Die Bärenmutter von Baden

Am Sonntag feiert Maria Kaufmann das 15-Jahr-Jubiläum ihres Teddybär-­Museums – einer einzigartigen Institution in der Schweiz.

Maria Kaufmann mit einiger ihren Bären – über tausend davon hat sie in ihrer Sammlung. (Bild: ub)

24. November 2021
14:37

Jubiläumstag

Das Teddybär-Museum ist am Sonntag, 28. November, von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Vor dem Museum findet ein Apéro statt. Neben der neuen Ausstellung «Bäregässli» im Untergeschoss wird auch Unterhaltung mit Rattatui-Tschäss sowie Mal- und Bastelwettbewerb geboten.

Obere Halde 24, Baden
teddybaermuseum.ch

Wie so viele Babys bekam auch Maria Kaufmann zu ihrer Geburt einen Teddybären geschenkt. Doch er sollte sie nicht nur durch ihre Kinderjahre begleiten, sondern den Anfang einer Sammlung bilden, die heute rund 1000 Plüschtiere umfasst. Vor fünfzehn Jahren kaufte sie das Haus an der Oberen Halde 24 in Baden, um darin ihr Teddybär-Museum einzurichten. Neben Sempach bisher der einzige Ort, in dem sich alles rein um die Stofftiere dreht. Und das in einem gewaltigen Ausmass.


Liebevoll inszenierte Welten
Auf vier verwinkelten Etagen entfalten sich ganze Märchenwelten, die jeden Betrachter wieder zum Kind werden lassen. In verschiedenen Vitrinen toben die Bären durch den Schnee, fahren Karussell oder schauen sich im Zirkuszelt eine Raubtiernummer an. «Grossmütter erklären dann ihren Enkeln, dass es früher noch Tiere gab im Zirkus», erzählt Kaufmann. Ihre Exponate zeigen, wie vor 70 bis 120 Jahren gelebt wurde. «Mädchen lernten kochen, die Buben beschäftigten sich mit Autos und Technik.» Liebevoll hergerichtete Szenen zeigen, wie in Küchen an alten Öfen gebacken wurde. Jedes Detail bis zur wattebauschigen Schneeflocke ist liebevoll handgemacht. Es gibt einen Stoff- und einen Lebensmittelladen, an deren Details man sich kaum sattsehen kann.

Maria Kaufmann ist Kindergärtnerin und seit zwei Jahren pensioniert. Als Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern reduzierte sie ihren Beruf früh auf 50 Prozent. Das Teddybär-Museum baute sie während ihrer Berufstätigkeit mit wenig finanziellen Möglichkeiten auf. «Ich hatte nie viel Geld, konnte nicht einfach einkaufen und musste mir meine Träume immer mit minimalen Mitteln aufbauen», sagt sie. Ihr Museum eröffnete sie in Baden ohne Beziehungsnetz. Einer ihrer grossen Förderer war das Stadtoriginal Sepp Schmid: Er glaubte an ihr Unterfangen und legte sogar selber Hand an, zum Beispiel bei der komplexen Balkenkonstruktion im untersten Geschoss.


Sonderausstellung im Altstadtambiente
Kaufmanns erster eigener Teddybär ist immer noch mit dabei auf Führungen. «Meine Mutter hat ihn mir zu meinem zwanzigsten Geburtstag neu gestopft», sagt sie stolz. Er begleitet sie nun, wenn sie Gäste durchs Museum führt und ihre Geschichten erzählt. Und das kann sie gut. Seit vielen Jahren engagiert sie sich auch als Märchenerzählerin und findet aus ihrem reichen Repertoire immer genau das, was zu ihrem Publikum passt.

Für das 15-Jahr-Jubiläum des Museums hält Maria Kaufmann einige Überraschungen parat. In der Sonderausstellung «Bärengässli» im Untergeschoss wurde das Altstadt-­ambiente rekonstruiert. Jedes Haus hat einen eigenen Laden oder ein Café. Überall sitzen – natürlich – Bären. «Mein Schwager hat gekrampft wie verrückt», erzählt Kaufmann. «Die Böden sind mit echten, winzigen Steinplättchen verlegt, jeder Holzbalken wurde von Hand gedrechselt.»

Maria Kaufmanns Museum ist weitherum bekannt. Und mittlerweile nennt sie in ihrer Sammlung ein Steiff-Exemplar von 1904 mit Zertifikat ihr Eigen. Davon existieren nur noch eine Handvoll. Nach ihrer Teilnahme an der Fernsehsendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» bekam sie kürzlich einen ganzen Karton voller Bären aus Luxemburg geschenkt. «Da waren holländische und französische Exemplare dabei, die meiner Ausstellung neue Impulse geben werden», freut sie sich.

Alte Sachen, wie sie Kaufmann neben den Bären ebenfalls präsentiert, werden heute leider immer weniger geschätzt. «Ich bekomme wunderschöne Antiquitäten geschenkt, deren Besitzer froh sind, dass sie sie vor der Entsorgung retten können. Dabei steckt handwerklich so viel Sorgfalt darin, wie man sie kaum mehr findet. Das macht mich traurig.»

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