«Der Nebel ist ein fotogenes Wesen»

Wo andere sich über den Nebel nerven, blüht Oliver Wehrli so richtig auf: Seine Serie «Brouillard» zeigt der Fotograf nun in Veltheim.

«Unverhofft hört der Wald auf. Ich stehe am Rand einer Wiese»: «Brouillard III»aus der gleichnamigen Seriebild: Oliver Wehrli
«Unverhofft hört der Wald auf. Ich stehe am Rand einer Wiese»: «Brouillard III»aus der gleichnamigen Serie (Bild: Oliver Wehrli)

von
Annegret Ruoff

13. Februar 2020
09:00

«Unverhofft hört der Wald auf. Ich stehe am Rand einer Wiese. Der Nebel ist hier dichter als im Wald und umgibt mich wie ein Mantel. Kalt. Feucht. Ich friere. Das Gefühl, alleine auf der Welt zu sein, vertieft sich. Kein Geräusch ist zu hören. Kein Luftzug regt sich. Unruhe breitete sich in mir aus. Zu gerne würde ich wissen, was mich erwartet – im undurchdringlichen Grau.»: Diese Zeilen der Aargauer Autorin Ina Haller hängen über Oliver Wehrlis Serie «Brouillard» – zumindest auf der Homepage des Fotografen. Die weissen Schwaden ziehen ihn schon länger in seinen Bann. «Der Nebel ist für mich ein fotogenes Wesen», sagt er. In seiner Bildserie «Brouillard» greift er das «oftmals verschmähte Wetterphänomen» auf. Dieses prägt seine Landschaftsfotografie. «Der Nebel ermöglicht mir eine gewünschte Reduktion in einem Bild», erklärt der Künstler. «Und gewisse Bildumsetzungen sind gerade wegen des Nebels überhaupt erst möglich.» Seine Serie zeige die fast schon surreal gespenstische Wirkung einfacher Motive im Zusammenhang mit dem Nebel. «So kommt kunstvolle Landschaftsfotografie ganz ohne exklusive Orte oder majestätische Landschaften aus», ist Oliver Wehrli überzeugt. 

Oliver Wehrli in Action
Oliver Wehrli in Action (Bild: zVg)

 

Reduktion auf das Wesentliche

Entstanden sind die Bilder in der nahen Umgebung seines Wohnorts Veltheim, wo er hauptsächlich draussen und analog unterwegs ist – mit seiner Grossformatkamera. «Diese Aufnahmetechnik ist auf das Wesentliche reduziert und verstärkt die mystische und reduzierte Wirkung nochmals», erklärt er. Seine Bilder gibt er nicht aus der Hand – er entwickelt und digitalisiert sie selbst.

Die Fotografie verbindet für Oliver Wehrli Auge, Geist und Handwerk zu einem Gesamtbild. Seine besondere Leidenschaft für die Landschaftsfotografie zeichnete sich bereits früh ab und wurde in den letzten Jahren zum Mittelpunkt in seinem Leben. Stundenlang streift er bei Wind und Wetter durch die Landschaft – stets auf der Suche nach dem richtigen Moment. Und nach dem richtigen Bild. «Manchmal braucht es Geduld», weiss er. Erst wenn alles zusammenspiele, könnten solche Bilder entstehen. Während seiner intensiven Erfahrungen in und mit der Natur hat Oliver Wehrli eine Haltung der Demut entwickelt. «Die Natur ist das grösste Kunstwerk», ist er überzeugt. Diese zu präsentieren, sei sein Wunsch. Dabei gilt sein Augenmerk immer auch der Ästhetik – und dem Glück, das in der nahen Umgebung zu finden ist. «Es sind nicht immer die weiten Reisen oder die gros­sen Motive, die reizvoll sind», ist er überzeugt. Das Arbeiten in der nahen Umgebung. habe den Vorteil, dass er sehr spontan auf Wetterbedingungen reagieren könne. Für seine Bilder bevorzugt er oft das frühe Morgenlicht. «Ich mag diese mystischen Stimmungen, die Ruhe ausstrahlen» schwärmt er. «Die feinen Farben und das weiche Licht: Sie begeistern mich.»

 

Beton, Eisen, Stein und Papier

Einige seiner «Brouillard»-Bilder zeigt der Veltheimer Fotograf nun in der Ausstellung der Gärtnerei Aareblumen. Der Anlass findet – organisiert von der Kulturvereinigung «Välte läbt» – bereits zum 12. Mal statt und versammelt vielfältiges Kunsthandwerk. Oliver Wehrli ist der einzige Kunstschaffende aus der Region. Nebst ihm stellen aus: Maricor Borgeaud, Rupperswil | Betonkunst; Fred Charen, Schöftland | Stein-
kapriolen; Margrit Döring, Usingen (D) | Keramik; Heidrun Dubiski, Oberentfelden | Fantasien in Stein; Heinz Fiechter, Riken | Holz/Kunststoff; Andrea Gloor, Seon | Keramikobjekte; Lisa Jost, Frick | filigrane Papierschnitte; Jürg Kuster, Biberstein | Holz-Pflanzenskulpturen; Hans Lienhard, Aarau | Drechslerarbeiten; Corin Stutz, Hendschiken | Kunst aus der Natur, und Erwin Surer, Wittnau | Eisenkreaturen.

An der Vernissage vom Freitag, 14. Februar, 18.30 Uhr, werden die Kunstschaffenden vorgestellt. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Kapelle Wynegruess aus Gränichen. An den Sonntagen, 16. Februar und 23. Februar, jeweils von 10 von 10 bis 12 Uhr, wird ein Sonntagsbrunch serviert. An den Wochenenden und werktags von 14 bis 16 Uhr kann man sich in der Kaffee-Stube verwöhnen lassen. 

14. bis 23. Februar
Gärtnerei Aareblumen
Tagstrasse 35, Au-Veltheim
www.vaelte-laebt.ch 

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