Der Dorfmittelpunkt existiert nicht mehr

Grosse Solidarität nach dem Turnhallenbrand in Holderbank: Nachbargemeinden helfen den Vereinen, und auch die Effingerhort-Turnhalle steht ihnen offen. Die Brandursache ist noch nicht klar.

Nur noch die Grundmauern der Holderbanker Turnhalle stehen (Bild: ci)

von
Lorenz Caroli

09. Januar 2020
09:00

Am Samstag vor dem dritten Advent fand in der Turnhalle die Dorfweihnacht statt. Niemand hätte nur im Geringsten daran gedacht, dass dies in dieser Halle der letzte Anlass gewesen ist. Als am folgenden Dienstag in der Frühe die Polizei den Gemeindeammann Herbert Anderegg telefonisch weckte, wusste er sofort den Grund. Von seiner Wohnung sah er die Flammen, die das Turnhallendach zerstörten. Immer wieder fragte er sich: «Muss das sein?» Seine Gemütslage war niederschmetternd. Erst als er beim Schadenplatz ankam und sah, wie die Feuerwehr den Brand bekämpfte, kamen auch die Erinnerungen an die vielen Stunden, die er in der Turnhalle während des Schulturnens, im Turnverein, in der Männerriege und später als Gemeindeammann verbrachte. Die Flammen hatten bereits den südlichen Teil des Turnhallendaches erreicht und bedrohten das Dach der Gemeindekanzlei. Nur mit klugem Wassereinsatz konnte das Schlimmste verhindert werden. Das Mobiliar und die Bürogeräte in diesem Büroraum hatten Feuerwehrleute mit Plastikplanen abgedeckt. Zurück blieb ein Wasserschaden an der Aussenwand und beim Bodenbelag.

 

Erste Aktivitäten

Da die Schulräume unmittelbar bei der abgebrannten Turnhalle sind, wurden den Schulkinder mittels eines Kettentelefons angekündigt, dass die Weihnachtsferien sofort beginnen. Gleichzeitig musste für die betroffenen Schüler die Kinderbetreuung sichergestellt werden. Das Brandgebiet wurde mit Gittern abgesperrt. In Absprache mit der Aarg. Gebäudeversicherung (AGV) wurden Aufträge für die Balkensicherung und für ein Notdach bei der Kanzlei in Auftrag gegeben. Schliesslich ging es auch darum, dass nach dem Neujahr der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Da sich die Gasheizung im Keller der Turnhalle befindet, mit der auch die Gemeindekanzlei und das Schulhaus beheizt werden, musste versucht werden, diese wieder in Betrieb zu nehmen. Eine Heizungsfirma war in der Lage, die anstehenden Probleme kurzfristig zu lösen, und bereits am Donnerstag konnte die Gasheizung in Betrieb genommen werden. Da der Schul-Pavillon oberhalb der Turnhalle von dieser erschlossen wurde, musste eine Stromleitung neu installiert werden. Wasser gibt es vorläufig nicht. Die Schüler müssen die Toilettenanlagen im nahe liegenden Schulhaus benützen. Die Lehrkräfte zeigen sich sehr flexibel betreffend Turnunterricht. Bis zum Beginn des neuen Schuljahres werden die Turnstunden teils im Schulzimmer, teils draussen abgehalten.

 

Hilfsangebote

Die Turnhalle war das Zentrum im Dorf. Diese benützte man schon im Kinderturnen, in der Jugi und im Schulturnen. Die Turnbegeisterten trafen sich dort später in einem turnenden Verein. Zur Turnhalle gehörte auch das Vereinszimmer in dem die Musikgesellschaft und der Gemischte Chor ihre Probenabende wöchentlich abhielten. Zusätzlich zum Probebetrieb kamen auch die unzähligen Unterhaltungsabende und Gemeindeversammlungen dazu. Die Turnhalle war der Treffpunkt für alle Anlässe. So hatten die Holderbanker einen engen Bezug zur Turnhalle. Mit grossen Emotionen kann man nur noch an die vergangenen Erlebnisse in der zerstörten Turnhalle denken.

Aus den Nachbargemeinden kamen Angebote für Raumnutzungen. Gemeinderätin Sonja Gygli konnte so für alle Vereine eine Lösung für den Vereinsbetrieb präsentieren. Von der Holcim kam das Angebot, den angekündigten Neujahrsapéro in ihren Räumlichkeiten durchzuführen. An dem von der Musikgesellschaft organisierten Anlass dankte Gemeindeammann Anderegg für die vielen Raum- und Hilfsangebote, die für das zukünftige Vereinsleben notwendig sind.

 

Was passiert mit der Brandruine?

Die Situation ist nicht einfach. An der Gemeindeversammlung vom April 2019 wurde der Kredit über 1,5 Mio. Franken für die Ausarbeitung der Grundlagen für den Bau einer Einfachturnhalle mit vier Schulzimmern und Nebenräumen gesprochen. Es war geplant, dass eine Verbindung zur nun nicht mehr existierenden Turnhalle erstellt wird. Die bisherige Turnhalle sollte später vor allem als Versammlungshalle genutzt werden. Dieses Vorgehen kann nur realisiert werden, wenn die Turnhalle wieder aufgebaut wird. Sie könnte für den zukünftigen Zweck besser gestaltet werden. Eine andere Variante wäre, dass der geplante Neubau mit einer Bühne und weiteren Räumen erweitert wird. Die Zeit drängt nun für eine baldige Entscheidung. Die Arbeiten der Planer sind im Gang. Denn bereits  an der Sommergemeinde ein Kredit für den Neubau gesprochen werden, damit die Schulräume zeitgerecht zur Verfügung stehen.

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