«Das Amt ist eine Lebensschule»

Als Vereinsmensch kennt er die Rüfenacher Bevölkerung. Und diese kennt ihn: Nach zwölf Jahren im Gemeinderat hört Karl Läuchli auf.

Karl Läuchli wirkte insgesamt zwölf Jahre im Gemeinderat Rüfenach (Bild: SHA)

05. Januar 2022
13:22

Nach vier Jahren als Vizeammann und acht Jahren als Ammann hat Karl Läuchli Ende Jahr sein Engagement für die Gemeinde Rüfenach beendet. Im Gespräch am Sitzungstisch im Gemeindehaus blickt er auf diese Zeit zurück. «Da ich ein Vereinsmensch bin, kannten mich wohl die allermeisten Einwohner schon vor meiner Wahl. Ich genoss ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung, wofür ich sehr dankbar bin. So fand ich immer jemanden, wenn es um Unterstützung bei verschiedensten Projekten oder Themen ging», erzählt der 58-Jährige. Er windet den Rüfenacherinnen und Rüfenachern ein Kränzchen: «Sie sind ein hilfsbereites Völkchen.» Als Beispiele nennt er Freiwillige, die sich für den Mittagstisch oder die Randstundenbetreuung der Schule zur Verfügung stellen.


«Man kann das nicht lernen»
Rückblickend betont Läuchli voller Überzeugung: «Ich würde es wieder machen. Das Amt im Gemeinderat ist eine Lebenschule. Das kann man nicht lernen, sondern das Amt lehrt einen.» Man wachse im Laufe der Jahre in die Aufgaben hinein. Als Eigentümer eines KMU, der Läuchli Metallbauplanung AG, ist er es gewohnt, Führungsaufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Und seine Erfahrungen aus dem Berufsleben konnte der Ammann auch bei der Gemeinde anwenden. Vor allem die letzten vier Jahre seien aufgrund der vielen Projekte intensiv gewesen. Er erwähnt die Digitalisierung der Verwaltung, die Personalrekrutierungen sowie die Revision der Bau- und Nutzungsordnung, bei der die Stellungnahmen zum Mitwirkungsverfahren noch in Bearbeitung sind.


Im Dorf aufgewachsen
Rüfenach sei ein friedliches Dorf. Natürlich, so räumt der scheidende Ammann ein, habe es auch hier während seiner Amtszeit einige wenige unangenehme Vorfälle gegeben. Er nennt häusliche Gewalt, einen Diebstahl oder auch einen Disput mit einem Sozialhilfeempfänger. Aber im grossen Ganzen gehe es im Dorf harmonisch zu und her.

Hier wuchs Karl Läuchli als Sohn eines Maurers und Freizeitlandwirts in einer grossen Familie mit sechs Kindern auf. Und hier lebte er, abgesehen von einem zwanzigjährigen Abstecher in den Nachbar- und Heimatort Remigen, auch immer. In Rüfenach engagierte er sich auch in der Jugendriege und übernahm bald Leitungsfunktionen im Turnverein und später in der Männerriege. Karl Läuchli bezeichnet sich selbst nicht als Politiker. «Das Gemeinderatsmandat ist für mich ganz klar keine politische Tätigkeit, sondern ein Dienst an der Allgemeinheit», unterstreicht er.


Schliessung der Oberstufe
Im Rahmen seines Engagements in der Exekutive beschäftigte ihn unter anderem die Schliessung der Oberstufe Rüfenach vor zehn Jahren sehr. «Die Oberstufe war wichtig für die Gemeinde und legte die Basis für viele Vereinsmitgliedschaften und Freundschaften in den Nachbarorten.» Bis 2011 war Rüfenach Sekundar- und Realschulstandort. Doch der Kanton verordnete dessen Schliessung. Und nun werden im modernen Schulhaus mit Platz für 240 Kindern nur noch rund 60 Schüler unterrichtet. Der Plan, aus den Nachbargemeinden Kinder der fünften und sechsten Klassen zu übernehmen, scheiterte. Primär aufgrund der Schulwege, «aber auch weil jede Gemeinde als Standortvorteil die Primarschüler im eigenen Dorf haben möchte», wie Läuchli erklärt. Aktuell vermietet Rüfenach die leer stehenden Räume im Schulhaus an die Spitex sowie die aargauische Sprachheilschule. Die Gemeindeversammlung hat letzten Sommer einen Kredit von 895'000 Franken bewilligt, damit der Kindergarten neu im Schulhaus integriert werden kann. Dadurch können der freistehende Pavillon und der Kindergarten zurückgebaut werden.


Masterplanung auf dem Areal der Kinderstation
Weiteres grosses Entwicklungspotenzial existiert auf dem Areal der Kinderstation, die aktuell als Kita des PSI genutzt wird. Das denkmalgeschützte Gebäude, das im 19. Jahrhundert als Armenhaus des Kirchenkreises Rein erbaut wurde und später als Wohnheim diente, wurde noch im Jahr 2000 zum Schul-, Therapie- und Verwaltungsgebäude umgebaut. Die Kinderstation diente als Psychiatrische Klinik für Kinder. Doch mit der Zentralisierung in Königsfelden wurde der Standort Rüfenach aufgehoben. Daraufhin prüfte das Departement Gesundheit und Soziales, ob sich die Räume als Unterkunft für unbegleitete minderjährige Asylsuchende eignen würden, nahm aber von der Idee wieder Abstand, worüber Karl Läuchli damals sehr froh war. Heute ist eine Masterplanung im Gang, in deren Verlauf das Areal der Kinderstation von der öffentlichen Zone in eine Wohnzone umgeteilt werden soll.


Umfrage zu möglicher Zusammenarbeit oder Fusion
Auch auf das 870-Seelen-Dorf Rüfenach mit einem aktuellen Steuerfuss von 118 Prozent kommen in Zukunft vermehrt Herausforderungen zu. Wie bei allen kleineren Gemeinden steige der Druck zu fusionieren, so Karl Läuchli. Die Gemeinde führte deshalb im Herbst 2021 eine Umfrage durch. Die Resultate überraschten Läuchli nicht. Ein Grossteil der Bevölkerung könnte sich eine vertiefte Zusammenarbeit oder eine Fusion vorstellen. Je nach Ortsteil (Rüfenach, Vorderrein, Hinterrein) sind aber die Präferenzen unterschiedlich. Während die einen Remigen bevorzugen würden, wäre es bei anderen die Stadt Brugg. Das weitere Vorgehen liege nun bei der neuen Exekutive.


Mehr Zeit für den eigenen Wald
Seine Verabschiedung an der letzten Wintergmeind gefiel Karl Läuchli sehr. Rund achtzig Stimmberechtigte waren erschienen. Er hofft, dass die Tradition der Apéros nach den Versammlungen beibehalten wird. «Da ergeben sich Gelegenheiten für gute und manchmal auch klärende Gespräche», ist er überzeugt.

Die Gemeinde schenkte ihm zum Abschied einen Spaltstock. Diesen kann er gut gebrauchen: Das Holzen im eigenen Waldstück am Bützberg bezeichnet er nebst dem Motorrad- und Skifahren sowie dem Männerturnen als sein liebstes Hobby, für das er sich nun nebst den Kindern und Enkeln wieder mehr Zeit erhofft. Wenn er einen Lieblingsort benennen müsste, so wäre dies ganz klar der eigene Wald. Hier komme er zur Ruhe, und – so fügt Karl Läuchli schmunzelnd an – «der Wald ist ein guter Partner, der sagt nicht viel und hört einem geduldig zu».

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