Der «Place to be», auch in der Pandemie

Seit bald zehn Jahren ist Patrick Stäuble Centerleiter im ShoppiTivoli Spreitenbach. Der Fricktaler blickt trotz Corona positiv in die Zukunft.

Centerleiter Patrick Stäuble im ShoppTivoli, hier vor dem Café auf der Center Mall. (Bild: sha)

24. März 2021
15:44

Patrick Stäuble, 52

führt seit 1. Oktober 2011 die Geschäfte des ShoppiTivoli, Spreitenbach. Seine beruflichen Stationen sind alle im Detailhandel: Verkaufsleiter von Coop Mineralöl, Verkaufsleiter bei Coop Nordwestschweiz, Verkaufsleiter Lumimart Schweiz, Business Unit Leiter. Der Fricktaler lebt in Stein AG, hat zwei Kinder und nennt als Hobbys Fitness, Biken und den TV Stein.

Patrick Stäuble, wie ist Ihre Gefühlslage, nachdem alle Läden im ShoppiTivoli mit Ausnahme der Gastronomie seit dem 1. März wieder offen sind?

Ich bin glücklich, dass wir wieder öffnen konnten. Auch beim Verkaufspersonal verspüre ich grosse Erleichterung, dass es wieder zur Arbeit kommen darf. Anfänglich waren einige vielleicht noch froh über mehr Freizeit, doch nach ein paar Wochen war das sicher nicht mehr so. Auch in Gesprächen mit Kundinnen und Kunden spüre ich Freude. Bei allem Verständnis für die Vorsichtsmassnahmen ist die Lust, wieder einmal shoppen gehen zu können, sehr gross.


Die Mall gab in den Lockdown-Wochen ein ungewohnt unbelebtes, düsteres Bild ab!

Die vergangenen Wochen waren sehr schwierig. Der Aargauer Alleingang mit dem Lockdown kurz vor Weihnachten traf unsere Läden sehr hart. Die Einkäufe wurden bis Mitte Januar entsprechend in die Nachbarkantone verlagert, das haben mir Centerleiter aus den Kantonen Zürich und Baselland bestätigt. Mit dem nationalen Lockdown war zwar die Wettbewerbsverzerrung aufgehoben, das tröstete uns aber wenig. Maximal 30 von total 150 Geschäften im ShoppiTivoli waren offen. Einige Bereiche der Mall und ganze Parkgeschosse mussten wir abriegeln, um Nebenkosten zu sparen. Im Januar und Februar verzeichneten wir noch 10 bis 15 Prozent der üblichen Kundenfrequenz.


Konnte der Lockdown auch für Arbeiten genutzt werden?

Genau, während des Lockdowns haben wir Unterhaltsarbeiten vorgenommen, die wir sonst ausserhalb der Öffnungszeiten hätten machen müssen. Einige Geschäfte wie C&A, H&M oder PKZ haben den Laden während der Schliessung umgebaut und erneuert. Diese Zeit konnte also auch positiv genutzt werden.


Wie verlief der Kundenandrang nach Aufhebung des Shutdowns?

Ich möchte betonen, dass sich die Leute sehr ruhig und anständig verhalten. Die Maskenpflicht wird praktisch vollständig und korrekt eingehalten, wie ich bei Rundgängen festgestellt habe. Die  Kunden kommen jetzt vermehrt unter der Woche und zu Randzeiten, was von uns gewünscht und gefördert wird. Die Öffnungszeiten bis 20.00 Uhr kommen uns zugute. An den ersten beiden Samstagen nach dem Lockdown-Ende zählten wir maximal 4200 Personen im ganzen ShoppiTivoli, zusammengesetzt aus 3500 Kunden und 700 Mitarbeitenden. Maximal wären 5300 Personen erlaubt, wobei wir die Mall nicht mehr bei der Berechnung der maximalen Personenzahl hinzurechnen dürfen.


Wie stellen Sie sicher, dass sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig im Center aufhalten?

Über unser Kamerasystem wird die Anzahl der Anwesenden bestimmt, und via Parksystem steuern wir den Zustrom. Befinden sich zu viele Kunden vor Ort, wird der Einlass beim Parking gebremst. Bei den Eingängen neben der Post und beim Manor sind zusätzliche Sicherheitsleute postiert, die den Einlass kontrollieren. Zudem wurden sämtliche Sitzgelegenheiten im Mall-Bereich demontiert, und das Essen und Trinken ist untersagt. Sobald die Regeln missachtet werden, schreiten wir konsequent und rigoros ein. 


Konnten alle Läden nach dem Lockdown wieder öffnen?

Ja, mit Ausnahme des Candy Shops «Lolipop». Diese Kette ging gesamtschweizerisch in Konkurs. Dank einem Auffangplan sollen aber rund zehn Shops am 1. April wieder öffnen können. Derjenige in der Centermall wird dazu gehören.


Machen Sie sich aufgrund der Pandemie Sorgen, dass es im ShoppiTivoli zu Leerständen kommt?

