Der Kirchensegen hängt noch immer schief

Am 2. Mai stimmen die Katholiken von Gebenstorf-Turgi erneut über Rechnung und Voranschlag ab. Der Konflikt gärt indessen weiter.

Luc Humbel, Präsident der Katholischen Landeskirche Aargau (Bild: zVg)

28. April 2021
17:45

Am 2. Mai dürfen die Mitglieder der katholischen Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi erneut an die Urne. Da bei der Abstimmung vom 24. Januar sowohl Protokoll als auch Rechnung 2019 und Voranschlag 2021 abgelehnt wurden, ist – nach Anpassungen – nun eine zweite Abstimmung fällig. Diese Abstimmung sei rechtens und auch notwendig, sagt Luc Humbel, Präsident der katholischen Landeskirche Aargau. Sie beziehe sich auf Artikel 23 der Verordnung über den Finanzhaushalt der römisch-katholischen Kirchgemeinden, der wie folgt lautet: «Die zurückgewiesene Rechnung ist innert sechzig Tagen durch die Kirchenpflege und die Finanzkommission zu überprüfen und anschliessend mit Anträgen nochmals der Kirchgemeinde zu unterbreiten.» Sollte die Gemeinde die Traktanden wiederum ablehnen, tritt die nächsthöhere Instanz in Kraft. «Wird die Rechnung erneut zurückgewiesen, ist sie an den Kirchenrat weiterzuleiten, der endgültig entscheidet», bestätigt Humbel und bezieht sich dabei auf Artikel 23 der Verordnung.

Was sich an der Urne zeigt, ist das Ergebnis eines seit Monaten schwelenden Konflikts zwischen der Kirchenpflege unter dem Präsidium von Daniel Ric, dem ehemaligen Pater Adam Serafin, der gemäss Weisung des Bischofs mittlerweile in den Pfarreien Gebenstorf, Turgi und Birmenstorf keine Ämter mehr bekleiden darf, dem Kirchenrat und einem grossen Teil der Gemeindeglieder. Diese traten als Zusammenschluss der «Initiativgruppe Gebenstorf-Turgi» des Öfteren an die Öffentlichkeit. So auch vergangene Woche, als sie mittels eines Inserats in dieser Zeitung im Hinblick auf die bevorstehende Abstimmung eine Stellungnahme publizierten. Darin geben sie ihrem «gravierenden Misstrauen» Ausdruck und werfen der amtierenden Kirchenpflege «Machtmissbrauch» und «Dreistheit» und «Unverfrorenheit» vor.


Bischöflicher Brief

Auch Bischof Felix Gmür schaltete sich jüngst mit einer erneuten schriftlichen Stellungnahme ein, welche im katholischen Pfarrblatt des Kantons Aargau «Horizonte» publiziert wurde. Pater Adam bekleide in den drei Pfarreien im Wasserschloss keine Ämter mehr, hält er darin fest. Dies sei der Inhalt seiner zwei Dekrete vom 26. Oktober 2020 und vom 16. November 2020. «Pater Adam Serafin legte bei der Kleruskongregation in Rom gegen diese beiden Dekrete Beschwerde ein», schreibt er weiter. Am 5. Februar habe die Kleruskongregation dem Rechtsanwalt von Pater Adam mitgeteilt, dass die Beschwerde keine aufschiebende Wirkung habe. «Das bedeutet, dass die Dekrete umgesetzt werden müssen und der Pater in den drei Pfarreien keinen seelsorgerlichen Auftrag mehr wahrnehmen kann.» Im Wissen darum, dass rechtliche Verfahren «leider sehr lange» dauern, hoffe er, dass in den drei Pfarreien so schnell wie möglich Ruhe einkehre. Den Gläubigen empfiehlt er, bis auf Weiteres die Gottesdienste in Birmenstorf mitzufeiern.


Rückzug der Kündigung

Die katholische Kirchgemeinde Birmenstorf, die den Anstellungsvertrag mit Pater Adam ihrerseits gekündigt hatte, hat diese Kündigung mittlerweile zurückgezogen. Dies auf Rat der Schlichtungskommission. «Die Kommission hat argumentiert, dass es aufgrund der aufsichtsrechtlichen Kündigung durch den Kirchenrat keiner eigenen Kündigung durch die Kirchenpflege mehr bedürfe», erklärt Luc Humbel. «Pater Adam bleibt also weiterhin gekündigt.» Auch im Beschwerdeverfahren könne keine Aufhebung der Kündigung erstritten werden.


Erschwerte Kommunikation

Die Kommunikation innerhalb der Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi ist aktuell sehr schwierig. Die Seiten, auf denen im Pfarrblatt «Horizonte» üblicherweise die Publikationen der Kirchgemeinde veröffentlicht werden, werden momentan leer gedruckt. Die Zugänge zu den Seiten, die von den Verantwortlichen der Kirchgemeinden selbständig bestückt werden, sind gemäss «Horizonte» nach Rücksprache mit dem Bistum und der Bistumsleitung gesperrt worden. Auch die Berichterstattung über den weiteren Prozess in der Kirchgemeinde im Mantelteil wurde dem Pfarrblatt untersagt. Mittlerweile hat man den Zugang für die Kirchgemeinde zwar wieder freigeschaltet, diese zeigt aber kein Interesse daran, zumal sie alle Berichte und Informationen Bischofsvikar Valentine Koledoye zur Kontrolle schicken müsste. Deshalb nutzt die Kirchgemeinde von Gebenstorf-Turgi seit Januar ein eigenes Kirchenblatt, das auch online publiziert wird.

Der Blick in die Zukunft zeigt: Der Konflikt wird zumindest noch ein paar Monate andauern. «Es sind verschiedene Rechtsmittelverfahren am Laufen», sagt Luc Humbel. Man rechne noch vor den Sommerferien mit einem Entscheid aus Rom, welcher das Vorgehen des Bischofs bestätige. «Diesfalls erhoffen wir uns eine Klärung der Situation und ein Einsehen vonseiten der Kirchenpflege Gebenstorf-Turgi.»

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