Der Mensch bestimmt die Aufgaben

Der KMU-Anlass der NAB im Campussaal Windisch stand ganz im Zeichen des Kulturwandels von Unternehmen durch «Industrie 4.0». Im Fokus stand auch die Digitalisierung.

Roberto Belci, Hans-Jörg Aerni, Kurt Aeschbacher, Andreas Schwarz, Richard Müller, Benjamin Giezendanner (v.l.) (Bild: zVg)

18. Juni 2019
10:45

Es wird nicht genügen, wenn Unternehmen allein durch den Einsatz entsprechender Technologien versuchen, sich den neuen Anforderungen und Möglichkeiten einer «Industrie 4.0» zu stellen. Vielmehr müssen sie den damit verbundenen gesellschaftlichen Wandel sehen und ihre Mitarbeitenden darauf vorbereiten. Dass dieses Thema von grossem Interesse ist, äusserte sich in der Teilnahme von annähernd 500 Aargauer Unternehmerinnen und Unternehmern. Diese durften Roberto Belci, Mitglied der Geschäftsleitung der Neuen Aargauer Bank, und Benjamin Giezendanner, Vizepräsident des Aargauischen Gewerbeverbandes, begrüssen. 

In vielen Unternehmen werden die Millennials in den nächsten Jahren einen grossen Anteil der Mitarbeitenden stellen. Bei ihnen, so Richard Müller, Dozent für Betriebswirtschaft und Personalmanagement an der Fachhochschule Nordwestschweiz, in seinem Impulsreferat, ist Geld nicht der Antrieb – Stimmigkeit der Bezahlung wird vorausgesetzt. Sinn der Tätigkeit, Vision des Unternehmens und Chancen für Weiterbildung sowie Entwicklung im Unternehmen sind für diese Gruppe wichtig. Neben einer Tiefe im Arbeitsbereich wollen Mitarbeitende auch Verantwortung übertragen bekommen. Für die digitale Zukunft muss nicht nur der richtige Mix an Mitarbeitenden identifiziert, sondern für diese auch der Arbeitsplatz der Zukunft mit den richtigen Rahmenbedingungen und Arbeitsmitteln bereitgestellt werden.

 

Der Mensch steht im Zentrum

Der Begriff «Industrie 4.0» steht für die vierte industrielle Revolution und man will zum Ausdruck bringen, dass nach der Mechanisierung, Elektrifizierung und Automatisierung nun die Digitalisierung und Vernetzung im Gange ist. Anders als bei vorherigen technologiegetriebenen Umbrüchen geht es nicht um eine einzelne Technologie, sondern vielmehr um die Kombination aus verschiedenen Methoden und digitalen Technologien, die neue Potenziale aus der Vernetzung von Menschen, Produkten, Maschinen, Systemen und Unternehmen erschliessen. Müller betonte die Wichtigkeit der KMU in der digitalen Wirtschaft. Gleichzeitig sei deren Unternehmenskultur für die erfolgreiche Transformation in die «Industrie 4.0» enorm wichtig, weil der Mensch weiterhin im Zentrum stehe. Die Mitarbeitenden seien es, die über die Erfahrung und Beurteilung und Lösung von Ausnahmesituationen verfügen. «Die Herausforderungen der ‹Industrie 4.0› meistern Sie nur, wenn Ihre Mitarbeitenden dies wollen. Denn dann bringen sie ihre Arbeitskraft, ihre Kreativität und ihre Flexibilität in die Prozesse ein», so der Ratschlag von Müller an das Publikum. 

In seinem Fazit zeigte sich Müller überzeugt, dass Unternehmen in der «Industrie 4.0» ganz besonders danach streben müssten, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der Sinnhaftigkeit und Herausforderung mit Wertschätzung die Arbeit sichtbar machen. «Nur Firmen, die es schaffen, Mitarbeitenden den Sinn ihrer Arbeit zu vermitteln, werden in Zukunft erfolgreich sein.»

 

Werte müssen gepflegt werden

In der digitalen Vernetzung entlang der Wertschöpfungskette und des gesamten Lebenszyklus von Marktleistungen liegt ein grosses wirtschaftliches Potenzial. Im Praxistalk mit Moderator Kurt Aeschbacher gab Hans-Jörg Aerni, CEO der Elco in Brugg und Mitglied der Gruppenleitung der Wipf-Gruppe, darüber Auskunft, welche Ansprüche an Integrationsprojekte nach erfolgter Akquisition von Firmen im Spannungsfeld von Wachstum und Effizienz gestellt werden. Aerni zeigte sich überzeugt, dass es gilt, Werte zu definieren und durchzusetzen. Im Talk sprach er über seine Erfahrungen und gab seine Erfolgsrezepte über die nachhaltige Entwicklung von Unternehmenskultur, Vision und Strategie preis. 

Andreas Schwarz, Agile Coach und Organisationsentwickler bei Digitec Galaxus, sprach über seine Leidenschaft, das Befähigen von Menschen und Organisationen. Er gab dem interessierten Publikum einen Einblick in seine Vorstellungen des digitalen Wandels und über die Erfolgsfaktoren in der modernen Arbeitswelt. Für ihn sei es dabei wichtig, dass sich die Menschen aktiv einbringen können, dass auch verrückte Ideen erwünscht sind und im Unternehmen eine positive Fehlerkultur herrscht. Beim anschliessenden Apéro wurden Kontakte geknüpft und eigene Erfahrungen ausgetauscht.

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