Das Erfolgsgeheimnis des Handball-Dorfs

Zurück im Alltag: Nach dem Cup-Exploit konzentriert sich der TV Endingen wieder auf sein Saisonziel – den Aufstieg in die NLA.

«Mann des Spiels» ist ein Einheimischer: Flügelspieler Sebastian Kündig wird durch Sportchef Marco Eggenschwiler geehrt
«Mann des Spiels» ist ein Einheimischer: Flügelspieler Sebastian Kündig wird durch Sportchef Marco Eggenschwiler geehrt (Bilder: is)

von
Ilona Scherer

08. Februar 2017
21:00

Spitzen-Handball hat im 2'000-Seelen-Dorf Tradition. Das ganze Surbtal steht hinter dem Verein. «Hopp Än-di-ge!» Unermüdlich feuern die drei jungen Trommler auf der Tribüne ihre Mannschaft an. Trotz Sportferien sind 375 Fans in die GoEasy Arena in Siggenthal gekommen, um ihre Cup-Helden auch in der Meisterschaft der Nationalliga B zu unterstützen. Leader TV Endingen empfängt den Tabellenletzten HC ­Wädenswil – auf dem Papier eine klare Sache. Aber die erste Halbzeit ist «chnorzig». Am Ende setzt sich der Favorit doch noch deutlich mit 39:31 durch.

Sportchef Marco Eggenschwiler verwundern die Anlaufschwierigkeiten nicht: «Es ist schwierig, nach so einem Exploit den Schalter wieder umzulegen», weiss der ehemalige Nationalspieler. Seinen Cup-Helden steckt der Exploit vom 4./5. Februar noch in den Knochen. Als erster NLB-Klub hatten sich die Endinger für den Final-Four-Final qualifiziert. Trotz der 26:35-Niederlage gegen NLA-Spitzenklub Wacker Thun bleibt das Turnier in Olten ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte.

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26 Jahre in der Nationalliga

Doch der 1971 gegründete TV Endingen spielt nicht erst seit diesem Jahr im Konzert der «Grossen» mit. Seit 26 Jahren sind die Surbtaler in der Natio­nalliga vertreten; zehn Saisons gar in der NLA. Erstaunlich für ein 2'000-Seelen-Dorf! Endingen ist eine wahre Handball-Hochburg. «Ein Endinger Bub geht einfach zuerst ins Handball, das ist hier so», bestätigt Sportchef Eggenschwiler. Die Basis legte 1963 ein gewisser Heinz Schärer, der damals als Lehrer ins Dorf kam und im Turnunterricht das Handballspielen einführte. Dem Vater des späteren Nationalspielers Stefan Schärer gelang es, die Endinger für diese Sportart zu begeistern und immer wieder Talente herauszubringen.

Die aktuellen Nationalspieler Marvin Lier (Pfadi Winterthur) und Stefan Huwyler (Wacker Thun) haben das Handball-ABC ebenso bei Schärer gelernt wie der Grossteil des aktuellen Endinger Kaders. Bis heute baut der Verein auf eigenen Nachwuchs und Spieler aus der Region – gezwungenermassen, denn die Verantwortlichen müssen vernünftig wirtschaften. Diese Saison hat die Handball-AG ein Budget von rund 400'000 Franken. «Neben unserem Hauptsponsor Grand Casino Baden sowie einigen regionalen Unterstützern leben wir aber auch stark von den kleinen Sponsoren – dem Metzger oder dem Schreiner im Dorf», erklärt Eggenschwiler.

Grosse Unterstützung im Dorf

Teure Stars kann und will man sich auch bei einem allfälligen Aufstieg nicht leisten. Im aktuellen (Amateur-)Kader stehen mit dem Serben ­Nemanja Sudzum (34) und dem Slowenen Leonard Pejkovic (26) nur zwei Ausländer, die aber seit vielen Jahren in Endingen integriert sind. «Sie leiten auch Juniorentrainings und sind gute Vorbilder», so der Sportchef. Dank der vielen «Eigenen» geniesst der Verein grosse Unterstützung im Dorf. Die Leute können sich mit dem Team um Captain Christian Riechsteiner identifizieren. Durchschnittlich besuchen 500 Fans die Heimspiele. Bis Ende April folgen noch einige Spitzenpartien – «da können schnell mal 2'000 Zuschauer in die Halle strömen», freut sich Geschäftsführer Christian Villiger, ehemaliger Spieler der ersten NLA-Aufstiegsmannschaft 1996. 

Die Surbtaler befinden sich gerade einmal mehr auf Aufstiegskurs von der NLB in die NLA. Doch wo sieht sich der TV Endingen langfristig? Irgendwo dazwischen! «Wir sind zu gut für die NLB, aber nicht gut genug, um uns auf Dauer in der NLA zu etablieren», ist Sportchef Eggenschwiler bewusst. Um auch künftig für Talente attraktiv bleiben zu können, hat sich Endingen mit anderen Vereinen der Region zum HARZ (Handball Ausbildungs Regional Zentrum Aargau Ost) zusammengeschlossen. «So können wir leistungsorientierten Jugend­lichen zwei wöchentliche Zusatz­trainings anbieten, damit sie bei uns bleiben und nicht abwandern», hofft der Sportchef. Die Konkurrenz ist gross: Mit dem STV Baden und Siggenthal/Vom Stein Baden spielen zwei weitere Klubs aus der Region in der NLB. Doch Endingen soll auch in ­Zukunft die Handball-Hochburg im Ost-Aargau bleiben.

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