Detaillisten nehmen Herausforderung an

City Com lud zusammen mit der Standortförderung Baden zu einem Forum. Diskutiert wurden E-Commerce und innovative Geschäftsmodelle.

Podium im Trafo: Thomas Lütolf, Aida Mazhiqi, Daniela Holdener, Katia Röthlin, Myriam Mele und Thomas Lang. (Bild: sha)

08. September 2021
17:36

City Com Baden, die Innenstadt-Vereinigung der Badener Detaillisten und Badens Gewerbeverband, hat zusammen mit der städtischen Standortförderung eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen: das Forum Einkaufsstadt. Diese «Inspirations-, Diskussions- und Austauschveranstaltung» fand erstmals am Donnerstag, 2. September, im Kultur- und Kongresszentrum Trafo statt. Das Thema lautete: «Stationärer Handel unter digitalem Druck – welche Chancen bieten sich?»

Rund 70 Vertreterinnen und Vertreter des Badener Detailhandels trafen sich um 19 Uhr gutgelaunt im Trafo. Begrüsst wurden sie von Michael Wicki,  Interims-Präsident von City Com. Es bestünden seit der Pandemie neue Herausforderungen. «Die Detaillisten litten stark», so Wicki. Die digitale Transformation habe einen grossen Schub erhalten.


Corona-Schub für Onlinehandel

Dies wusste Key Note Speaker Thomas Lang aus dem Effeff. Der Gründer und Digital Business Advisor der Carpathia AG bestätigte, dass der Onlinehandel durch die Pandemie einen Schub von 3 Milliarden Franken erhielt und im Jahr 2020 einen Umsatz von 13,1 Millarden Franken machte. «Die Entwicklung von drei Jahren fand innert eines Jahres statt», sagte Lang. Der Zürcher war an diesem Tag extra früher nach Baden gereist und hatte sich in der Innenstadt umgesehen. Was er sah, stimmte ihn zuversichtlich. «Sie haben hier in Baden eine sehr schöne Einkaufsmeile, für deren Besuch die Kundschaft sicher gerne anreist.» Er gab den Anwesenden fünf Denkanstösse auf den Weg. So regte er etwa an, dass kleine Läden ihre Einzigartigkeit und Individualität in den digitalen Raum transportieren und ausspielen könnten. Lang ergänzte: «Persönliche Beratung heisst nicht ausschliesslich, dass sich die Personen physisch gegenüberstehen müssen.» Begegnung und Shopping sollen nach seiner Meinung  entkoppelt werden. Die Innenstädte hätten es sich lange zu einfach gemacht, ihre Attraktivität über den Detailhandel zu definieren. «Sie müssen aktiv selber besorgt sein, eine attraktive Destination zu bleiben oder zu werden», folgerte Lang. Er empfahl den Aufbau eines Onlineshops. Und wenn man dies tue, sollten die Betreiber die Abhängigkeit von den Kundenzugangsdienstleistern so tief wie möglich halten. «Reduzieren Sie die Vergleichbarkeit Ihres Angebots und identifizieren und erschliessen Sie zusätzliche Erlösquellen zum reinen Handelsgeschäft», lautete die Empfehlung des Key Note Speakers.


Nicht alle wollen Onlineshop

Dass Thomas Lang selbst ein überzeugter Online-Shopper ist, verriet er nach der entsprechenden Frage von Podiumsmoderatorin Katia Röthlin. Von seinem Outfit habe er einzig seinen Gürtel stationär in einem Laden gekauft, räumte Lang mit einem Lächeln ein. Dieses Geständnis sorgte für ein leines Raunen im Publikum, das grösstenteils aus Ladenbesitzern bestand. Von den Podiumsteilnehmern sprach sich einzig Daniela Holdener gegen einen Onlineshop aus. «Wir haben das für uns geprüft und sind zum Schluss gekommen, dass wir keinen Onlineshop haben wollen», sagte die Teilhaberin des Outdoor-Shops und der Coffee Bar YanaCocha. Man hätte zusätzliches Personal einstellen müssen, so Daniela Holdener.

Myriam Mele, Senior Counsel Pearl Lady Fashion AG (unter anderem Laube & Gsell und Street One), bestätigte einen «Bounce Back»-Effekt, als die Läden wieder öffen durften. «Wir spürten, dass die Kundschaft gerne wieder in die Läden kam und zwar auch viele junge Leute, die sonst oft in sozialen Medien unterwegs sind.»

Aida Mazhiqi, Marktleiterin des Migros Baden City ist überzeugt: «Unsere Gesellschaft hat sich verändert.» Migros sei dank Formaten wie «Pick me up» zunehmend digital unterwegs. «Wir versuchen, den stationären Handel mit dem Onlinehandel zu verknüpfen», so Mazhiqi.

Für Thomas Lütolf, Leiter Standortförderung, steht fest: «Es wäre Heimatschutz, wenn man alle stationären Läden in der Innenstadt erhalten will.» Er empfahl: «Tauschen Sie sich untereinander aus und schauen Sie, was der andere anbietet.» Experimentieren ist für Lütolf das Rezept der Zukunft.

Für Michael Wicki stand in seinem Schlusswort vor dem Apéro fest: «Das Digitale ist kein Hindernis, sondern unsere unsere Zukunft, der wir uns stellen müssen.»

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