«Das ist keine politische Frage»

Der Brugger Stadtrat ist überzeugt: Es braucht das Regenbecken Altenburg. Trotz Nein des Stimmvolkes wird das Projekt deshalb erneut aufgelegt. 

Zwischen dem renaturierten Altarm der Aare (links) und dem Schlösschen Altenburg ist das unterirdisch angelegte Regenbecken Altenburg geplant. Lediglich die Zugangstüre in der Böschung wird sichtbar sein. (Visualisierung: zVg)

von
Stefan Haller

10. September 2019
18:20

Aller guten Dinge sind zwei: Zum Schutz der Aare sei der Bau des Regenbeckens Altenburg unerlässlich, ist der Stadtrat Brugg sicher. Deshalb wird der Einwohnerrat an seiner Sitzung vom 18. Oktober 2019 nochmals über den Kreditantrag in Höhe von 2,556 Mio. Franken für den Bau des letzten notwendigen Brugger Regenbeckens abstimmen. Er hatte den Kredit bereits 2017 mit 31 Ja- gegen 8 Nein-Stimmen deutlich bewilligt. In der Referendumsabstimmung vom 4. März 2018 lehnten die Brugger Stimmberechtigten den Kredit jedoch mit 2073 zu 1617 Stimmen überraschend deutlich ab.

 

Verfügung des Kantons droht 

Der zuständige Ressortvorsteher Reto Wettstein, Stefan Zinniker (Bereichsleiter Tiefbau und Verkehr) sowie Reto Caviezel vom Ingenieurbüro Porta AG legten der Presse am Montag die Gründe dar, weshalb der letzte weisse Fleck im Brugger Siedlungsentwässerungsnetz geschlossen werden muss. Die gesetzlichen Vorgaben des Kantons lassen keinen Spielraum zu. Sollte das Projekt nochmals abgelehnt werden, droht letztlich eine Verfügung des Kantons. Denn eine Vorbehandlung des Regenwassers der Strassen und Plätze ist auch für das Gebiet Brugg-West zwingend. Heute wird Schmutzwasser von den Strassen in diesem Gebiet nach heftigen Regenfällen im Verlauf sogenannter «Schmutzstösse» ungeklärt in die Aare geleitet. Der Strassendreck inklusive Salz, Gummiabrieb und restliche Rückstände gelangen so ungeklärt in den Fluss. Dies geschehe etwa 60 bis 100 Mal pro Jahr, erklärte Wettstein. Dies wäre auch bei einem Havariefall mit Öl oder Chemiestoffen so. Mit dem Regenbecken würde dieses Schmutzwasser aufgefangen und schliesslich in die Kläranlage zur Neutralisation geleitet. 

 

«Es gibt keine Alternative»

Man habe Alternativen eingehend geprüft, versicherte Reto Wettstein. Die «Versickerung» habe sich nach sorgfältiger Prüfung als nicht realisierbar erweisen. Die zentrale Versickerung auf einer nahe gelegenen grossen Grünfläche sei nicht machbar, weil die einzige dafür geeignete Fläche – der «Unterhag» – als Landschaftsschutzzone dafür nicht verwendet werden darf. Eine dezentrale Versickerung seitlich der Strassenzüge und Plätze sei über weite Teile des Strassennetzes ebenfalls nicht realisierbar. In beiden Fällen lägen die Kosten zudem markant höher als beim Regenbecken.

 

«Optimaler Standort»

Auch der gewählte Standort des projektierten Regenbeckens Altenburg wurde nochmals überprüft. Es sei wichtig, dass ein Regenbecken optimal ins bestehende Kanalisationsnetz eingepasst sei, erklärte Reto Caviezel. Der einzige gefundene alternative Standort läge unterhalb des Pfeilers der «Gwaggelibrugg» und damit ausserhalb der Bauzone, weshalb er nicht infrage komme.

Zusammenfassend hielten die Verantwortlichen fest: «Das bestehende Bauprojekt hat schon bei der Erstvorlage des Kreditantrags 2017 bestmöglich auf den Landschafts- und Ortsbildschutz Rücksicht genommen. Nachdem mittlerweile alternative Lösungsvarianten vertieft evaluiert und sich als nicht oder nur mit deutlich höheren Kosten als machbar erwiesen haben, wird das Projekt unverändert und mit identischem Budget nochmals dem Einwohnerrat vorgelegt.»

 

Kommunikation wird verbessert

Dazu gelernt hat der Stadtrat aber offensichtlich beim Thema Öffentlichkeitsarbeit. «Aufgrund des Ressortwechsel im Stadtrat wurde vor der Referendumsabstimmung nicht optimal kommuniziert und es existierten damals unterschiedliche Wissensstände in der Bevölkerung», räumt Reto Wettstein ein. Das soll sich nun ändern. Auch mit dem Referendumskomitee rund um Martin Brügger, Angelika Curti und Paul Wiedmer habe man den Kontakt gesucht und dieses über die neuerliche Auflage des Projekts informiert. Dies sei sehr geschätzt worden. Man bleibe jedoch kritisch eingestellt.

Die Bevölkerung wird umfassend über das Regenbecken Altenburg auf der Website www.stadt-brugg.ch informiert. Zudem lädt der Stadtrat zu einem informativen Rundgang im Ortsteil Altenburg und am geplanten Standort des Regenbeckens ein. Nebst Stadträten und der Abteilung Planung und Bau beantworten auch Experten für Gewässerschutz, Umweltschutz und Archäologie die Fragen der Teilnehmer. Letztlich steht für Reto Wettstein fest: «Beim Regenbecken Altenburg geht es nicht um eine politische Frage. Wer gegen das Regenbecken ist, ist gegen den Gewässerschutz. Und das können wir uns nicht leisten.»

 

Informationen vor Ort
Mittwoch, 25. September, 18 Uhr
Treffpunkt Altes Trafohaus, Altenburg

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