen 100 und 300 braucht es schätzungsweise noch zur definitiven Olympiaqualifikation. Bis Ende Mai steht fest, ob er es geschafft hat.

 

Von Mutters Guetzli naschen

Über die Festtage musste Modellathlet Grossklaus (1,84 m bei 90 kg) nicht fasten. Zum Glück: «Die Guetzli meiner Mutter sind sehr fein», sagt er schmunzelnd. «Ich habe keine Gewichtsprobleme und erfülle ziemlich genau die Obergrenze meiner Kategorie. Andere müssen jeweils vor Beginn der Turniere noch vier oder fünf Kilogramm abspecken.» Dennoch sei eine gesunde und ausgewogene Ernährung wichtig, erzählt der Judoka, der täglich (ausser sonntags) trainiert. «Am Vormittag steht jeweils Kraft oder Technik an und am Abend das Kampftraining.» Das Nationale Leistungszentrum in der Mülimatt-Mehrzweckhalle in Windisch biete optimale Voraussetzungen, betont Grossklaus.

Seit Mitte Oktober wohnt er auch im Römerdorf, nur wenige Minuten von seiner Trainingsstätte entfernt, was natürlich ein enormer Vorteil sei. Zuvor musste er jeweils zwei Mal täglich die Strecke von Hottwil, wo er aufgewachsen ist, bis zum Training zurücklegen. 

  • Ciril Grossklaus will eine Olympia-Medaille
    Ciril Grossklaus will eine Olympia-Medaille (Bild: sha)
  • Ciril Grossklaus zu Besuch auf der Redaktion von Effingermedien
    Ciril Grossklaus zu Besuch auf der Redaktion von Effingermedien (Bild: Stefan Brandl)
  • Entscheidender Konterwurf gegen Kirill Voprosov an den European Games
    Entscheidender Konterwurf gegen Kirill Voprosov an den European Games (Bild: zVg)

Mit sieben Jahren begann Ciril Grossklaus mit Judo. «Im Fussballtraining gefiel es mir nicht so gut, also entschied ich mich wie mein älterer Bruder Gabriel fürs Judo.» Auch Gabriel machte Judo-Leistungssport, musste aber wegen Hüftproblemen aufhören. Ein weiterer Bruder, Luca (Physiotherapeut), ist aktiver Kunstturner, derweil Schwester Nora (Primarlehrerin) musikalische Begabungen besitzt. 

 

Von Daniel Kistler gefördert

Als siebenjähriger Knirps besuchte der 1991 geborene Ciril Grossklaus den Anfängerkurs beim JJJC Brugg. Genau zu dieser Zeit etablierte sich der Verein in der National Liga A (NLA). «Als ich unseren Mitgliedern der Kampfmannschaft zuschaute, wusste ich: das will ich auch», so Grossklaus. «Vom damaligen Mannschaftscoach Daniel Kistler, selber ein Olympionike von 1992, wurde ich zusammen mit einer Gruppe im Alter zwischen 13 und 16 Jahren in idealer Weise gefördert. Er schrieb uns Trainingspläne, schickte uns für Turniere sowie für Trainingsaufenthalte ins Ausland und nutzte dabei seine grosse Erfahrung und die Kontakte auf Wettkampfebene.» 

Heute ist Grossklaus selbst eines der Aushängeschilder des JJJC Brugg, mit dem er als Stammkämpfer seit Jahren die Schweizer Mannschaftsmeisterschaft dominiert. 

 

Roger Federer als grosses Vorbild

Zurzeit ordnet er alles dem geliebten Sport unter. Dies nach Abschluss der Kaufmännischen Lehre für Spitzensportler beim Kanton Aargau (BKS). Seit 2013 muss Grossklaus für die Reisen zu den internationalen Turnieren und Lagern schrittweise immer weniger aus dem eigenen Sack bezahlen. Heute übernimmt der Schweizerische Judoverband inzwischen sämtliche Kosten für Flüge, Hotels und die Startgelder – eine wesentliche Erleichterung. So bleibt vom Förderbeitrag der Schweizer Sporthilfe mehr für das alltägliche Leben übrig, wo er – auch dank vielen Gönnerbeiträgen – inzwischen auf eigenen Beinen stehen kann.

Als Ausnahmetalent erhielt er zudem während drei Jahren einen Nachwuchsförderbeitag von der Roger-Federer-Foundation. Der Tennis-Star ist sein grosses Vorbild: «Es ist einfach beeindruckend wie bescheiden er trotz seiner unglaublichen Erfolge geblieben ist.» Ein persönliches Treffen und Gespräch mit Roger Federer ist ihm bisher noch verwehrt geblieben, dessen Vater hat Ciril Grossklaus jedoch schon getroffen. 

 

«Judoka aus Leidenschaft»

Von Ciril Grossklaus wird auch nach Rio de Janeiro weiter zu hören sein. Sollte es bei der ersten Olympiateilnahme nicht auf Anhieb mit dem erklärten Ziel «Medaille» klappen, so hätte er aufgrund seines Alters 2020 in Tokio bestimmt eine weitere Chance. Dies wäre dann umso schöner, da diese Spiele im Mutterland des Judosports – in Japan – stattfinden. 

Seinen Slogan «Judoka aus Leidenschaft» erklärt Ciril Grossklaus wie folgt: «Zwar betreibt wohl jeder Leistungssportler seine Sportart aus Leidenschaft, macht man finanziell unter dem Strich aber ein so grosses Minus wie im Judo, gehört schon eine extra Portion Liebe zur Sportart dazu. Als erklärter Kino-Liebhaber habe ich meinen Slogan ganz einfach vom Titel meines Lieblingsfilms abgeleitet, welcher vom Mut handelt, das fast Unmögliche zu wagen.»

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