«Das Schönste ist der Moment davor»

«Musik um 6» vereint einheimische Institutionen, um gemeinsam Kunst zu schaffen. Dieses Mal trifft Ballett auf Livemusik in der Brugger Stadtkirche.

Die Stadtkirche wird zur Bühne für die Tänzerinnen der Ballettschule Weissbarth
Die Stadtkirche wird zur Bühne für die Tänzerinnen der Ballettschule Weissbarth (Bilder: zVg | Andrew Badenhorst)

von
Annabarbara Gysel

11. Juni 2019
14:40

Der Blick von Sara Fisler-Weissbarth ist konzentriert auf ihre Schülerinnen gerichtet. Mit Argusaugen verfolgt sie jede Bewegung, jeden gestreckten Finger, jeden angewinkelten Fuss. «Gerade! Höher! Achtet auf eure Nebentänzerin!», mahnt sie die Ballerinen. «Im Ballett ist nie etwas gut», sagt Fisler-Weissbarth mit gestrenger Mine, während ihre Mundwinkel verräterisch zucken. «Auch bei den Profis nicht. Man kann es immer noch besser machen.» Als ehemalige Profitänzerin weiss sie genau, wovon sie spricht. Perfektion ist im Ballett ein Muss. Jedes Detail, so klein es auch n sein mag, muss stimmen, damit die Tänzerinnen eine Einheit bilden. Nur so können sie die gewünschte Wirkung erzielen. Und das ist gerade jetzt zentrales Element während des Unterrichts. Denn die älteren Schülerinnen der Tanzschule Weissbarth und ihre Lehrerinnen stecken mitten in den abschliessenden Proben für ihre nächste Aufführung.

 

Livemusik braucht Erfahrung

Gemeinsam mit den Musikern von Argovia Rhythm & Brass und dem Organisten Gaudenz Tscharner präsentieren sie in der Brugger Stadtkirche das Projekt «Wasserspiele». Dieses wurde im Rahmen von «Musik um 6» ins Leben gerufen und vereint Livemusik mit Ballett. «Für uns ist das eine grosse Herausforderung», erklärt Sara Fisler-Weissbarth. Normalerweise tanzen ihre Schülerinnen zu Musik ab Tonträger. Die Stücke sind bei jedem Abspielen identisch, Takte und Geschwindigkeiten sind wiederkehrend. Nicht so bei Livemusik. Je nach Stimmung der Musiker kann das Tempo variieren, und auch der Rhythmus wird nicht immer gleich gespielt. Daran muss man sich erst gewöhnen. «Das verlangt Spontaneität», so Fisler-Weissbarth. «Die Tänzerinnen müssen sich sofort anpassen können. Das braucht natürlich sehr viel Erfahrung.» Deswegen hat sich die Inhaberin der Tanzschule Weissbarth entschieden, nur mit den grossen Schülerinnen im Alter zwischen 14 und 30 Jahren beim Projekt mitzumachen. 

 

Die Ästhetik fasziniert

Nachdem die Choreografie für die «Wasserspiele» stand, starteten die Lehrerinnen im vergangenen Oktober mit den Proben. Dreiviertel Jahre Vorlaufzeit also, um die Mädchen und jungen Frauen auf ihren Auftritt vorzubereiten. Wöchentliche Trainings und Extraproben, bis die Schritte sitzen und keine Unsicherheiten mehr vorhanden sind. Harte Arbeit, welche die jungen Tänzerinnen aber keineswegs scheuen. «Sie kommen in den Unterricht, weil sie etwas suchen, was sie sonst im Alltag nicht bekommen», betont Fisler-Weissbarth. «Es ist die Ästhetik beim Ballett, die fasziniert, und die Schönheit. Aber auch die Perfektion, die dahintersteckt.» Ausserdem erhalten die Schülerinnen die Möglichkeit, in verschiedenste Rollen zu schlüpfen und bei jeder Vorführung eine andere Gestalt anzunehmen. Bei den «Wasserspielen» stellen sie das Fliessen des Wassers dar, wehen als Schilfhalme im Wind oder erblühen als zarte Seerosen und entführen so das Publikum in die sanfte Welt einer Flusslandschaft.

 

Gegen 1000 Kostüme

Nebst dem tänzerischen Element steht noch viel weiteres Organisatorisches auf Sara Fisler-Weissbarths Agenda. Die 46-Jährige hat die Kostüme für die «Wasserspiele» grösstenteils selber gemacht. Sie seien so einfach wie möglich gehalten, betont sie. Aber über 50 Trikots auftrittsreif aufzubereiten, verlangte trotzdem viel Zeit und Geduld. Auch die Schülerinnen halfen mit, verzierten die Kleider und nähten Knöpfe oder Häkchen an. Die Kostüme bleiben nach der Vorführung im Fundus der Schule. «Mein Keller ist voll!», sagt Fisler-Weissbarth lachend. «Dort hängen mittlerweile so gegen 1000 Kostüme.» 

Während die Ballettlehrerin über die Vorbereitungsarbeiten spricht, erhellt ein intensives Leuchten ihre blauen Augen. Obwohl sie in ihrem Leben schon viele – vor allem auch grös­sere – Projekte miterlebt und mitgestaltet hat, sprüht sie vor Energie. «Für mich könnte immer Vorstellung sein», gesteht sie. «Man hat ein Ziel und sieht das Resultat. Der Druck ist zwar gross, und alle stehen unter Strom, aber ich brauchte das. Es ist mein Leben.» Diesen Funken überträgt sie auch auf ihre Schülerinnen, die ihr in ihren Perfektionsansprüchen in nichts nachstehen. Ihre Anstrengungen, gepaart mit Vorfreude und erster Nervosität, zaubert Sara Fisler-Weissbarth ein Lächeln ins Gesicht. «Das Schönste beim Auftritt ist der Moment davor.»

«Wasserspiele»
Samstag, 15. Juni, 18 Uhr
Stadtkirche, Brugg
Vorverkauf: www.refbrugg.ch 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Die Aare verbindet

Luca Hänni ist einer der Hauptacts am Brugger Stadtfest. Er möchte das... Weiterlesen

«Goldener Fisch» für Restaurant Heimat Ehrendingen

Seit einem Jahr führen sie das Wirtshaus zur Heimat. Jetzt wurden Tim Munz und... Weiterlesen

blog

Natürlich gärtnern mit Terra Preta – Praxiswissen für Garten, Hochbeet und Balkon

Im eigenen Garten ganz konkret mit einer uralten Methode aus dem Amazonas etwas... Weiterlesen

specials

Auftakt zum kunterbunten Spektakel

Das Brugger Stadtfest hat begonnen. Punkt 18 Uhr regnete es bunte Konfetti vom... Weiterlesen

specials

Cooler Mix aus Grapefruit und Gin

In Finnland ist er ebenso populär wie Bier oder Cider. Nun erobert der «Lonkero»... Weiterlesen