Der Alltag wird neu geordnet

Schulen, Restaurants und ­Geschäfte sind wegen des Coronavirus geschlossen, die Menschen sollen Kontakt meiden: Bis Mitte April ist nichts mehr, wie es war.

Lernen zuhause: Die Schulen bleiben bis zum 19. April geschlossen (Bild: Archiv)

von
Ilona Scherer

18. März 2020
09:15

Die Bahnhöfe sind menschenleer, vielerorts schliessen die Gemeindeverwaltungen, alle gesellschaftlichen Anlässe sind abgesagt, und auf den Pausenplätzen ist es gespenstisch still. Spätestens seit der Bundesrat am Montag die «ausserordentliche Lage» beschlossen hat, fährt das öffentliche Leben in der Schweiz auf Sparflamme. Vorerst bis am 19. April. Um die Ansteckungskurve flach zu halten und die Spitäler vor einem Kollaps zu bewahren, wird Personen über 65 Jahren sowie jenen mit Vorerkrankungen empfohlen, zuhause zu bleiben und jeglichen Kontakt zu Mitmenschen zu meiden. Das gab es noch nie.

Nach dem ersten Schock formieren sich nun in vielen Regionen Gruppen und Gemeinschaften, die helfen wollen. Statt die neu gewonnene «Freizeit» zu geniessen, möchten viele ihre freien Kapazitäten zum Wohl der Gesellschaft einsetzen. In Turgi haben Jungwacht und Blauring beschlossen, das Dorf in dieser Zeit zu unterstützen. Mittels eines Flyers bieten die Jugendlichen und ihre Leitungsteams Unterstützung bei der Bewältigung von alltäglichen Erledigungen an: Sie erledigen für Personen, die zu einer Risikogruppe gehören, Einkäufe, entsorgen Abfall, gehen auf die Post. Unter info@jubla-turgi.ch oder 079 287 98 01 werden Aufträge entgegengenommen. Selbstverständlich werden die Hygienevorschriften des BAG ernst genommen, verspricht die Jubla: «Wir waschen regelmässig die Hände, halten Abstand und vermeiden direkten Kontakt. Gemeinsam schaffen wir das!», steht auf dem Flyer. Auch im Pastoralraum Brugg-Windisch wurde auf Initiative zahlreicher Jugendlicher eine Einkaufshilfe auf die Beine gestellt. Über die Hotline 056 462 56 54 können Anfragen angemeldet werden. 

 

«Grosse Bereicherung für alle»

Laut Weisung des Kantons dürfen die Schulen ein «freiwilliges Lernangebot» bereitstellen, aber keinen Fernunterricht oder Aufgaben erteilen. Für jüngere Kinder von berufstätigen Eltern aus dem Gesundheits- oder Lebensmittelbereich ist ein Betreuungsangebot Pflicht. 

Und was ist mit den Jugendlichen? «Wir animieren unsere Oberstufenschülerinnen und -schüler, die unterrichtsfreie Zeit zu nutzen und aktiv zu werden», erklärt Gesamtschulleiter Jürg Baur aus Lupfig in einem Schreiben an die Eltern: «Wir sind überzeugt, dass dies für alle Beteiligten eine grosse Bereicherung ist.» 

Die Solidarität wächst im ganzen Land. Die App «Five up» des Schweizerischen Roten Kreuzes koordiniert die Freiwilligenarbeit landesweit. Auf der Plattform www.hilf-jetzt.ch hatten sich Anfang Woche fast 500 Gruppen registriert, die helfen wollen. Auch Private schliessen sich spontan zusammen. Was vielleicht gut gemeint ist, kann aber auch für Verunsicherung sorgen. So wurde in Brugg ein Flugblatt von zwei Männern verteilt, die nur ihre Vornamen nennen, und die Hilfe in einer WhatsApp-Gruppe anbieten. 

Vorsicht ist tatsächlich angebracht in Ausnahmezeiten: Das BAG warnt vor gefälschten E-Mails: «Cyberkriminelle versuchen, die Verunsicherung der Bevölkerung aufgrund der Situation um Corona auszunutzen.» Unter www.melani.admin.ch/melani/de/home sind nähere Informationen zu diesem Thema zu finden. Das BAG empfiehlt, verdächtige Mails umgehend zu löschen. 

 

«Ausserordentliche Lage» – Alles zu Corona 

Der Bundesrat hat am Montag, den 16. März 2020, die «ausserordentliche Lage» und diverse einschneidende Massnahmen beschlossen, welche für das private und öffentliche Leben sowie die Wirtschaft massive Einschränkungen bedeuten. Die wichtigsten Verhaltensempfehlungen für die gesamte Bevölkerung lauten:

  • Zuhause bleiben

  • Ansammlungen mit mehr als fünf Personen im öffentlichen Raum sind verboten. Bei Versammlungen von unter fünf Personen ist gegenüber anderen Personen ein Abstand von mindestens zwei Metern einzuhalten. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Busse.

  • Händeschütteln vermeiden

  • Abstand halten

  • Gründliches Händewaschen

  • Husten und Niesen in Wegwerf-­Taschentüchter oder in die Armbeuge

  • Nur nach telefonischer Anmeldung in Arztpraxis oder Notfallstation gehen

Die Behörden appellieren dringend an alle Personen über 65 Jahre sowie Personen mit einer Vorerkrankung, Kontakte mit anderen Personen zu meiden. Bei Atembeschwerden, ­Husten oder Fieber werden diese gebeten, ­zuhause zu bleiben und sofort den Arzt oder ein Spital anzurufen. 

Gesunden Personen wird kein Tragen von Hygienemasken im öffentlichen Raum empfohlen. Auch enger Kontakt im öffentlichen Verkehr soll vermieden werden. Das öV-Angebot wird schrittweise reduziert, wie die SBB mitteilten. Die Grundversorgung sei gewährleistet, es werde jedoch zu Ausfällen, Verspätungen und Anschlussbrüchen kommen. Die SBB empfehlen Reisenden, vor jeder Fahrt den Online-Fahrplan zu konsultieren und Billette elektronisch zu kaufen.

Sämtliche Informationen und Mitteilungen betreffend Corona sind auf der Website www.ag.ch/coronavirus des Kantons Aargau zu finden. 

Fragen rund um das Coronavirus ­können auch per Mail gestellt werden: coronavirus@ag.ch.

Für medizinische Fragen ist die ärztliche Notrufnummer im Kanton Aargau unter 0900 401 501 (kostenpflichtig) zuständig. 

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat eine 24-Stunden-Hotline eingerichtet: 058 463 00 00.

Menschen über 65 Jahren sowie Menschen mit einer Vorerkrankung (Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, geschwächtes Immunsystem, Krebs) wird dringend geraten, zu Hause zu bleiben – dies zu ihrem eigenen Schutz. Verschiedene Vereine, Gruppierungen und Private bieten Unterstützung an, beispielsweise beim Einkaufen. Diese Angebote sind der Solidarität verpflichtet und dürfen ohne Scheu in Anspruch genommen werden:

  • Sammlung von Gruppierungen schweizweit: www.hilf-jetzt.ch 
  • Pastoralraum Region Brugg-Windisch: 056 462 56 54
  • Schenkenbergertal: Manuel Meier, 076 769 31 00, www.tickit.ch 
  • Brugg und Umgebung: Brugg hilft jetzt, David Hunziker, 076 576 82 54

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