«Der Duft weckt Erinnerungen»

Die ehemalige Bäckerin-Konditorin Judith Erdin hat viele Ideen. Eine davon hat sie verwirklicht und das Buch «Dein bestes Brot» geschrieben.

Judith Erdin daheim im verschneiten Freienwil, wo ihr Buch entstanden ist. (Bild: cl)

17. Februar 2021
18:18

Brotbacken ist in. Viele Menschen haben in der Corona-Zeit das Hobby für sich neu entdeckt und versuchen sich an Krustenbrot und Co. Dieser Trend spiegelt sich auch auf dem Blog von  Judith Erdin (32) wider. Seit Corona habe sich die Besucherzahl auf ihrem Back-Blog streusel.ch, den sie seit vier Jahren betreibe, verdoppelt,  erzählt sie.  Während dieser Zeit hat sie auch das Buch geschrieben, das vor einigen Wochen im AT Verlag erschienen ist.  Daran hat sie sichtlich Freude. Das Buch enthält rund vierzig detailliert beschriebene Rezepte,  Fotos und viel gesammeltes Wissen rund ums Backen zu Hause.


Zwei auf einen Streich
Judith Erdin hat bereits als Kind gerne gebacken. Sie ist in Gansingen mit vier Geschwistern aufgewachsen. Da sie sich als Teenager unschlüssig war, welchen Beruf sie lernen wollte, sagte sie sich: «Ich backe gern, also werde ich Bäckerin.» Nachdem sie in diesem Beruf geschnuppert hatte, bekam sie eine Lehrstelle als Bäckerin-Konditorin. Obwohl der Beruf anstrengend und schweisstreibend sei, habe die Backkunst sie immer begeistert. Aber nach einigen Jahren merkte sie, dass sie nicht für das Arbeiten in der Nacht gemacht war. Ihr Schlafrhythmus wollte sich einfach nicht an die Arbeitszeiten anpassen. «Ich war dauernd müde», erzählt sie. Nachdem sie für ein Jahr als Au-pair in Lausanne verbrachte, um sich über ihre berufliche Zukunft klar zu werden, entschied sie sich für eine Zweitausbildung als Polygrafin. In diesem Beruf konnte sie, wie auch als Bäckerin, ihre Kreativität ausleben.


Brot ist nicht gleich Brot
Backen blieb aber eine Leidenschaft. Denn was gebe es Besseres, als der Duft von frisch gebackenem Brot.  «Aber ich habe schnell gemerkt, dass es nicht das Gleiche ist, ob ich daheim oder in einer Bäckerei Brot backe», so Erdin. «Es spielt eine Rolle, ob ich zehn Kilo Brot backe oder bloss ein halbes», erklärt sie. Aber nicht nur die Teigmenge, auch die Arbeitsgeräte und der viel kleinere Backofen zu Hause wirkten sich auf das Endprodukt aus. Mit ihren Bemühungen war sie zu Beginn nicht richtig zufrieden, auch ihren Partner mochte das Resultat nicht ganz zu überzeugen, und er meinte, das Brot schmecke schon gut, aber man könne es auch in der Bäckerei kaufen. Für Judith Erdin ein Feedback, das sie als gelernte Fachfrau nicht so ganz einfach hinnehmen konnte. Sie sagte sich: «Ich möchte Brot backen, das genauso knusprig und luftig wird wie ein gekauftes aus der Bäckerei.» Darauf arbeitete sie so lange hin, bis sie das Ziel erreichte.
Vor einem Jahr entschied sich Judith Erdin, Backkunst und Grafik zu vereinen, machte sich selbständig und bietet nun kulinarische und grafische Dienstleistungen an. Es sei ein langer Prozess gewesen, bis sie den Mut hatte, den Schritt  zu wagen, so Erdin.


Weggli, Zopf und Co.
Als der AT Verlag Judith Erdin anfragte, ob sie ein Buch zum Thema Brotbacken schreiben wolle, war sie gleich Feuer und Flamme für dieses Projekt, erzählt sie. In dem Buch zeigt sie den Hobbybäckern, wie es ihnen gelingt, dass ihr Brot eine knusprige Kruste und eine luftigen Krume aufweist.  Das Werk beinhaltet die klassischen Rezepte vom Weggli bis zum Baguette. «Für das Ruchbrot benötigte ich zwölf Versuche, bis ich mit seinem Geschmack und seiner Form – oben schön aufgerissen – zufrieden war», erzählt sie schmunzelnd.
Praktisch ist, dass in dem Buch nicht nur viele Tipps und Tricks zu finden sind, es zeigt auch, wie man aus einem Grundteig gleich drei verschieden Brote backen kann. Die Autorin hat neben  Text und Layout, zusammen mit ihrem Partner Markus
Muoth, auch alle Bilder gemacht. «Das Projekt hat mir unglaublich Spass gemacht», erzählt sie. Das Feedback, das sie bis anhin bekommen habe, sei durchwegs positiv. «Gerade auch Auslandschweizer freuen sich enorm, dass sie mit dem Backen eines Zopfes ein Stück Heimat in die Stube bringen. Der Duft von Brot weckt immer auch Kindheitserinnerungen», so
Erdin. Wenn sie ein Brötli mit Erdbeerkonfitüre esse, fühle sie sich heute noch zurückversetzt in die Sommerferien mit der Familie.
Ideen für weitere Projekte schlummern bereits in ihrem Hinterkopf. «Vielleicht ein Buch über süsse Backwaren oder ein Kinderbackbuch», verrät sie schmunzelnd.

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