Der Orchesterverein lädt zum Swing

Am 15. Juni konvertiert der Orchesterverein Brugg zum Jazz. Unter dem Motto «Let's swing» improvisiert er mit der Band «4 Members only».

Die Jazzband «4 Members Only»
Die Jazzband «4 Members Only» (Bilder: zVg)

von
Annegret Ruoff

08. Juni 2018
09:00

Markus Joho und Markus Kunckler tragen nicht nur denselben Vornamen. Die beiden verbindet auch eine langjährige Freundschaft. Sie wuchsen in unmittelbarer Nachbarschaft in Windisch auf und gingen zwar nicht gleichzeitig, aber doch beide in dieselbe Schule. Schon im Studium begegneten sich die beiden Freunde auch musikalisch. So trat Markus Kunckler etwa mit einem klassischen Orchester auf, in welchem Markus Joho damals Violine spielte. Später spielten Joho und Kunckler für eine Kassettenproduktion zusammen 16 Kinderstücke ein. Und im Jahr 2004 begegneten sie sich in einem gemeinsamen Projekt mit dem Orchesterverein Brugg.

Nun treten sie im Serenade-Programm «Let's swing» ein weiteres Mal gemeinsam auf die Bühne: Markus Joho als Dirigent des Orchestervereins Brugg, Markus Kunckler als Leader der in der Region verankerten Jazzband «4 Members Only». Für die Serenade haben die beiden Musiker unter anderem Evergreens von Eva Cassidy, Randy Crawford, Gloria Estefan und Stevie Wonder arrangiert. Die Band spielt zudem sanfte Jazz-Balladen, groovigen Bossa Nova, swingenden Bebop und fetzige Eigenkompositionen. 

Freitag, 15. Juni, 20 Uhr
Salzhaus Brugg
www.orchesterverein-brugg.ch 

Markus Joho
Markus Joho

Markus Joho, Dirigent und Violinist

Markus Joho, tanzen Sie gerne?

Ja, sehr gerne. Ursprünglich ein absoluter Tanzmuffel, habe ich den Spass an der Bewegung zu Musik entdeckt. Zusammen mit meiner Frau besuche ich seit bald zehn Jahren einen Tanzkurs für Standard und Latin.

 

Mit welchem Jazzstück verbinden Sie besondere Erinnerungen?

Das ist schwierig zu sagen. Es gibt so viele schöne Jazzstücke. Am ehesten ists wohl «Autumn Leaves», vor allem in der von Eva Cassidy gesungenen Version.

 

Haben Sie als klassisch ausgebildeter Musiker auch schon Jazz gespielt?

Mit einem Streichquartett, in dem ich zehn Jahre lang gespielt habe, haben wir uns ab und zu auch an arrangierte Jazzstücke gewagt. Zurzeit spiele ich als Geiger in einer Bluesrock-Band. Da ist natürlich das eine oder andere Jazzstück dabei.

 

Welche Rolle spielt die Improvisation in Ihrem Leben: musikalisch und generell?

Als rein klassisch ausgebildeter Musiker habe ich eher Mühe, so einfach «ohne Noten und frei von der Leber» zu spielen. Ich bin aber im Moment intensiv daran, dies zu ändern. Generell habe ich es gerne eher geordnet. Was ich im Voraus planen kann, plane ich. Improvisation im Sinne von «Feuerwehrübungen» ergeben sich dann von selber.

 

Was gefällt Ihnen an der Begegnung von klassischem Orchester und Jazz-Band?

Die Spontaneität und Kreativität der Jazzmusiker ist schon faszinierend. Auch die Spielfreude ist ansteckend. Da wird Musik zum Teil unmittelbar «geschaffen». Für das klassische Orchester ist der Umgang mit Jazzrhythmen sehr lehrreich und befreiend. Umgekehrt kann für die Jazzmusiker der Live-Klang eines Streichorchesters faszinierend sein.

 

Und wo liegen, für Sie als Dirigent, die Schwierigkeiten dabei?

Die grösste Herausforderung war sicher das Arrangieren der Stücke für das Streichorchester. Es musste alles genau aufgeschrieben werden. Im Konzertraum – dem Salzhaus – wird die grosse Herausforderung sein, eine gute Klangbalance zu finden.

 

Worauf freuen Sie sich, im Hinblick auf die Premiere, besonders?

 

Auf ein aufgestelltes, offenes Publikum, auf welches der Funke der tollen Musik. die wir spielen werden, von Anfang an überspringt.

Markus Kunckler
Markus Kunckler

Markus Kunckler, Pianist

Markus Kunckler, tanzen Sie gerne?

Oh, ja. Ich tanze seit Jahren mit meiner Frau zusammen wöchentlich einen Abend. Es ist eine tolle Erfahrung, den Puls und den Rhythmus der Musik in Bewegung umzusetzen und auf diese Weise den Zugang zu finden.

 

Mit welchem Orchesterwerk verbinden Sie besondere Erinnerungen?

Es ist das Klavierkonzert in A-Dur von Mozart. Ich durfte dieses Konzert im Rahmen meiner Ausbildung an der Musikhochschule Zürich kennenlernen und spielen. Damit verbinde ich viele Emotionen und Eindrücke, besonders was den zweiten Satz betrifft.Den ersten und den dritten Satz liebe ich auch. Beide Sätze sind extrem spielfreudig und sprühen sensible Kraft und Energie aus. Traumhaft!

 

Welche Rolle spielt die Improvisation in Ihrem Leben: musikalisch und generell?

Die Improvisation und die Variation spielen in der Musik wie auch in meinem Alltag eine grosse Rolle. Ich mag dieses Ausloten der Möglichkeiten. Beides kann bereichern und viel Freude bereiten. Im Jazz muss man in Windeseile neue Wege finden, oft intuitiv und kaum überdenkbar, es geht alles sehr schnell! Aber dadurch dringt man in Nischen vor, die sonst verschlossen blieben.

 

Was gefällt Ihnen an der Begegnung von klassischem Orchester und Jazz-Band?

Die Klassik fasziniert, weil zwar eine genaue Niederschrift die Regeln zur Ausübung festlegt, durch die Interpretation jedoch ein grosser Spielraum entstehen kann. Dies auszuloten und zu bewirken, dass der musikalische Gedanke für den Zuhörer zugänglich wird, ist anspruchsvoll und spannend. In der Klassik werden Regeln zur Spielfreude, im Jazz erklingt Improvisatorisches Spiel mit Regeln. In gewissem Sinne ist das einfach ein anderer Ansatz.

 

Und wo liegen, für Sie als Bandleader, die Schwierigkeiten bei diesem Projekt?

Die Faszination liegt darin, die Unterschiede zu vereinen. Das bedeutet auch, sich zeitweise zurückzunehmen um dem anderen Platz zu machen. Daraus entsteht Spannung pur.

 

Worauf freuen Sie sich, im Hinblick auf die Premiere, besonders?

Ich freue mich auf das gemeinsame musikalische Ereignis und auf das Beobachten der musikalischen Entwicklung. Was wird klappen, was müssen wir umschiffen, wie werden wir das lösen? Es ist toll, dies mit so vielen Musikern und Musikerinnen zu erleben.

Kommentare (2)

  1. Attiger
    Attiger vor 1 Woche
    Höchste Zeit, dass Markus Kunckler und seine Band neuen Boden betritt, um die Band bei wohl anderem Publikum salonfähig zu machen.
    Antworten

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  2. Markus Kunckler
    Markus Kunckler vor 1 Woche
    Besten Dank für den ansprechenden Artikel und die damit verbundene Konzertanzeige!
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