Nein, als flächenmässig grösstes und ältestes Einkaufszentrum der Schweiz am Rande von Zürich sind wir attraktiv genug, um auch weiterhin gut im Markt zu bestehen. Die Pandemie wirkt aber sicherlich als Brandbeschleuniger für die Digitalisierung. Bereits heute findet eine Bereinigung im Schweizer Detailhandel statt. Ich gehe davon aus, dass in den kommenden Jahren ein Viertel bis ein Drittel der Verkaufsläden an sogenannten C- oder D-Lagen geschlossen werden könnte. Man hört, dass grosse Ketten zwischen zehn und fünfzehn Filialen dicht machen  werden.


Wie kann das ShoppiTivoli dem Trend des Online-Shoppings entgegenwirken?

Die Retailflächen dürften in Zukunft auch bei uns schrumpfen, da die Anbieter nur noch einen Teil ihres Sortiments vor Ort zeigen und den Grossteil online anbieten können. Wir werden mit neuen Gefässen reagieren, die den Mietern grössere Flexibilität bieten. Dazu zählt etwa eine Fläche, die fix für temporäre Pop-up-Stores reserviert ist.


Warum werden die Einkaufszentren auch in Zukunft ein grosses Publikum ansprechen?

Weil wir ein attraktives Gesamtpaket vor Ort anbieten. Der gute Mix in der Mall macht es aus. Einkaufen bedeutet viel mehr, als «nur» Lebensmittel und die Dinge des täglichen Bedarfs zu besorgen. Nebst dem Fokus auf Fashion-Anbieter und dem Grundangebot spielen Dienstleister aus den Bereichen  Schönheit und Gesundheit wie etwa Coiffeure, Make-up-Artisten, Nagelpflegerinnen, Zahnärzte, Fitnesscenter, aber auch Kinos oder Versicherer als komplementäre Nutzung eine wichtige Rolle. Die Gastronomie dient zur Förderung der Aufenthaltsdauer und -qualität. Mit unserem Foodcorner im Tivoli, dem McDonald’s und diversen Restaurants und Cafés sind wir da gut aufgestellt, auch wenn diese Bereiche natürlich im Moment pandemiebedingt noch geschlossen bleiben müssen.


Welche neuen Anbieter würden Sie gerne im ShoppiTivoli willkommen heissen?

(überlegt kurz und antwortet dann bestimmt): Vielleicht einen Showroom von Tesla? Es ist ein Brand, der boomt und der E-Mobilität zum Durchbruch verholfen hat. Mit Carglass haben wir bereits einen Anbieter im Auto-Dienstleistungsbereich vor Ort. Oder im Sportbereich wäre der Sportgeräte- und Bekleidungshändler Decathlon interessant. Publikumsmagnete wie Bershka, Van Graaf oder Ochsner Sport sind bereits bei uns eingemietet.


Wie ermitteln Sie Trends?

Indem ich die Entwicklung in ausländischen Einkaufszentren verfolge. Dann sicher auch im täglichen Gespräch mit unseren Besuchern. Gerade junge ShoppiTivoli-Kunden haben ein gutes Gespür für Trends und fragen mich manchmal, wann denn dieser oder jener beliebte Shop aus dem Ausland auch zu uns komme! Die japanische Lifestyle-Kette Muji hatte etwa  bei uns angefragt. Zurzeit betreibt sie hierzulande aber erst eine Niederlassung im Glattcenter. Wenn es dort gut läuft, kommen sie vielleicht auch nach Spreitenbach. Attraktivität schaffen wir auch, indem wir neuste Brands in der Schweiz bei uns ansiedeln. Zum Beispiel hat der Kindershop Polarn O Pyret, vor einer Woche den ersten Schweizer Store bei uns eröffnet.


Warum ist das ShoppiTivoli auch nach 51 Jahren noch der «Place to be»?

Ganz einfach, weil man sich bei uns wohlfühlt (lacht). Ich glaube, wir haben eine schöne Mall. Einmal liess sich ein asiatisches Hochzeitspaar sogar bei uns am schönsten Tag ihres Lebens ablichten. Und wenn ich Jugendlichen Hausverbote aussprechen muss, was vorkommt, können diese mir in einem Brief nach einem Jahr darlegen, warum sie sich gebessert haben. Dann dürfen sie nach einer Prüfung das ShoppiTivoli wieder betreten.


Gibt es Ideen zur Belebung der Mall?

Ja, die gibt es! Ich hoffe, schon bald unsere beliebte Rolltreppen-Challenge wieder durchführen zu können. Weiter planen wir Aktionen wie einen «Woman’s Day» oder auch einen «Man’s Day». Eine Ausstellung von Blaulichtorganisationen ist geplant, wobei die REGA den Auftakt machen soll.


In Spreitenbach herrscht derzeit ein Bauboom. Profitiert das ShoppiTivoli?

Davon bin ich überzeugt. In der Nachbarschaft wurde bereits ein Kino-Komplex realisiert, und unmittelbar in unserer Nähe entsteht eine Obi-Filiale. Mit der neuen Haltestelle der Limmattalbahn erhalten wir 2022 eine weitere attraktive Anbindung an den ÖV. Damit wird man uns noch umweltfreundlicher und rascher erreichen können.

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