Der «Tatort» – ein Phänomen

Seit über fünfzig Jahren flimmert sonntags der berühmteste deutsche Krimi über Millionen Bildschirme. Auch das Odeon lädt zum «Tatort»-Viewing.

Gemütlich zusammen Krimi schauen: Die «Tatort»-Ecke im Odeon Brugg. (Bild: zVg)

von
Laura Hohler

13. Januar 2022
13:59

Als 1970 der erste «Tatort» im Fernsehen kam, war die Welt noch eine andere. Doch was sich nicht verändert hat, ist die Begeisterung zahlreicher Deutscher, Schweizer und Österreicher für das 90-minütige Krimiformat im Ersten. Das beginnt schon bei der eingängigen Titelmelodie, die auch Menschen, die sich nicht für Krimis interessieren, bekannt sein sollte. Noch heute gilt Komponist und Jazzmusiker Klaus Doldinger (86) als Legende. Anfragen für den «Tatort» sind auch bei Schauspielerinnen und Schauspielern noch hoch im Kurs. Wer einmal darin zu sehen ist, darf sich auf ein Millionenpublikum freuen.


Man liebt sie – oder eben nicht
Der «Tatort» lebt von den Kommissarinnen und Kommissaren, die die Kriminalfälle zu lösen haben. Zahlreiche Ermittlerteams des «Tatort» haben mittlerweile Kultstatus erreicht, und das teilweise seit Jahren. Krimi-Liebhabern sind Namen wie «Boerne und Thiel» (Münster), «Ballauf und Schenk» (Köln) oder «Batic und Leitmayr» (München) ein Begriff, zu dem sie eine Meinung haben. Wird ein solches Ermittlerteam bei einer Diskussion genannt, scheiden sich schnell die Geister. Die einen lieben beispielsweise den Münsteraner Klamauk-Tatort mit Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Frank Thiel (Axel Prahl), die anderen können damit nichts anfangen. Die Einschaltquoten liegen beim Münsteraner Team jedoch stets in Rekordhöhe, wovon andere Fernsehformate nur träumen können.


Krimi oder Kunstfilm?
Auch diverse Regisseure und Drehbuchautoren durften sich in den letzten Jahren kreativ ausleben beim «Tatort». Dies führte dazu, dass gewisse Episoden kaum mehr etwas mit dem Krimi-Genre zu schaffen hatten, sondern schon als Kunstfilm bezeichnet werden konnten. Den deutschen Schauspieler Ulrich Tukur (64) engagierte man für solche gerne. Teilweise waren sie aber auch schlicht albern und ergaben keinen Sinn, wie kürzlich eine Hamburger-Folge mit Udo Lindenberg als Gaststar. Viele erhofften sich, dass der Musiker eine tragende Rolle in dem Krimi haben würde. Doch die Fans wurden bitter enttäuscht. Lindenberg gab lediglich ein paar Lieder zum Besten und rauschte ab und zu durch die Gänge des Hotels Atlantic, wo der Musiker auch privat residiert. Text hatte er kaum. Auch die eigentliche Story des Films war konfus und verwirrend. Mit Krimi-Handwerk hatte das nur wenig zu tun.

Doch egal, ob man den «Tatort» nun mag oder nicht – die Filmreihe ist ein Phänomen, die seit mehr als fünfzig Jahren unterhält und für Diskussionsstoff am Montagmorgen sorgt.


«Tatort»-Ecke im Odeon
Im Odeon startet morgen Freitag mit der Lesung von Stephan Pörtner einerseits die literarische Tour-de-Suisse namhafter Krimiautorinnen und -autoren. Die Reihe verspricht gemeinsames Eintauchen in mörderische Abgründe und Abtauchen in kriminalistisches Rätselraten. Daneben bringt das Odeon Krimis auf die Leinwand: Nach einem Eberhofer-Abend zum Schmunzeln folgt als Schluss- und Höhepunkt eine lange Kriminacht: Dabei kann man exklusiv die erste Staffel «Wilder» mit dem Drehbuchautor und einem Überraschungsgast erleben. Ausserdem gibts jeden Sonntag «Tatort» in der TV-Ecke im ersten Stock.

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