Der beste Stand-up-Comedian 2018?

Mit 39 startet der Wettinger Fabian Würth durch. Er ist als Newcomer des Jahres für den SRF 3 Young Talents Comedy Award nominiert.

Stand-up-Comedian Fabian Würth bei einem Auftritt
Stand-up-Comedian Fabian Würth bei einem Auftritt (Bild: zVg)

von
Ursula Burgherr

30. August 2018
09:00

Auf der Website stand-up.ch bezeichnet Fabian Würth seine Frisur als «ausgefallen». Das trifft exakt auf den Glatzkopf zu. Der noch bestehende spärliche Haarkranz ist raspelkurz geschoren. Seine braunen Augen blicken die Journalistin ernst und prüfend an. Es ist so gar nichts Ulkiges oder Schräges an dem Komiker mit dem Pokerface, der in Ehrendingen aufwuchs. Er umschreibt seinen Humor als so trocken, dass man ihn ab und zu giessen müsse. Zum Gespräch hat er in sein Domizil in Wettingen eingeladen, das äusserst spartanisch eingerichtet ist. Die einzigen Farbtupfer im Wohnzimmer sind ein paar russische Werbeplakate, die er auf einer Reise ergattert hat. 

Würth ist eigentlich Tourismusfachmann HF und in einer Agentur angestellt, die Firmen- und Verbandsreisen für Grossgruppen organisiert. Stand-up-Comedy ist «nur» ein Hobby, dem aber seine ganze Leidenschaft gehört. «Ich habe 20 Jahre davon geträumt, mit einem eigenen Programm auf der Bühne zu stehen», erzählt der Vater von zwei kleinen Buben. Richtig reif für den Auftritt fühlt er sich aber erst seit einem Jahr. Ganz klein fing er letzten Herbst mit ein paar Stand-ups an der Hochzeit eines Kollegen an. Kurz darauf hatte er im ComedyHaus Zürich seinen ersten Auftritt vor gros­sem Publikum. Dann ging es Schlag auf Schlag. Bernhard-Theater Zürich, Casinotheater Winterthur, «schräger Mittwoch» im Burgbachkeller Zug, «lustiger Dienstag» in der Reithalle Bern, «Open stage by Peter Löhmann» im Badener Club Joy usw. Ein Satz, eine Pointe setzt sich Fabian Würth bei seinen Performances zum Ziel. Und er nutzt den Heimvorteil, den ihm der Aargau bietet. «Schon wenn ich sage, dass ich aus dem Rüeblikanton komme und mich dafür bedanke, dass ich meinen Traktor vor dem Theater parkieren durfte, fangen die Zürcher an zu lachen», sagt der 39-Jährige.

 

Lebenserfahrung ist wichtig

Von fünfminütigen Kurzauftritten hat sich Fabian Würth auf ein halbstündiges Soloprogramm gesteigert. Ohne Manuskript Hunderte von Leuten aus dem Stegreif und ohne Unterbruch zum Lachen zu bringen, ist jedes einzelne Mal eine ungeheure Herausforderung. Eine Pointe, die nicht ankommt, kann auch mal zum Rohrkrepierer werden. Oder es gibt ein Blackout vor versammeltem Publikum. «Dann stirbt man innerlich jeweils 1000 Tode. Doch es gibt nur eins: the show must go on.» Würth sagt, dass ihn gerade solche Situationen stärker und besser gemacht haben. Wo holt er die Ideen für seine Stand-ups her? «Von überall», erzählt der Comedian, «sei es auf dem Fussgängerstreifen, unter der Dusche, wenn ich übermüdete Eltern mit ihren Kindern sehe usw.» Seine Alltagsinspirationen notiert er sich satzweise auf kleine Zettel. Die Sammlung wird jeden Tag überarbeitet und ausgemistet. Mit der Zeit ergibt sich daraus eine kompakte Story. «Rhythmus, Timing und Satzstellung müssen stimmen. Es ist ähnlich wie Musik komponieren», beschreibt Würth seine Arbeit. Dass er kurz vor 40 seinen Durchbruch hat, sieht er als Vorteil. «Um als Stand-up-Comedian richtig aus dem Vollen schöpfen zu können, braucht es Lebenserfahrung», findet er. Der Mann hat eine Familie gegründet und eine schmerzhafte Trennung hinter sich. Über sein Privatleben gibt er sich zwar sehr bedeckt. Aber gerade aus dem Wechselbad von Freude und Leid hat er seinen ureigenen Humor entwickelt, der oft dort anfängt, wo der Spass aufhört.

 

Vielversprechendster New­comer

Aufgrund seiner diesjährigen Erfolge ist Fabian Würth für den SRF 3 Young Talents Comedy Award nominiert. Die Vorausscheidung findet am 11. September im ComedyHaus Zürich statt. Wenn er sich unter den acht Nominierten behaupten kann, hat er am 18. September an den Swiss Comedy Awards im Bernhard-Theater die Chance, als einer von drei Finalisten zum vielversprechendsten Newcomer des Jahres 2018 in der Schweiz gekürt zu werden. «Natürlich würde ich mich über einen Sieg enorm freuen», bekundet er. Aus seinem Kurzauftritt will er wie an jeder anderen Veranstaltung das Maximum herausholen. Hohe Erwartungen hegt er trotz seines immensen Talents keine. «Weitermachen will ich als Stand-up-Comedian sowieso. Mit oder ohne Award!» Sein Ziel ist eine abendfüllende Show. Von der eigenen Kunst einmal leben zu können, ist für Fabian Würth derweil noch gar kein Thema. «Das wäre eine totale Überhöhung meines Traums», gibt er sich bescheiden, «der Schweizer Markt ist enorm klein und die Konkurrenz gross.» 

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