«De Pfarrer het bestimmt»

Man könnte es göttliche Fügung nennen, dass Koni Burger aus Villigen Lehrer geworden ist, denn seine Idee war es nicht. Den Beruf würde er wieder wählen. 

Diesen Stuhl erhielt Koni Burger als Abschiedsgeschenk von den Schülern (Bild: cl)

08. Juli 2020
09:00

Die Sommerferien stehen kurz bevor. Und mit dem Ende des Schuljahres geht Koni Burger in Pension. Seit 1980 unterrichtet er an der Primarschule Villigen. «Es war eine hervorragende Zeit», sagt Koni Burger rückblickend. Seine Begeisterung für die Schule steht ihm ins Gesicht geschrieben. «Ja, ich hatte nie Motivationsschwierigkeiten», bestätigt er. Dabei hat er diesen Beruf nie gewählt. «De Pfarrer het bestimmt», erzählt er lachend. Koni Burger ist in dem kleinen Dorf Pfäfers (Nähe Bad Ragaz) aufgewachsen. Koni, der Oberstufenschüler, hatte weder viel von der Welt gesehen noch wusste er, wohin er wollte. Ein guter Schüler, ein paar Flausen im Kopf, sehr sportlich. Der Vater sang im Kirchenchor. Man besuchte den sonntäglichen Gottesdienst. Eines Tages nahm der Pfarrer Burger senior auf die Seite und meinte, dass der Lehrerberuf das Richtige für Koni sei. «Der kann das», sagte der Dorfpfarrer überzeugt. Die Worte des Pfarrers hatten Gewicht, und man schickte Koni nach Zug ins Lehrerseminar und Pensionat St. Michael, weit weg von zu Hause, von seinen Freunden und Sportkameraden. Für die Eltern kam nur ein katholisches Seminar infrage. «Ich hatte anfangs furchtbares Heimweh», erzählt Koni Burger rückblickend. Doch das legte sich. Er habe eine gute Ausbildung genossen. «Wir hatten einen tollen Chef», schwärmt  Koni Burger. Der Theologe und Psychologe sei offen und liberal gewesen. «Er wusste, wie man mit Jungs umgeht. Und er hat mich als Mensch tief beeindruckt.» 

 

Von der Ostschweiz in den Aargau

In Romanshorn trat er seine erste Stelle als Primarlehrer an. Nach fünf Jahren zog es ihn in den Aargau, der Liebe wegen. Als er sich für die Stelle in Villigen bewarb, besuchte ihn die Schulpflege zweimal in Romanshorn und prüfte Koni Burger auf Herz und Nieren. Er wurde gewählt und blieb. Waren es 1980 noch 50 Schülerinnen und Schüler, so sind es heute rund 170. Seit 17 Jahren ist er Klassenlehrer und Schulleiter. «In erster Linie bin ich aber Lehrer», betont Koni Burger mit erhobenem Zeigefinger. Mit einer Kollegin teilt er sich eine dritte/ vierte Klasse. Er sei stolz, den Kindern etwas mit auf ihren Weg zu geben, in welcher Form auch immer. Gegenüber den 1980er-Jahren würden die Kinder heute über ein breiteres Wissen verfügen, dafür hätten sie aber mehr Schwierigkeiten, vertieft an einer Aufgabe zu bleiben, und man  müsse sie häufiger auf Anstandsregeln hinweisen.  

Nachteil für Buben 

Dass ab nächstem Schuljahr bereits Fünftklässler Französisch haben, bereitet dem Lehrer Stirnrunzeln. 30  Prozent der Villiger Schulkinder haben einen Migrationshintergund.  «Oft sind sie weder in der Muttersprache noch im Deutschen sattelfest,» erzählt Koni Burger. Ab der dritten Klasse komme Englisch dazu und nun ab der fünften Klasse Französisch. «Das sind einfach zu viele Sprachen», so Burger. Ein weiterer Punkt sei,  dass man das Fach «Technisches und Textiles Gestalten» zugunsten der Französisch-Lektion um eine Stunde reduziert habe. Gerade für die Buben, die eher technisch versiert sind, sei dies ein grosser Nachteil.

 

Ein gutes Team

Als Schulleiter ist ihm die Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen sehr wichtig. Ein gutes Team sei das A und O einer Schule. Er führe auch keine Mitarbeitergespräche, wenn er nicht mehrere Male einen Schulbesuch gemacht habe. «Ich möchte mir ein Bild davon machen, wie die Lehrperson unterrichtet, wie sie mit den Kindern ist, und welches Gesicht die Primarschüler machen, wenn sie aus dem Zimmer kommen.» Bei den Einstellungsgesprächen achte er darauf, was die Bewerber neben der Lehrerausbildung vorzuweisen haben, waren sie beispielsweise im Blauring, in der Meitliriege oder der Pfadi tätig. «Die wissen, wie man mit Kindern umgeht», ist  Burger überzeugt.  

 

«Burger King»

Die Abschiedsfeier für Koni Burger, ganz nach dem Motto «Burger King», ging bereits über die Bühne. Wie wird es nach der Pensionierung weitergehen? Langweilig wird es dem Lehrer nicht. Neben Tennis, Fussball und Jassen singt er seit zwei Jahren im Gemischten Chor Stilli. Zum Üben hat er sich gleich ein Keyboard gekauft. Er ist auch dafür offen, Stellvertretungen zu übernehmen. «Aber nur in einem Umkreis von meinem Wohnort Villigen, wo ich mit dem Velo hinkomme», ergänzt er lachend. Die erste Vertretung übernimmt er gleich nach den Sommerferien – und zwar in Villigen! «Ich finde es gut, dass es ein langsames Abgeben ist», so Burger. Den Lehrerberuf würde er wieder ausüben. Der Pfarrer schien damals ein gutes Gespür dafür gehabt zu haben, was Koni Burger kann und will. «Es war die richtige Entscheidung», erwidert Koni Burger schmunzelnd. 

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