Der Wachtel-Guru aus Villnachern

Viele Aargauer Kinder kennen ihn und seine Wachteln: Auch in diesen Tagen werden an neun Schulen Eier der Vögel von Beat Buchle ausgebrütet.

Beat Buchle im Wachtelstall in Villnachern (Bild: sha)

31. März 2021
21:33

Die Frage, ob am Anfang das Ei oder der Vogel war, kann Beat Buchle eindeutig beantworten. Bei ihm waren es die Wachteln – und es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick. «Ich entdeckte in einem Garten in Brugg ein Freilaufgehege mit kleinen braunen Vögeln und war total fasziniert», erinnert er sich schmunzelnd. Schliesslich konnte er den Besitzer davon überzeugen, ihm die Tiere, die er rasch einmal als japanische Wachteln identifiziert hatte, zu überlassen. Das war vor vierzehn Jahren. Doch warum haben es ihm ausgerechnet die Wachteln angetan? Der auf einem Hof in Villnachern aufgewachsene 56-Jährige denkt kurz nach und erklärt dann: «Tiere mochte ich schon immer. Viele Jahre züchteten wir zuHause Thüringer und Russenkaninchen. Mich faszinierten aussergewöhnliche Arten, die nicht jedermann besitzt. Und Wachteln sind hierzulande eher Exoten.»


Tipps für angehende Wachtel-Halter

In den letzten vierzehn Jahren hat sich viel getan im ehemaligen Rossstall am Wallbacher Hinterbalm. Beat Buchle, der als Hausmeister an den Schulen von Brugg arbeitet, hat sich ein immenses Wissen über die kleinen Hühnervögel angeeignet und sich zu einem veritablen Wachtel-Guru entwickelt. Jeden Samstag um etwa 12 Uhr empfängt er Besucher, die manchmal aus der ganzen Deutschschweiz anreisen. Sie interessieren sich für die Wachtelhaltung, und Buchle beantwortet bereitwillig ihre vielen Fragen. Es komme fast jeden Samstag jemand, erklärt Buchle. Der Samstagmittag ist aber auch ohne Gäste ein Moment der Ruhe, den der Familienvater geniesst. In den zwei Stunden davor hat er den Stall im Rahmen der wöchentlichen Reinigung gemistet. Oft setzt er sich dann auf eines der Bänkli im Stall und geniesst den Augenblick. Und seine 550 Wachteln scheinen es im gleichzutun. «Nach dem Misten sind auch die Wachteln ruhiger», meint er lachend. Es dauere immer ein Weilchen, bis die Wachtelhähne wieder nach den Hennen rufen. Diese leben im Verhältnis von etwa eins zu vier im grosszügigen Stall mit vielen Versteckmöglichkeiten. Es darf nicht zu viele Hähne haben, damit die Weibchen nicht zu sehr gestresst werden. Ebenfalls unter den Wachteln leben ein aufgepäppelter Güggel – sein Vorbesitzer hielt ihn für tot und entsorgte ihn auf der Kadaverstelle – sowie zwei Kaninchen.


Eine Wachtellegt bis zu 300 Eier im Jahr

Bei guter Haltung legt ein Wachtelweibchen bis zu 300 Mini-Eier pro Jahr. Anders als bei Hühnern kann Buchle aber nicht kontrollieren, welche Wachtel mehr oder weniger Eier legt. Das ist ihm auch egal. «Bei mir dürfen es alle Wachteln bis an ihr Lebensende schön haben; sie sterben nach etwa fünf bis sechs Jahren im Stall eines natürlichen Todes.»

Frühmorgens fühlt sich Beat Buchle stets fast wie der Osterhase. Er sammelt die Eier im Stall ein, verpackt sie, und einmal wöchentlich beliefert er – oft in der Mittagspause oder am Samstagnachmittag – die Läden in der Region (Buono Brugg, Biolade Bade, Landi Wasserschloss in Gebenstorf sowie auch die Lachsräucherei Kuratli in Nussbaumen). Beat Buchle bietet die Eier zudem an einem kleinen Verkaufsstand bei seinem Wohnhaus in Villnachern an.

Wachteleier werden immer beliebter, weil sie würzig und cholesterinarm sind und ein Vielfaches an Phosphor, Eisen, Vitamin A, B1 und B2 gegenüber einem Hühnerei aufweisen. Beat Buchle kennt auch viele Kunden, die Wachteleier roh oder verquirlt mit Orangensaft trinken und so gegen Allergien und zu Therapiezwecken einsetzen. Bereits die heilige Hildegard von Bingen hielt Wachteleier für eine günstige Nahrung und rühmte deren stärkende Wirkung.


Brutapparate an Schulen

Beliebt und bekannt sind Beat Buchle und seine Tiere  auch wegen des Projekts «Wachtelschlüpfen». Bei diesem können die Kinder das Schlüpfen der Bibeli nach siebzehn Tagen Brutzeit live miterleben. Diesen Frühling wurde und wird dieses an den Kindergärten in Würenlingen, Zeiningen, Aarau und Schinznach-Bad sowie auch im Brugger Stapferschulhaus durchgeführt. Bei Buono Bio-Delikatessen, Brugg, sind die Bibeli vor wenigen Tagen geschlüpft. Und in der ersten Klasse von Villigen dürfen ab dem 26. April Wachteleier im Brutapparat beobachtet werden. Wenn die Bibeli dann schlüpfen, sind Rufe des Entzückens garantiert. Buchle erhält immer tolle Rückmeldungen von den Kindern und ihren Eltern, die in der Vor-Corona-Zeit beim Schlüpfen dabei sein durften. Buchle mag die in den Schulen geschlüpften Küken: Sie sind zutraulicher, weil sie von Geburt an den Anblick und die Stimmen der Menschen gewöhnt sind.

Im Rahmen des Schlüpfprojekts werden auch kritische Fragen gestellt: Manche können nicht verstehen, warum die meisten Männchen im Alter von wenigen Monaten geschlachtet werden müssen. Der Wachtelzüchter erklärt dann auf seine ruhige Art, dass er in seinem Bestand nur etwa einen Fünftel Wachtelhähne halten kann. Das Schlachten der Tiere übernimmt er übrigens selbst. Er verkauft das Wachtelfleisch an Metzgereien, und es wird auch zu Würsten verarbeitet, die Buchle unter anderem am Veltheimer Pfalzmärt anbietet.


Niedlich – aber oho!

Häufig interessieren sich Familien mit Kindern für die putzigen Vögel. Beat Buchle rät aber in der Regel davon ab, Wachteln als Haustiere zu halten. Er weiss, dass der Aufwand für das Hobby  unterschätzt wird. «Wachteln brauchen trotz ihres niedlichen Aussehens einen geräumigen Stall mit viel Freilauf, sie machen Lärm, produzieren einigen Mist und Staub. Das unterschätzten leider viele Halter, und sie brachten mir dann die Wachteln wieder retour. Ich konnte diese aber aus Hygienegründen nicht in meinen Bestand  zurücknehmen und musste sie töten». Deshalb verkauft Beat Buchle seit einigen Jahren aus Prinzip keine Lebendwachteln mehr.

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