City Patrouille zeigt Wirkung

Seit einem Jahr ziehen Brugg, Windisch und weitere Partner beim Projekt, City Patrouille» an einem Strick: Nun haben sie eine erste Bilanz gezogen.

Ist – gerade in den Abend- und Nachtstunden – bei Passanten nicht sonderlich beliebt: Unterführung «Muusloch». (Bild: Archiv)

15. September 2021
22:51

Das Aushängeschild von Brugg-Windisch: Das ist die Bahnhofsunterführung definitiv nicht. Im Volksmund als «Muusloch» bekannt, spricht ihr Name Bände. Düster und eng empfängt der Durchgang unter den Geleisen tagtäglich Tausende von Passantinnen und Passanten. Der ungemütliche Tunnel im Untergrund ist, insbesondere in den Nachtstunden, nicht selten bekannt für Streitereien, Pöbeleien und Deals. Littering, Verunreinigungen und zerstörte WC-Anlagen waren noch vor eineinhalb Jahren Alltag. Ende 2019 hatte die Stadt Brugg genug. In einem ersten Schritt beauftragte sie die Regionalpolizei (Repol) mit der Durchführung zusätzlicher Kontrollen. «Die Situation war für die Bevölkerung und das Reinigungspersonal nicht mehr tragbar», erklärte Frau Stadtammann Barbara Horlacher anlässlich der Pressekonferenz vom vergangenen Freitag.

 

Spannen im Projekt «City Patrouille» zusammen: Heidi Ammon, Gemeinde Windisch; Andreas Lüscher, Regionalpolizei Brugg; Thomas Zweifel, PDAG; Samuele Gumina, Alpha Security; Barbara Horlacher, Stadt Brugg; Dominik Thérmeg, FHNW. (Bild: aru)

 

Zusammenarbeit spart Ressourcen

Die Kontrollen der Repol zeigten kurzfristig Wirkung, längerfristig aber waren andere Lösungen gefordert. «Das alles brauchte zuviele Ressourcen von Seiten der Repol», so Horlacher. Diese sei schliesslich noch für viele andere Aufgaben zuständig. Die Lösung lautete: Kontrollen durch einen privaten Sicherheitsdienst. Die Stadt nahm Kontakt auf mit den Eigentümern von Neumarkt 1 und 2, welche bereits mit Alpha Security Sicherheitsdienste AG zusammenarbeiteten.  «Uns war wichtig, das Thema gemeinsam anzugehen», betonte Barbara Horlacher. Im März 2020 aufgegleist, startete das Projekt «City Patrouille» Anfang November letzten Jahres.

Auf der Brugger Seite verbesserte sich die Situation. Das Problem verschwand jedoch nicht aus der Welt, sondern verlagerte sich zunehmend auf die Windischer Seite, wo schnell auch die Areale der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) betroffen waren. «Im Austausch mit den SBB fanden wir keine befriedigende Lösung», sagte Heidi Ammon, Gemeindepräsidentin von Windisch. Wiederum erhöhten sich die Einsätze der Repol massiv. Also tat man sich unter dem Motto «Gemeinsam sind wir stark» mit der Stadt Brugg sowie mit der PDAG und der FHNW zusammen. «Ganz bereinigen können wir das Problem nicht», weiss Heidi Ammon, «da müssen wir realistisch sein». Aber die Situation habe sich mittlerweile massiv verbessert.

Repol-Chef Andy Lüscher zeigte auf, dass das Thema Sicherheit vielseitiger ist, als man denken würde. «Ein Problem ist nicht einfach an einen Ort gebunden», unterstrich er, «es verlagert sich». Führe die Repol intensive Kontrollen durch, entstünden die Hotspots einfach an einem anderen Ort. «Es ist deshalb wichtig, die Menschen mit problematischem Verhalten nicht einfach wegzuweisen, sondern proaktiv zu handeln», so Lüscher. Mit den Sicherheitskräften von Alpha Security habe die Repol einen kompetenten Partner gefunden, die Zusammenarbeit funktioniere «hervorragend». Dies unterstrich auch Samuele Gumina, stellvertretender Geschäftsführer von Alpha Security (siehe Interview unten). Ebenfalls fanden Dominik Théreg von der FHNW und Thomas Zweifel von Seiten der PDAG anlässlich der Pressekonferenz nur lobende Worte für das Projekt «City Patrouille». «Unsere Mitarbeitenden müssen oft in den Nachtstunden zum Bahnhof oder vom Bahnhof aufs Klinikareal», so Zweifel. «Ihre Sicherheit ist uns ein grosses Anliegen.»


Überregionales Projekt geplant

Dass das Sicherheitsempfinden von Mensch zu Mensch verschieden ist und oft mehr mit subjektiver Erfahrung als mit objektiver Bedrohung zu tun hat, zeigten die Fachpersonen in ihren Voten auf. So kämen wirklich schlimme Vorfälle äusserst selten vor, betonten sie. Gemeinsam mit allen Beteiligten des Projekts zogen sie denn nach einem Jahr auch eine positive Bilanz: Von November 2020 bis August 2021 kam es zu Einsätzen bei rund 700 Vorfällen. Darunter fielen etwa 62 Wegweisungen und 32 Diebstähle. Das Projekt, an dem sich die Partner nach einem speziell ausgearbeiteten Kostenschlüssel finanziell beteiligen, wird vorerst weitergeführt. «Es ist eine gute Sache», waren sich alle einig.

Auf übergeordneter Ebene setzt man sich zudem am Runden Tisch gemeinsam mit den Sozialdiensten mit der Problematik auseinander, ebenfalls streben die am Projekt «City Patrouille» Beteiligten eine überregionale Zusammenarbeit mit weiteren Partnern an. Gespräche diesbezüglich laufen bereits.

War dieser Artikel lesenswert?

Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Kult-Pärchen geht auf Pilgerreise

Vor fünf Monaten musste Levi Bo seine Pilgerreise in der Türkei abbrechen. Nun… Weiterlesen

Farbtupfer im Prophetenstädtli

Chefin einer Malerfirma, Künstlerin, Sängerin, zweifache Mutter und Grossmutter.… Weiterlesen

region

Wohnen, wo einst die Postkutsche hielt

Hinter der markanten Fassade des unter Ortsbildschutz stehenden… Weiterlesen

region

«Ich passe in dieses Multikulti-Dorf»

Als Schweizer mit Wurzeln in Italien und Ungarn will Mohaya Devay (25) im… Weiterlesen

region

Aktiv durch die Schulferien

Ballsport, Klettern oder doch lieber Leichtathletik? Die Kindersportwochen… Weiterlesen